RM Rudolf Müller
Großvolumige Waren wie Dämmstoffe gelangen oft über Streckengeschäfte auf die Baustelle. Foto: Rockwool

Großvolumige Waren wie Dämmstoffe gelangen oft über Streckengeschäfte auf die Baustelle. Foto: Rockwool

Hintergrundwissen
18. Oktober 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Baustoff-Fachhandel: Was ist ein Streckengeschäft?

Der Baustoff-Fachhandel verkauft die Waren der Baustoffhersteller an Profi-Kunden und Endverbraucher. Bevor die Produkte am Ende ihren Bestimmungsort erreichen, legen sie logischerweise immer eine „Strecke“ zurück. Warum aber gelten dann so genannte Streckengeschäfte als eine Sonderform des Verkaufs im Baustoff-Fachhandel?

Das Verfahren, durch das die Baustoffe über den Fachhandel zum Kunden gelangen, ist nicht immer dasselbe. Das wird sofort klar, wenn man bedenkt, dass viele Geschäfte im Baustoffhandel ja Selbstabholer-Geschäfte sind. In diesen Fällen holt der Kunde die Ware bei seinem örtlichen Fachhandelsstandort selbst ab. Auf Wunsch liefert der Handel aber natürlich auch direkt auf die Baustelle. Mithilfe seines Fuhrparks oder in Zusammenarbeit mit externen Logistikunternehmen. In beiden Fällen – beim Selbstabholer-Geschäft und beim Versendungskauf durch den Händler – lagert die Ware beim Baustoffhandel, bevor der Kunde sie erhält. Beim normalen Versendungskauf tritt der Handel für „die letzte Meile“ zum Kunden zudem als Verlader auf.

Sonderform des Versendungskaufs

Doch daneben gibt es im Baustoffhandel noch eine andere, weit verbreitete Form des Versendungskaufs: das so genannte Streckengeschäft. Bei dieser Variante bestellt der Kunde – Profi-Verabeiter oder privater Bauherr – die Ware zwar beim Fachhandel, diese wird aber nicht vom Lager des Händlers aus geliefert, sondern gelangt direkt vom Werkstandort des Herstellers zu ihrem endgütigen Bestimmungsort. Die Bezeichnung Streckengeschäft mag im ersten Moment etwas verwirrend klingend, weil ja tatsächlich immer Strecken zurückgelegt werden, wenn man Waren von A nach B transportiert. Aber sie hat sich nun mal als landläufiger Name für diese Form des Verkaufs durchgesetzt. Das Geschäft „mit der Strecke“ steht sozusagen im Gegensatz zum Lagergeschäft des Handels.

Das Besondere am Streckengeschäft ist, dass die beim Handel bestellte Ware zu keinem Zeitpunkt am Handelsstandort „aufschlägt“. Sie wird dort nicht angeliefert, nicht eingelagert und auch nicht verladen. Der Händler hat überhaupt keinen physischen Kontakt zur Ware. Stattdessen verläuft der Transport direkt vom Werksgelände des Herstellers zum Kunden. Damit ähnelt das Streckengeschäft durchaus dem Direktgeschäft zwischen Industrie und Profi-Kunden – mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Handel dabei nicht umgangen wird. Beim Streckengeschäft bleibt der Händler ja Auftragnehmer. Er vermittelt die Bestellung an die Industrie. Über ihn laufen Rechnungsstellung und Zahlungsvorgang. Und er wird zwischenzeitlich Eigentümer der Ware, auch wenn er sie selbst nie in den Händen hält.

Verbreitung von Streckengeschäften

Im Baustoff-Fachhandel kommen Streckengeschäfte durchaus häufig vor. Nach der Leistungsstatistik des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) lag ihr Anteil am Gesamtumsatz der BDB-Mitglieder im Jahr 2015 immerhin bei durchschnittlich 46 %. Wobei die größeren Handelsunternehmen, die in der Regel auch mehr Großaufträge erhalten, durchschnittlich eher noch einen höheren Anteil an Streckengeschäften absolvieren.

Streckengeschäfte werden zwischen Handel und Industrie vor allem dann vereinbart, wenn Baustoffe eines Lieferanten in großer Menge an eine Baustelle geliefert werden müssen. Das ist insbesondere bei Neubauten oft der Fall, vor allem natürlich bei Großobjekten. Falls der Handel die geforderten Mengen nicht auf Lager hat, macht es logistisch einfach keinen Sinn, die Bestellung zunächst beim Händlerlager anzuliefern. Umso weniger, wenn es sich um großvolumige oder schwere Waren wie Dämmstoffe oder Steinzeugrohre handelt, für die der Handel möglicherweise gar keinen Platz mehr hat.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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