RM Rudolf Müller
In der Musterbauordnung wird geregelt, welche Bauprodukte eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung benötigen. Foto: Pixabay

In der Musterbauordnung wird geregelt, welche Bauprodukte eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung benötigen. Foto: Pixabay

Hintergrundwissen
05. Juli 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Was sind allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen?

Wenn Baustoffhersteller neue Produkte auf den Markt bringen, heißt es in Pressemitteilungen oft, man habe bereits eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung beim Deutschen Institut für Bautechnik beantragt. Da stellt sich die Frage: Welche Rolle spielen solche Zulassungen im deutschen Baurecht?

Um zu erklären, was es mit den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen für Bauprodukte auf sich hat, müssen wir leider ein wenig ausholen. Beginnen wir mit dem Thema Baugenehmigungen. Wer in Deutschland ein Gebäude errichten oder baulich verändern möchte, muss in der Regel eine solche Genehmigung bei seiner örtlichen Bauaufsichtsbehörde beantragen. Unter welchen Umständen diese erteilt wird, regelt die jeweilige Landesbauordnung (LBO). Die LBO der 16 Bundesländer unterscheiden sich zwar in Details, sie basieren aber alle auf der Musterbauordnung (MBO), die von einer Arbeitsgemeinschaft der Länder – der Bauministerkonferenz – regelmäßig aktualisiert wird.

Zugelassene Bauprodukte nach MBO

Die MBO legt zum Teil sehr konkret fest, was beim Bauen erlaubt ist und was nicht. Das reicht von Regelungen zu Feuerwehrzufahrten und einzuhaltenden Gebäudeabständen über Brandschutzanforderungen und Vorschriften zum barrierefreien Bauen bis hin zu Mindestanforderungen an die Ausstattung von Wohnungen sowie Bestimmungen über notwendige Treppenräume und Flure. Aber die MBO definiert eben auch, welche Kriterien Bauprodukte erfüllen müssen, damit sie für ein Bauvorhaben zugelassen werden können.

In §17 MBO heißt es sinngemäß, dass Bauprodukte nur dann für die Errichtung, Änderung und Instandhaltung baulicher Anlagen verwendet werden dürfen, wenn es für ihre Verwendung allgemein anerkannte Regeln der Technik gibt. Das bezieht sich auf „geregelte Bauprodukte“ (MBO), deren Eigenschaften und Verwendbarkeit bereits in DIN-Normen oder in ähnlichen allgemein anerkannten Regeln der Technik beschrieben sind.

Geregelte und nicht geregelte Bauprodukte

Derart geregelt und einheitlich genormt sind aber nur solche Bauprodukte, die sich in der Praxis bereits über einen längeren Zeitraum bewährt haben und die in der technischen Fachwelt daher allgemein anerkannt sind. Nun spiegeln die allgemein anerkannten Regeln der Technik aber nicht immer unbedingt den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik wider. In den einschlägigen Normen wird eben nur das beschrieben, was sich schon seit Längerem bewährt hat. Produktinnovationen und neue Bauverfahren bleiben da zunächst außen vor.

Würde die MBO daher ausschließlich das Bauen mit geregelten Produkten erlauben, hätte sie eine ziemlich fortschrittshemmende Wirkung. Doch zum Glück ist das nicht so. Tatsächlich können Baustoffhersteller nämlich auch für nicht geregelte Bauprodukte eine Zulassung beantragen. An dieser Stelle kommt nun die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) ins Spiel.

Beantragung einer abZ

Beim Hausbau dürfen nur zugelassene Bauprodukte zum Einsatz kommen. Foto: Pixabay

Beim Hausbau dürfen nur zugelassene Bauprodukte zum Einsatz kommen. Foto: Pixabay

Laut §17 MBO darf man auch mit nicht geregelten Bauprodukten bauen, wenn für diese eine abZ vorliegt. Diese Zulassung wird auf Antrag vom Deutschen Institut für Bautechnik erteilt. Dafür muss der Hersteller des Produkts nachweisen, dass der Baustoff gebrauchtstauglich ist und seine Verwendung nicht gegen die Anforderungen der MBO verstößt. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) erteilt nach erfolgreicher Prüfung eine widerrufbare Zulassung, die in der Regel für fünf Jahre gewährt wird und danach auf Antrag um weitere fünf Jahre verlängert werden kann. Im Zulassungsbescheid sind die Eigenschaften des Bauproduktes sowie die erlaubten Anwendungsbereiche und Verarbeitungsvorschriften beschrieben.

Die Erteilung einer abZ ist für die Baustoffhersteller übrigens nicht kostenlos. Je nach Produktart und Prüfungsaufwand berechnet das DIBt unterschiedliche Gebühren. Diese können von 500 bis hin zu 30.000 Euro reichen.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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