RM Rudolf Müller
Der IG-BAU-Chef sieht aktuell schwarz für den deutschen Wohnungsbau.  Foto: IG BAU (Alexander Paul Englert)

Der IG-BAU-Chef sieht aktuell schwarz für den deutschen Wohnungsbau.  Foto: IG BAU (Alexander Paul Englert)

Aus der Branche
30. Mai 2023 | Artikel teilen Artikel teilen

Wohnungsbauziel klar verfehlt

Die Bundesregierung wollte eigentlich dafür sorgen, dass in Deutschland jedes Jahr 400.000 neue Wohnungen gebaut werden. Im ersten vollen Regierungsjahr 2022 hat sie das selbstgesteckte Ziel um 104.700 Wohnungen verfehlt. Doch dieses Jahr wird wohl alles noch viel schlimmer, befürchtet die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Für 2022 registrierte das Statistische Bundesamt 295.300 Baufertigstellungen im Wohnbereich. Das war zwar deutlich weniger als das Ampel-Ziel von 400.000, aber immerhin noch ein geringes Plus von 0,6 % gegenüber dem Vorjahr. „Der Wohnungsbau hat sich wohl ein letztes Mal auf dem – ohnehin schon zu geringen – Vorjahresniveau gehalten“, erklärt dazu Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). „Im vergangenen Jahr sind viele Wohnungen, die geplant oder schon im Bau waren, noch fertiggestellt worden. Das wird sich in diesem Jahr ändern.“

Bauüberhang von 884.800 Wohnungen

Der IG-BAU-Chef befürchtet ein Desaster auf dem Wohnungsmarkt. 2023 könnten die Baufertigstellungen unter die Marke von 250.000 rutschen, 2024 sogar unter die 200.000er-Marke. Robert Feiger: „Ohne politisches Eingreifen steht Deutschland schon ab dem kommenden Jahr eine scharfe Rezession im Wohnungsbau bevor.“

Die IG BAU verweist in diesem Zusammenhang auch auf die am 23. Mai veröffentlichten Zahlen des Statistische Bundesamtes zum Bauüberhang. 884.800 Wohnungen seien in Deutschland aktuell zwar genehmigt, aber noch nicht fertig gebaut. 421.900 dieser Wohnungen (48 %) stünden zudem bislang lediglich auf dem Papier – seien also nur geplant. „Hier hat es noch keinen Baustart gegeben“, erläutert Robert Feiger. „Und diese Bauvorhaben werden gerade reihenweise auf Eis gelegt.“

Um zu verhindern, dass ein Großteil der geplanten Bauüberhänge niemals gebaut wird, bedarf es aus Sicht der Gewerkschaft einer speziellen „Wohnungsbau-Soforthilfe“: Aus geplanten Wohnungen, die auf dem Markt keine Chance auf Realisierung mehr haben, müssten mithilfe staatlicher Unterstützung Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen werden.

„Dazu ist ein Förderpaket mit Zuschüssen und günstigen Krediten notwendig“ findet der IG-BAU-Chef. „Auch Umplanungen muss der Staat dabei unterstützen. Wichtig sind auch hier deutliche Abstriche bei Auflagen, um das Bauen günstiger zu machen.“


 

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