Am 26. Juli starten in Paris die 33. Olympischen Sommerspiele. Die nördlich des Stadtzentrums in L’Île-Saint-Denis entstandenen Unterkünfte für die Athletinnen und Athleten aus aller Welt sind bereits fertig. Das Besondere: Rund 45 % der Gebäude wurden in Holzbauweise errichtet. Auch eine intelligente Umnutzung nach den Spielen wurde mit eingeplant. Das Athletendorf soll zur Keimzelle für ein neues Stadtviertel mit zusätzlichem Wohnraum werden.
Das neue Athletendorf rund zehn Kilometer vom Pariser Stadtzentrum entfernt ist ein Vorzeigeprojekt nachhaltiger Holz-Hybridbauweise . Zumindest gilt das für rund 45 % der Gebäude. Deren Tragwerkskonstruktion hat von den ersten Entwürfen bis zur Lieferung des Materials das Bauunternehmen Gustave Holzbauingenieure erstellt. Trotz komplexer Rahmenbedingungen konnten alle Bauphasen schnell und reibungslos abgeschlossen werden.
„Wir haben eine Bauweise mit hohem Vorfertigungsgrad gewählt, sodass wir dieses außergewöhnliche Projekt in Rekordzeit realisieren konnten“, erläutert Thomas Charmasson, Präsident des Holzbauunternehmens Elan Gipen, das für das Athletendorf die Vorfertigung der Holzkonstruktionen übernommen hat.
Deckenelemente aus Furnierschichtholz
Für die tragenden Decken- und Dachelemente der Hybridbauten kam das Furnierschichtholz „Kerto LVL“ des finnischen Herstellers Metsä Wood zum Einsatz. Gefertigt wurden die Elemente nach der Kerto-Ripa-Technologie. Dabei handelt es sich um ein Holzbausystem für vorgefertigte, tragende Decken- und Dachelemente aus Kerto LVL. Sie bestehen aus S-Balken und Q-Platten, die rippen- und kastenförmige Strukturen bilden. Die Elemente sind bereits gedämmt, brandsicher und können je nach Projektanforderung individuell gestaltet und angepasst werden.

Insgesamt wurden in L’Île-Saint-Denis 3.828 m2 Deckenfläche in 73 Wohnungen mit den Furnierholz-Kastenelementen realisiert. Geliefert wurden sie von der ISB Groupe – dem langjährigen französischen Partner von Metsä Wood. Die vorgefertigten Holzbauteile haben gleich mehrere Vorteile gegenüber einer konventionellen Bauweise vor Ort: Da sie termingerecht auf die Baustelle geliefert werden, entfällt die aufwändige und kostenintensive Lagerung. Die Montage gestaltet sich zudem einfach und schnell.
Die Rippen- und Kastenelemente überzeugen zudem durch hohe Festigkeit bei geringem Gewicht. Außerdem ermöglichen sie große Spannweiten und eine hohe Gestaltungsfreiheit bei gleichzeitig geringem Materialverbrauch. Für die 3.828 m2 Deckenfläche wurden lediglich 268 m2 Kerto LVL benötigt. Die Montage der Elemente ist zudem effizient, da – je nach Bedarf – auch sehr große Plattenformate bis zu 20 m Länge und 2,5 m Breite lieferbar sind.
Effizienz und Nachhaltigkeit
Um die Kommunikation aller Projektbeteiligten zu vereinfachen und Materialmengen besser kalkulieren zu können, setzt das Bauunternehmen Gustave auf BIM-Software . Das erleichterte auch die fristgerechte Fertigung der Ripa-Elemente. Diese wurden auf Basis des BIM-Modells bestellt und geliefert.

In der ersten Phase der Gebäudenutzung wird L‘Île-Saint-Denis nun also ab Juli zum Standort der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024. Die Gemeinde beherbergt dann bis zu 2.700 Athleten und Offizielle. Neben den Unterkünften wird das Areal auch verschiedene Einrichtungen wie Büros, Lagerräume und Tagungsräume bieten, die auf die Bedürfnisse des sportlichen Ereignisses zugeschnitten sind.
Nach Abschluss der Spiele beginnt die Umgestaltung in ein lebendiges Stadtviertel mit Wohnungen, Unternehmen, Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Das Projekt ist Teil der ambitionierten Nachhaltigkeitsziele von Paris. Bis 2050 will die französische Hauptstadt keine Netto-Kohlenstoffemissionen mehr verursachen. Der Bau eines Athletendorfs aus nachhaltigen Materialien und dessen anschließende Umnutzung in ein Wohnquartier ist ein Schritt hin zu diesem Ziel.