Der Bürokomplex erhielt ein neues viertes und sechstes Geschoss. (Quelle: Philip Kistner)

Plus 2024-02-08T08:00:00Z Aufstockung in luftiger Höhe

Ein Bürogebäude in Münster erhielt 2021 ein zusätzliches Vollgeschoss in Form einer spektakulären Aufstockung. Zum besonderen Erscheinungsbild gehört eine Fassadenbekleidung im Vogelnest-Design. Die Aufstockung hat der Projektbauspezialist Brüninghoff in Holzbauweise umgesetzt.

Um das Raumangebot der U-förmigen Immobilie an der Hafenstraße im westfälischen Münster zu vergrößern, erhielt der zuvor drei- beziehungsweise fünfgeschossige Komplex ein weiteres Vollgeschoss. Dadurch verfügt der Haupttrakt, der an die Hafenstraße angrenzt und schon zuvor der höchste Gebäudeteil des dreiteiligen Bürokomplexes war, nunmehr über sechs Geschosse mit insgesamt 26 m Höhe. Die beiden anderen, zur linken sowie zur rechten Seite des Haupttrakts angeschlossenen Baukörper haben nun vier Geschosse und sind 19 m hoch.

Die Planung der Aufstockungen für den Bestandsbau aus den 1970er-Jahren übernahm die Fourmove Architekten PartGmbB, die ebenfalls in Münster ansässig ist. Für die Realisierung wurde Brüninghoff aus Heiden beauftragt. Der Projektbauspezialist stellte innerhalb von fünf Monaten die geschlossene Gebäudehülle fertig. Die ersten Nutzer bezogen die Räumlichkeiten im Mai 2021.

Leichte Konstruktion

Die Aufstockungen auf allen drei Gebäudeteilen wurden in Holzbauweise realisiert. Dank des geringen Eigengewichts der vorgefertigten Bauelemente war eine aufwändige Aufrüstung der vorhandenen Gebäudestatik nicht notwendig. Der Bestandsbau wies mit seinen Massivdecken aus Stahlbeton ausreichend Lastreserven auf.

Die Außenwände wurden werkseitig mit den Fensterelementen versehen. (Quelle: Brüninghoff)

Die Tragstruktur der neuen Etagen bilden Brettstapeldecken sowie Brettschichtholz -Stützen und -Unterzüge. Diese wurden mit vorgefertigten Außenwänden in Holzrahmenbauweise kombiniert. Bei der Aufstockung des vierten Geschosses wurde die tragende Konstruktion vor die Holzrahmenbauwand montiert. Im Bereich der sechsten Etage dagegen hat Brüninghoff die tragenden Elemente innerhalb der Holzrahmenbauwände verbaut.

Die im Werk vorgefertigten Holzbauwände sind nach DIN 4102 feuerbeständig (Feuerwiderstandsklasse F90-B). Sie enthalten eine Kerndämmung aus Mineralwolle und sind von außen mit 1,5 cm dicken, kunstharzgebundenen mitteldichten Holzfaserplatten beplankt. Diese sind diffusionsoffen und über Nut und Feder miteinander verbunden. Darauf folgt eine weitere, 6 cm dicke Mineralwolle-Schicht. Aluminiumverbundplatten in einem Rauchsilbermetallic-Ton bilden die äußerste Gebäudehülle.

Ein „Nest“ im sechsten Stock

Beim Wandaufbau im vierten Geschoss sind die Aluminiumverbundplatten mit einem Abstand von 27,5 cm zum restlichen Aufbau montiert. Der Luftschicht-Zwischenraum bietet ausreichend Platz für die Unterkonstruktion zur Befestigung der Fassadenelemente. Sie sind mit Winkeln am Holzrahmenbau befestigt. Die Verbindung zwischen Winkel und Fassadenplatte erfolgte mit Nieten.

Die Fassade ist mit Aluminiumverbundplatten verkleidet. (Quelle: Philip Kistner)

Beim Wandaufbau im sechsten Stockwerk hingegen ist die Ebene für die Unterkonstruktion, die auch gleichzeitig Luftschicht ist, lediglich 12 cm breit. Denn auf die Aluminiumverbundplatten folgt dort eine weitere Schicht. Um die Etage optisch zu betonen und Akzente zu setzen, entschieden sich die beteiligten Planer und der Bauherr für eine Gitternetzstruktur, die mit einem Abstand von 50 cm vorgesetzt wurde. Die Befestigung erfolgte mit einem biegesteifen, auskragenden Fassadenschwert.

Das dreischichtige Flechtwerk erinnert optisch an ein Vogelnest und umhüllt das gesamte sechste Geschoss. Jede Lage ist 35 mm dick und besteht aus Stahlprofilen. Die einzelnen Elemente sind 2,50 m x 3,70 m groß. Die filigrane Netzstruktur lockert die Gebäudekubatur optisch auf und nimmt ihr den monolithischen Eindruck. Sie bildet einen Kontrast zu den vollflächigen Fassadenelementen, die das übrige Gebäude bekleiden.

Flachdach mit Brettsperrholzdecke

Bevor die Aufstockung erfolgen konnte, musste das Bestandsdach entsprechend vorbereitet werden. Die vorhandene Bitumenabdichtung und die Wärmedämmung wurden entfernt. Das Flachdach der neuen Geschosse ist ein Warmdach mit Brettsperrholzdecke aus Fichtenholz, die man in den Räumen von innen auch sehen kann.

Von außen wird die Decke von einer 0,02 cm dünnen PVC-Folie bekleidet. Darauf folgt eine Dämmschicht aus EPS , die im Mittel 16 cm dick ist. Die verbauten Gefälledämmplatten verhelfen zu einer Neigung von 2 %. Anfallendes Wasser wird so zur Gebäudemitte geleitet und über die bereits vorhandenen innenliegenden Fallrohre abgeführt. Eine lose verlegte Dampfsperre aus PE-Folie schließt die gesamte Dachkonstruktion ab.

Bei den Aufstockungen im vierten Stockwerk wurde die Deckenkonstruktion von innen mit einer Kühldecke ergänzt. Der integrierte Wasserkreislauf absorbiert die Wärmestrahlungen im Raum und sorgt so für ein angenehmes und gesundes Klima. Dabei entsteht keine Zugluft, was als angenehm empfunden wird.

Schnelle Fertigstellung

Insgesamt wurde mit der Erweiterung des Gebäudekomplexes eine zusätzliche Fläche von rund 950 m2 geschaffen. So entstand Platz für einen Sozialbereich sowie neue Besprechungs- und Büroräume.

Die Aufstockungen bieten eine zusätzliche Fläche von rund 950 qm. (Quelle: Philip Kistner)

Die Fertigbauteile für die Aufstockungen hat Brüninghoff im unternehmenseigenen Werk in Heiden vorgefertigt. So mussten auf der Baustelle nur noch die einzelnen Elemente zusammengefügt werden. Diese Aufgabe übernahm ein regionales Zimmereiunternehmen. Um sämtliche Bauteile und Materialien in die Höhe zu bewegen sowie vertikal als auch horizontal verladen zu können, wurde im Innenhof ein Kran aufgestellt.

Sowohl beim Transport als auch bei der Montage waren Witterungsschutzmaßnahmen gefordert. Das Abschirmen sämtlicher Komponenten vor Regen und Schnee war hier notwendig. So erhielten Befestigungspunkte unter anderem eine Notabdichtung. Zudem erfolgte der Bauteilschutz von bereits montierten Teilleistungen mit einer abschnittsweisen Notabdichtung und Regenwasserableitung auf den neu errichteten Dachabschnitten. Die Montage der Wandelemente erfolgte zudem mit bereits eingesetzten Fenstern, um sofort eine regendichte Fassade zu erhalten.

zuletzt editiert am 06. Februar 2024
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