Eine Sammlung von unterschiedlich geformten Morphit-Materialien.
Das neue tragfähige Baumaterial kann zum Beispiel zur Herstellung von (Trenn-)Wänden und Blöcken verwendet werden. (Quelle: Arkadi Raskin)

Panorama 2026-02-24T08:00:00Z Bausteine aus Abfall

Beim Abriss alter Gebäude oder Straßenbeläge fallen weltweit riesige Mengen Bauschutt an. Deren Wiederverwertung ist bislang aufwändig, weil die Materialien meist erst sortenrein getrennt werden müssen. Nun strebt ein israelisches Bauunternehmen mit einer neuen Lösung auf den Markt: Mit der patentierten „Morphit“-Formulierung sollen sich neue Baustoffe aus einem unsortierten Bauabfall-Mix herstellen lassen – ganz ohne aufwändige Trennprozesse im Vorfeld.

In einer Welt mit knapper werdenden Ressourcen, schnellem Städtewachstum und immer strengeren Umweltauflagen gehört die Zukunft Lösungen, die einen Mehrwert für die Umwelt und für die Industrie gleichermaßen schaffen. Die neue Technologie der israelischen Ausbaufirma ROM könnte eine solche Lösung sein. Unter der Marke Morphit hat sich das Unternehmen nämlich nach eigenen Angaben die weltweit erste Technologie patentieren lassen, die es ermöglichen soll, aus gemischten Standard-Bauabfällen einen Rohstoff zu erschaffen, der für die Herstellung neuer Platten und Blöcke geeignet ist.

Kreislaufwirtschaft ohne Vorsortierung

Die Wiederverwertung typischer Abfälle der Baubranche ist oft aufwändig, da der anfallende Bauschutt nicht selten aus einem riesigen Berg unterschiedlichster Baustoffreste besteht. Für sich genommen eigentlich wertvolle Altmaterialien wie Beton, Putz, Keramik, Steinmehl, Sand oder Glas liegen auf der Baustelle eben leider meist nicht sortenrein vor.

Ariel Avram ist CEO der israelischen Ausbaufirma ROM.
Ariel Avram ist CEO der israelischen Ausbaufirma ROM. (Quelle: Doron Letzter)

Wäre es nicht schön, wenn man die bunt durcheinander gewürfelten Schutthalden einfach unsortiert in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft überführen könnte? Das ist in der Tat die Idee hinter Morphit. Die Technologie soll es ermöglichen, neue Blöcke und Platten herzustellen, die – ohne aufwändige Sortierprozesse – aus bis zu 80 % Baustellenabfällen bestehen. Das Verfahren soll erhebliche Kostenvorteile bieten, da für die neuen Baustoffe nur geringe Materialkosten anfallen und zudem Entsorgungskosten für Deponien entfallen.

„Unsere Vision ist es, die Bausteine der Zukunft aus Abfall zu erschaffen“, sagt Ariel Avram, CEO des international agierenden Bauunternehmens ROM. „Je strenger die Nachhaltigkeitsvorschriften weltweit werden und je größer die Nachfrage nach umweltfreundlicheren Lösungen wird, desto mehr bieten wir der Branche einen praktikablen, skalierbaren Weg, diesen Herausforderungen zu begegnen.“ Derzeit suche man noch Partner für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz), um die Morphit-Innovation dort auf den Markt zu bringen.

Neuland für ROM

Das zur israelischen Luzon Group gehörende Bauunternehmen ROM hat sich bisher vor allem auf Ausbauarbeiten, Elektroinstallationen, Klima- und Sanitärtechnik und Denkmalpflegeprojekte sowie auf die Errichtung von Laboren, aber auch privaten Luxus-Wohnprojekten konzentriert. Mit Morphit betritt man nun Neuland.

Das Material lässt sich aus einem bunten Mix an Bauabfällen (Beton, Gips, Keramik, Steinmehl, Sand, Glas) herstellen.
Das Material lässt sich aus einem bunten Mix an Bauabfällen (Beton, Gips, Keramik, Steinmehl, Sand, Glas) herstellen. (Quelle: Arkadi Raskin)

Die patentierte Technologie wurde gemeinsam mit der Unternehmensberatung Practical Innovation entwickelt. Dabei soll es sich um „Israels führendes Unternehmen für die Umsetzung von Innovationen in traditionellen Branchen“ handeln.

Die Herstellung von Morphit-Baustoffen soll laut ROM „innerhalb bestehender Fertigungssysteme“ möglich sein. Das Unternehmen weist zudem darauf hin, dass die direkte Verwertung von Abfällen vor Ort auch die Abhängigkeit von Deponien drastisch verringere. Das führe nicht nur zu einer geringeren Umweltbelastung, sondern auch zu einer effizienteren Nutzung vorhandener Ressourcen.

Wie funktioniert Morphit?

Patentiert und skalierbar innerhalb bestehender Fertigungsprozesse: Das klingt gut und macht neugierig. Wie aber soll die patentierte Umwandlung von unsortiertem Bauschutt in neue Baustoffe praktisch funktionieren?

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Auf Nachfrage von BaustoffWissen verrät Morphit, dass es sich bei der Innovation um eine spezielle Formulierung handelt, mit deren Hilfe sich die Bauschutt-Trockenmaterialien in eine Masse umwandeln lassen, die wiederum in Standard-Produktionsverfahren zur Herstellung von Platten oder Blöcke – etwa für Innenwände – verwendet werden kann. Man habe diese Formulierung im Labor langwierig getestet und befinde sich derzeit in der Übergangsphase von der Entwicklung zur Produktion.

zuletzt editiert am 24. Februar 2026