RM Rudolf Müller
Mauerwerksanalyse

Im Rahmen einer Mauerwerksanalyse lässt sich der Feuchte- und Salzgehalt bestimmen.

Bauchemie
17. Dezember 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Was sind Sanierputze und wie funktionieren sie?

Sanierputze wirken der Zersetzung von Mauerwerk entgegen, das durch Feuchtigkeit und Salze angegriffen ist. Der Putz alleine kann den Zerstörungsprozess aber nicht stoppen, wenn nicht zuvor die Ursache für die Durchfeuchtung erkannt und abgestellt wurde. Erst danach macht es Sinn, die Trockenlegung der geschädigten Wände mithilfe von Sanierputzen zu unterstützen.

Bei feuchten Wänden ist erst einmal eine genaue Mauerwerksanalyse gefragt. Hat man herausgefunden, woher das Wasser kommt, gilt es zunächst, das Mauerwerk durch geeignete bauliche Maßnahmen so zu schützen, dass eine weitere Durchfeuchtung gestoppt wird. Das können etwa Horizontalsperren oder Vertikalabdichtungen sein. Dann erst ist der Moment gekommen, über den Einsatz eines Sanierputzes nachzudenken.


Wie kommt das Salz in die Mauer?

Bevor wir näher auf die Wirkungsweise der Putze eingehen, noch ein kleiner Exkurs zum Thema Salz im Mauerwerk. Feuchte Wände sind oft durch Salzkristallausblühungen an der Oberfläche zu erkennen. Die Feuchtigkeit und das Salz treten also gemeinsam auf. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Mineralsalze, die im Mauermörtel gebunden waren, bevor sie durch das Wasser gelöst wurden. Bei aufsteigender Feuchtigkeit in der Wand kann es sich auch um Salze aus dem Erdreich rund um das Gebäudefundament handeln.

Wasser im Mauerwerk ist für sich genommen schon ein Problem: Es drohen nicht nur hässliche Flecken an der Oberfläche, sondern auch ein muffiges Raumklima, Schimmelpilzbildung und eine Verschlechterung des Wärmedämmverhaltens der Wand. Durch das Salz wird die Sache aber noch schlimmer. Wenn das Wasser im Bereich der Wandoberfläche verdunstet, kristallisiert das Salz, wodurch es oft zum Abplatzen von Putz und Farben kommt. Wird die Durchfeuchtung nicht gestoppt, so kommt es im Laufe der Zeit zu einer immer stärkeren Zersetzung des Mauerwerks.

Außerdem hat Salz noch zwei andere problematische Eigenschaften. Einerseits wirkt es hygroskopisch. Es zieht also permanent weitere Feuchtigkeit aus der Umgebung des Mauerwerks an, zum Beispiel aus der Luft. Andererseits verengen Salzkristalle die Poren im Mauerwerk und behindern dadurch die natürliche Austrocknung.

So wirken Sanierputze

Standardaufbau eines Sanierputzsystems

Standardaufbau eines Sanierputzsystems (v.l.: salz- und feuchtigkeitsbelastetes Mauerwerk, Vorspritzmörtel, Porengrundputz, Sanierputz, Oberputz. Foto + Grafik: Saint-Gobain Weber

Das Problem bei feuchten Wänden ist also nicht nur das Wasser, sondern die Kombination von Wasser und Salz. Das Gute: Mit Sanierputzen lässt sich gegen beide Gefahren etwas ausrichten. Das wichtigste Regelwerk für diese Putze ist das Merkblatt 2-9-04/D der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA). Darin sind unter anderem die Anforderungen an Sanierputze definiert. Die meisten Hersteller orientieren sich daran und bieten WTA-zertifizierte Produkte an.

Sanierputze sind spezielle Mischungen aus Werktrockenmörtel, die sich laut WTA-Merkblatt durch eine hohe Porosität und Wasserdampfdurchlässigkeit bei gleichzeitig erheblich verminderter kapillarer Leitfähigkeit auszeichnen sollten. Sie werden auf feuchtigkeits- und salzbelastetes Mauerwerk aufgetragen und dienen dort gewissermaßen als „Opferschicht“. Aufgrund ihres hohen Porenvolumens speichern sie nämlich in hohem Maße auskristallisierte Salze, ohne dabei selbst größeren Schaden zu nehmen. Ihre Wasserdampfdurchlässigkeit begünstigt zudem die Austrocknung der Wand. Und die geringe kapillare Leitfähigkeit sorgt dafür, dass trotz der „Schwammwirkung“ der Salze von außen deutlich weniger Wasser in das Mauerwerk eindringt. Zudem wird die Ausbreitung von aufsteigender Feuchtigkeit innerhalb der Wand behindert.

Verarbeitung

Sanierputzsysteme bestehen in der Regel aus vier Schichten: Vorspritzmörtel, Porengrundputz, der eigentliche Sanierputz und ein Oberputz für die Oberflächengestaltung. Doch zunächst gibt es noch ein paar Vorarbeiten. Als erstes werden die alten Putzschichten komplett entfernt. Dann kratzt man die Fugen des Mauerwerks etwa 2 cm tief aus und verschließt sie anschließend mit dem Sanierputz.

Erst danach wird der Vorspritzmörtel, seinem Namen entsprechend per „Spritzbewurf“, an die Wand gebracht. Dieser muss ein bis drei Tage trocknen, bevor der nächste Arbeitsschritt beginnen kann. Der Vorspritzmörtel wird nicht als durchgehende Putzschicht aufgebracht, sondern es handelt sich tatsächlich nur um einen „Bewurf“, mit einem Deckungsgrad von etwa 50%. Dadurch soll eine griffigere Oberfläche für die nächste Schicht geschaffen werden.

Bei Mauerwerk mit hoher Salzbelastung ist das der so genannte Porengrundputz. Das ist eine zusätzliche Schicht mit der Aufgabe der Salzspeicherung, die verhindern soll, dass zu viele Salze in den nachfolgenden Sanierputz gelangen. Es folgt der eigentliche Sanierputz, der mindestens 2 cm dick sein muss. Pro Millimeter Putz ist mit einer Trocknungszeit von etwa einem Tag zu rechnen. Erst dann erfolgt der letzte Schritt – der Auftrag des Oberputzes.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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