RM Rudolf Müller
Ganzglastür

Ästhetischer Rahmen: Die umlaufende Zarge unterstreicht die Wirkung dieser Ganzglastür. Fotos: Jeld-Wen Datenbank

Bauelemente
22. April 2014 | Artikel teilen Artikel teilen

Türzargen: Die verschiedenen Typen im Überblick

Was der Laie als Türrahmen bezeichnet, nennt der Fachmann Zarge – und seltener auch Türfutter. Zargen gehören zu den Dingen, die uns ständig umgeben, die wir aber meist gar nicht wahrnehmen, weil uns ihre Existenz so selbstverständlich erscheint. Dabei übernehmen Zargen nicht nur wichtige technische Funktionen im Gesamtsystem „Tür“, sondern werten das Türblatt auch optisch auf.

Die Zarge (von althochdeutsch „zarga“ = Seitenwand, Rand) stellt bei Türen die Verbindung zwischen Wand und Türblatt her. Es handelt sich um den unbeweglichen Teil der Tür, der die Wandfläche im Bereich der Türöffnung umrahmt und meist auch die drei Seiten der Türlaibung ganz oder teilweise verkleidet. Analog dazu gibt es auch Fensterzargen und Fensterlaibungen. Die Laibung bezeichnet die innere Oberfläche der Wand im Bereich der Öffnung.

Türzargen bestehen meist aus Holz oder Holzwerkstoffen und – insbesondere bei Feuerschutz- und Sicherheitstüren – auch aus Stahl oder Aluminium. In der Regel wird dasselbe Material wie beim Türblatt verwendet, aber das muss nicht so sein. Auch ein Materialmix ist möglich. Bei Türen aus Ganzglas verwendet man in der Regel Metall- oder Holzzargen. Im Neubau werden häufig Zargen eingebaut, die vom Hersteller in einem Stück gefertigt wurden. Daneben gibt es aber auch Modelle, die aus mehreren Teilen bestehen – zwei senkrechte Zargenschenkel sowie das waagerechte Verbindungsprofil – und erst auf der Baustelle zusammengebaut werden. Das ist insbesondere auf engen Sanierungsbaustellen praktischer.

Technische Funktion

Bei Drehflügeltüren besteht eine wesentliche Funktion der Zarge in der Aufnahme der Türbänder. Diese sind an einer der beiden vertikalen Zargenschenkel befestigt und ihrerseits mit dem Türblatt verbunden. Ihre Scharnierfunktion ermöglicht das Drehen des Türflügels. Die Zarge trägt damit über die Bänder auch das Gewicht des Türblatts. Die gegenüberliegende Zargenseite nimmt bei einflügeligen Türen zudem das Schließblech auf. Dieses enthält die Öffnungen, in die bei geschlossener Tür die Schlossfalle und gegebenenfalls der Schlossriegel einrasten.

Viele Zargenmodelle haben zudem einen umlaufenden Falz, also eine stufenförmige Vertiefung, in die das Türblatt formschlüssig hineinpasst, sodass es dicht abschließt. Im Zargenfalz befinden sich bei vielen Türen zudem Kunststoffdichtungen, die beispielsweise dafür sorgen, dass die Bauelemente leiser schließen oder rauchdicht sind.

Umfassungs- und Eckzargen

Eckzarge

Eckzarge auf Mauerwerk: Dieses Modell wird verdeckt im Türfalz verschraubt. Grafik: Novoferm

Aus funktionalen Gründen würde für die Montage einer Tür eigentlich ein einzelnes Zargenelement ausreichen, das nur auf einer Wandseite befestigt wird – dort, wo die Türbänder geplant sind. Vor allem im Wohnungsbau dominiert aber die so genannte Umfassungszarge. Diese umfasst die komplette Türlaibung und bildet zudem auf beiden Seiten der Wand einen Rahmen um die Türöffnung. Auf der Seite, auf der gar keine Tür montiert wird, handelt es sich dann im Grunde um eine reine Zierzarge ohne funktionalen Nutzen. Man sieht daran, dass die Zargenmontage eben auch aus ästhetischen Gründen erfolgt. Der beidseitige Rahmen um die Wandöffnung macht einfach optisch etwas her, auch wenn er eigentlich keine technische Notwendigkeit ist. Wobei: Zumindest als Schutz für die Wandecken hat ein Türrahmen eigentlich immer auch einen gewissen praktischen Nutzen.

Wie bedeutend der ästhetische Aspekt für viele Bauherren ist, zeigt das Phänomen der so genannten Durchgangszargen. Diese kommen bei Wandöffnungen zum Einsatz, in die überhaupt keine Tür eingesetzt wird. Ihre Funktion besteht also einzig darin, die Öffnung ansprechend zu verkleiden. Von einer reinen Zierzarge kann man ferner sprechen, wenn bei einer Schiebetür mit Gleitschiene oberhalb der Wandöffnung zugleich ein Türrahmen eingebaut wird.

Doch es gibt auch Zargen, die auf das technisch Notwendige reduziert sind – allen voran die so genannte Eckzarge. Diese umfasst die Wandöffnung nur auf der Türblattseite und greift auch nur ein Stück in die Laibung hinein (siehe Grafik). Sie wird oft dort verwendet, wo die Optik keine so große Rolle spielt, zum Beispiel im Kellerbereich, oder bei besonders tiefen Laibungen.

Block- und Blendzarge

Steckzarge

Zusammenbau einer dreiteiligen Steckzarge aus Metall. Foto: Hörmann

Auch bei den so genannten Blockzargen handelt es sich um eine reduzierte Form von Türrahmen. Anders als die Eckzarge gilt diese Form aber durchaus als schick und wird wegen ihrer nüchternen, schnörkellosen Form gerne in modernen Bürobauten eingesetzt. Die typische Blockzarge füllt die Laibung in ihrer ganzen Breite aus, schließt aber wandbündig ab. Es gibt also um das Türblatt herum keinen Blendrahmen als Zierbekleidung der äußeren Wandfläche. Eine Unterform der Blockzarge ist die so genannte Stockzarge. Diese hat ebenfalls keinen Blendrahmen und verkleidet noch nicht einmal die komplette Laibung. Die Stockzarge wird meist in der Mitte der Laibung montiert und ist weniger breit als diese.

Das Gegenstück zu den Blockzargen ist die so genannte Blendrahmenzarge. Diese wird ausschließlich vor der Wandöffnung montiert, sie greift also überhaupt nicht in die Laibung ein. Die bisher beschriebenen Zargentypen beziehen sich auf den Türeinbau in Mauerwerks- oder Betonwänden. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass es für Leichtbauwände in Trockenbauweise spezielle Ständerwerkzargen gibt.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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