RM Rudolf Müller
Farblich angepasste Holzschrauben für Thermohölzer auf Terrassen. Foto: SWG Schraubenwerk Gaisbach

Farblich angepasste Holzschrauben für Thermohölzer auf Terrassen. Foto: SWG Schraubenwerk Gaisbach

 
Befestigung
12. Juli 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist der Unterschied zwischen Metall- und Holzschrauben?

Das Marktangebot an Schrauben ist schier unüberschaubar. Es gibt die Verbindungsmittel in tausenden von Variationen. Immerhin lässt sich dieses Riesensortiment aber in zwei große Bereiche aufteilen: Holz- und Metallschrauben.

Während Nägel eine glatte Oberfläche haben und per Hammer in den Befestigungsgrund geschlagen werden, verfügen Schrauben stets über ein Außengewinde. Damit werden sie in ein Gegengewinde oder in einen Befestigungsgrund geschraubt. Der Vorteil: Es sind flexible Verbindungen realisierbar, die sich bei Bedarf auch wieder zerstörungsfrei lösen lassen. Man kann die Verbindung mit dem Schraubenzieher oder anderem geeigneten Werkzeug einfach wieder aufschrauben.

Voll- und Teilgewinde

Wenn das Außengewinde direkt unterhalb des Schraubenkopfes beginnt und sich über die gesamte Länge der Schraube erstreckt, dann spricht man von einer Vollgewindeschraube. Viele Schrauben verfügen aber auch über einen gewindefreien Schaft, der sich meist direkt unterhalb des Kopfes befindet. Bei solchen Teilgewindeschrauben beginnt das Gewinde erst ein Stück weiter unten. Vollgewindeschrauben bestehen also aus drei Teilen: Kopf, Gewinde und Spitze. Bei Teilgewindeschrauben kommt mit dem Schaft noch ein vierter Teilbereich hinzu.

Eine Sonderform sind Teilgewindeschrauben, bei denen sich direkt unter dem Schraubenkopf ein kurzes Teilgewinde befindet, das aber nicht bis zur Schraubenspitze durchläuft, sondern von einem Schaft unterbrochen wird. Solche Schrauben (siehe Foto unten links) werden zum Beispiel zur Befestigung von Terrassendielen verwendet. Das zusätzliche Unterkopfgewinde sorgt dafür, dass die verschraubten Holzteile besonders fest angepresst werden und dadurch später nicht wackeln oder knarren.

Metallschrauben

Links: Teilgewindeschraube mit Unterkopfgewinde für Terrassendielen. (Foto: Reisser Schraubentechnik) Mitte: Metallschraube an einer Jordahl-Ankerschiene für Befestigungen an Betonbauteilen. (Foto: Jordahl) Rechts: Spezialschraube für MDF-Platten mit spatenähnlicher Bohrspitze. (Foto: Heco)

Links: Teilgewindeschraube mit Unterkopfgewinde für Terrassendielen. (Foto: Reisser Schraubentechnik)
Mitte: Metallschraube an einer Jordahl-Ankerschiene für Befestigungen an Betonbauteilen. (Foto: Jordahl)
Rechts: Spezialschraube für MDF-Platten mit spatenähnlicher Bohrspitze. (Foto: Heco)

Nach diesem kurzen Exkurs zu den Außengewinden kommen wir nun zurück zu den beiden großen Schraubentypen: Metall- und Holzschrauben. Metallschrauben bestehen zwar in der Regel aus Metall, aber das ist nicht der Grund für ihren Namen, denn auch Holzschrauben werden üblicherweise aus Stahl, Messing oder Kupfer gefertigt. Metallschrauben heißen vielmehr so, weil sie überwiegend im Metallbau – zur Befestigung und Verbindung von Metallteilen – eingesetzt werden.

Typisch für diese Art von Schrauben ist, dass zur Herstellung von Verbindungen das Außengewinde in ein Gegengewinde eingeschraubt wird. Dabei handelt es sich entweder um eine passende Mutter als Gegenstück zur Schraube oder um ein Innengewinde, das sich in einem Bauteil befindet. Metallschrauben haben meist eine zylindrische Form und sind mit vielen verschiedenen Schraubenköpfen erhältlich. Beispielsweise gibt es Sechskant-, Rundkopf-, Senkkopf- oder Zylinderkopfschrauben. Auch die dazugehörigen Muttern werden in vielen verschiedenen Ausführungen angeboten. Oft kommen zwischen Schraubenkopf und Mutter auch Unterlegscheiben zum Einsatz.

Holzschrauben

Aber nicht zu allen Schrauben gehört eine Mutter oder ein sonstiges Gegengewinde. Bestes Beispiel dafür ist der zweite große Schraubentypus: die Holzschraube. Diese wird meist für Befestigungen auf Holzuntergründen beziehungsweise zur Verbindung von Holzteilen eingesetzt – daher der Name. Holzschrauben haben eine leicht kegelförmige (konische) Form.

Während Metallschrauben meist eine stumpfe Spitze haben, besitzen Holzschrauben scharfe, dornartige Spitzen. Mithilfe der Spitze und ihrem ebenfalls scharfkantigen Gewinde lassen sich die Schrauben relativ leicht in Holz hineinschrauben. Erst beim Eindrehen schneidet sich die Schraube selbst ein Gegengewinde in den Untergrund. Eine Mutter als Gegenstück gibt es bei Holzschrauben nicht.

Große Detailvielfalt

Vollgewindeschraube „fischer Power-Full“ zur Verbindung tragender Holzkonstruktionen. Foto: Unternehmensgruppe fischer

Vollgewindeschraube „fischer Power-Full“ zur Verbindung tragender Holzkonstruktionen. Foto: Unternehmensgruppe fischer

Schrauben nehmen die meisten Menschen als Massenware wahr. Abgesehen von Durchmesser und Länge sehen sie alle gleich aus – denken viele. Doch das stimmt nicht. Dass es einen Unterschied zwischen Voll- und Teilgewindeschrauben gibt, haben wir schon erwähnt, ebenso wie die Grundunterscheidung zwischen Metall- und Holzschrauben. Aber auch innerhalb der großen Schraubengruppen gibt es viele Unterschiede bei den einzelnen Produkten. Man muss nur genauer hinschauen.

Mit wie viel Detailverliebtheit die Hersteller ihren Schrauben besondere Eigenschaften verleihen, wollen wir anhand zweier konkreter Holzschrauben veranschaulichen. Beginnen wir mit dem ersten Foto zu diesem Beitrag. Es zeigt Spezialschrauben zur Befestigung von Thermohölzern auf Terrassen. Der Hersteller – das SWG Schraubenwerk Gaisbach – hat die Teilgewindeschraube aus Edelstahl mit einer braun brünierten Oberfläche versehen, damit sie besonders gut zur Optik des Holzes passt. Der Schraubenkopf verfügt zudem über schräg angeordnete, schaufelartige Frästaschen, die ein sauberes und flächenbündiges Versenken im Holz ermöglichen. Auch am Schaft befinden sich Fräser, die eine kraftsparende Verarbeitung unterstützen, indem sie den Eindrehwiderstand reduzieren.

Besondere Eigenschaften zeichnen auch eine Spezialschraube für MDF-Platten (mitteldichte Faserplatten) aus, die der Hersteller Heco kürzlich auf den Markt gebracht hat (siehe Foto-Collage, rechts). Sie verfügt über eine speziell geformte, spatenähnliche Bohrspitze. Diese sorgt zusammen mit den dahinter am Gewindekern angeordneten Fräsrippen dafür, dass bereits beim Eindrehen per Hand viel Bohrmehl aus dem Werkstück herausgearbeitet wird. Der Vorteil: Man muss nicht vorbohren, und ein Ausbeulen oder Aufspalten des Untergrundmaterials wird unwahrscheinlicher. Die Beispiele zeigen, dass die Formel „Eine Schraube ist eine Schraube ist eine …“ so nicht gilt. Stattdessen sind Schrauben oft höchst individuelle Produkte mit sehr speziellen Eigenschaften.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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