RM Rudolf Müller
Anbringung großer Fliese

Schwere Last: Saugheber zum Ansetzen von großformatigen Fliesen empfehlen sich insbesondere an der Wand.

Boden und Wand
27. November 2014 | Artikel teilen Artikel teilen

Keramikfliesen: Großformate und Mosaik im Trend

Seit einiger Zeit werden bei Fliesen insbesondere die beiden Extreme immer beliebter: einerseits riesige XXL-Formate, andererseits kleinteilige XXS-Mosaike. Beides wird auch gerne miteinander kombiniert. Während Mosaikfliesen im Wesentlichen genauso wie normale Keramikfliesen verlegt werden, erfordert die Verarbeitung von Großformaten ein spezielles Know-how.

In neuen Bädern sieht man immer häufiger großformatige Fliesen. Ein Vorteil: Die Flächen strahlen aufgrund des geringeren Fugenanteils mehr Ruhe aus als Standardfliesen und sie lassen auch kleine Bäder großzügiger erscheinen. Kantenlängen wie 60×120 cm sind zumindest in Hotelbädern fast schon zum Standard geworden. Und das ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Einzelne Hersteller bieten mittlerweile sogar Keramikfliesen mit früher unvorstellbaren Formaten bis zu 3×1,5 Metern! Manch älterer Fliesenleger, der in seinem Berufsleben bisher nur 15×15 cm große Standardfliesen verlegt hatte, musste deshalb in den letzten Jahren noch einmal neues Know-how erwerben. Denn die Verarbeitung der Großformate stellt besondere Herausforderungen an den Verleger.

Spezialmörtel für Großformate

Wichtig ist zunächst einmal, dass man für die Verarbeitung von Großformaten nicht einfach einen x-beliebigen Fliesenmörtel verwendet. Nicht umsonst bieten die Bauchemiehersteller für XXL-Ware Spezialkleber an. Das sind meist flexible Dünnbettmörtel mit erhöhtem Kunststoffanteil, die über eine besonders gute Standfestigkeit verfügen. Dadurch haften auch große, schwere Fliesen sofort ohne zu verrutschen – selbst an der Wand. Zugleich dürfen diese Verlegewerkstoffe aber auch nicht zu schnell erhärten. Nach Auftrag des Mörtels an Wand und Fliesenrückseite muss das Material noch lange genug plastisch bleiben, damit der Verleger notwendige Korrekturen vornehmen kann.

Im Anschluss an diese „klebeoffene Zeit“ sollte der Fliesenkleber allerdings zügig erhärten, sodass er schnell eine stabile Unterlage für die dünnen Keramikbeläge bietet. Ansonsten drohen vor allem im Bodenbereich Materialschäden durch eine zu frühe Belastung. Die geforderte schnelle Trockenzeit stellt aber gerade bei großformatigen Fliesen eine Herausforderung an das Material dar, weil die Beläge ja nur über einen geringen Fugenanteil verfügen, über den Feuchtigkeit entweichen kann. Die Spezialmörtel der Hersteller sind aber so eingestellt, dass sie den genannten Anforderungen gewachsen sind. Durch ihren hohen Kunststoffanteil bieten diese Verlegewerkstoffe zudem verbesserten Schutz vor Schub- und Scherkräften, die auf den Belag einwirken können. Dabei kann es sich um Belastungen von außen handeln oder auch um Verformungen des Fliesenuntergrundes.

Hohlraumfreie Verlegung

Ganz wichtig ist bei Großformaten eine möglichst hohlraumfreie Verlegung. Das erfordert unter anderem einen besonders ebenen Untergrund. Leichte Unebenheiten, die man bei normalen Fliesenformaten noch tolerieren würde, können bei Großformaten bereits ein Problem darstellen, insbesondere bei Bodenfliesen. Um Bruchschäden durch die späteren Belastungen des Belages zu vermeiden, erfordert die Herstellung des ebenen Untergrundes bei großen Fliesen also eine besondere Sorgfalt. Eine praktische Lösung ist hier zum Beispiel die Verwendung von leicht verlaufenden Ausgleichsmassen.

Um Hohlräume zu vermeiden, wird der Fliesenkleber zudem vollflächig sowohl auf dem Verlegeuntergrund als auch auf der Fliesenrückseite verteilt. Doch auch bei diesem so genannten Buttering-Floating-Verfahren kann es noch zu kleineren Lufteinschlüssen im Fliesenkleber kommen. Der Verarbeiter sollte daher jede Platte nach dem Verlegen noch mithilfe von Gummihammer und Schlagklotz abklopfen.

Eine 60×120 cm große Keramikfliese ist an sich schon ziemlich schwer, und das Gewicht nimmt noch weiter zu, wenn der Verarbeiter auf der Rückseite den Dünnbettmörtel aufzahnt. Da wird das genaue Ansetzen der Fliese – insbesondere an der Wand – zu einem schwierigen Kraftakt. Es empfiehlt sich daher der Gebrauch von speziellen Hebegeräten, die dank ihrer Saugnäpfe an der glatten Fliesenoberfläche haften (siehe Foto).

Mosaik ist kein Hexenwerk

Mosaikfliese auf Trägergewebe

Mosaikfliese auf Trägergewebe. Fotos: PCI Augsburg

Das Verlegen von Fliesenmosaik erscheint dem Laien auf dem ersten Blick noch viel komplizierter als die Verarbeitung von Großformaten. Ist es aber eigentlich gar nicht. Eine echte Fleißarbeit sind natürlich Beläge, bei denen die kleinen Mosaiksteinchen tatsächlich noch einzeln verlegt werden. Doch heutzutage nutzt man in der Regel vorgefertigte Mosaikbeläge, die in typischen Fliesengrößen angeboten werden. Da hier die einzelnen Steine bereits werkseitig auf ein Papier- oder Glasfasernetz geklebt sind, funktioniert die Verlegung im Prinzip genauso wie bei Normalfliesen.

Apropos „Steine“: Ein Großteil der angebotenen Produkte besteht gar nicht aus Keramik. Sehr häufig wird Glasmosaik verwendet, aber auch Materialien wie Naturstein, Holz und selbst Metall werden zu Mosaikfliesen verarbeitet. Beim Verlegen all dieser Beläge ist darauf zu achten, dass man den Fliesenkleber, der zwischen den einzelnen Mosaiksteinchen herausquellt, sofort wieder entfernt und die Fläche mit einem feuchten Schwamm abwischt. Die Mosaikfliesen lassen sich einfach zuschneiden, indem man das Gewebe mit einem Teppichmesser durchtrennt. Während Keramikmosaike mit einfachem, grauem Zement-Fliesenkleber verarbeitet werden, verwendet man bei durchscheinenden Glasmosaiken in der Regel weißen Natursteinkleber.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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