RM Rudolf Müller
Putzeimer auf Fliesenboden

Um die Fugenmasse zu schützen, sollte man auf stark saure Reiniger verzichten. Foto: Rainer Sturm / www.pixelio.de

 
Boden und Wand
25. November 2014 | Artikel teilen Artikel teilen

Reinigungstipps für Keramikfliesen

Keramische Fliesen sind ausgesprochen widerstandsfähige und pflegeleichte Produkte. Trotzdem gibt es bei der Reinigung einige Punkte, die man beachten sollte, um die Belagsoberflächen nicht dauerhaft zu schädigen. Was die „Stärke“ der einzusetzenden Reinigungsmittel betrifft, gilt meist der Grundsatz: Weniger ist mehr.

Die Keramikfliesen, die wir aus dem Hausgebrauch kennen, sind in der Regel bereits werkseitig untrennbar mit einer Glasur verbunden. Das macht sie im hohen Maße unempfindlich gegen Flecke, Schmutz, Seifenreste oder Kosmetikrückstände. Dasselbe gilt für unglasierte Feisteinzeugfliesen, die vom Hersteller mit einer Oberflächenvergütung versiegelt wurden. Bei Feinsteinzeugfliesen ohne Glasur und Versiegelung empfiehlt der Industrieverband Keramische Fliesen + Platten dagegen eine Imprägnierung direkt nach dem Verlegen. Zumindest dann, wenn die Gefahr besteht, dass der Belag mit Fetten und Ölen oder gefärbten Flüssigkeiten in Kontakt kommt. Ansonsten drohen Flecken, die anschließend nur schwer zu entfernen sind.

Neutral – sauer – alkalisch

Glasierte oder versiegelte Fliesen sind wie gesagt sehr reinigungsfreundlich. Geringe Verunreinigungen lassen sich meist schon mit lauwarmem Wasser problemlos beseitigen. Auch bei stärkeren Verschmutzungen genügen in der Regel „sanfte“ Neutralreiniger mit einem pH-Wert im neutralen Bereich (6–9). Die meisten Seifen, die wir im Haushalt benutzen, haben übrigens einen pH-Wert von etwa 5,5 – sie liegen also im leicht sauren Bereich. Hintergrund: 5,5 ist auch der pH-Wert der menschlichen Hautoberfläche. Die Hersteller versuchen also, möglichst hautfreundliche Reinigungsmittel anzubieten.

Wenn es darum geht, Kalkablagerungen auf den Fliesen zu entfernen, bieten saure Reiniger (pH-Wert < 7) die besten Ergebnisse. In der Regel genügen hier aber die „normalen“, leicht sauer eingestellten Seifenprodukte. Allerdings sollte man nicht unbedingt die herkömmlichen Artikel für Haut und Haar zur Fliesenreinigung zweckentfremden. Denn solche Produkte enthalten meist Pflegemittelzusätze wie Öle und Wachse. Diese Stoffe sind für die Pflege der menschlichen Haut gedacht, haben aber nichts auf Fliesen zu suchen. Sie tragen nämlich dazu bei, dass sich mit der Zeit eine fettige Schicht auf den Belägen bildet, die nicht nur die Optik beeinträchtigt, sondern auch die Trittsicherheit gefährdet. Zur Entfernung solcher Fett-, Öl- und Wachspuren sind wiederum Reiniger mit einem pH-Wert > 7 am besten geeignet (alkalische Reiniger). Sie werden umgangssprachlich auch als Laugen bezeichnet.

Vorsicht vor „scharfen“ Reinigern

Reinigung häuslicher Fliesen

Zur Reinigung häuslicher Fliesen genügt oft schon lauwarmes Wasser. Foto: manwalk / www.pixelio.de

Man kann aber gar nicht oft genug betonen, dass für die Reinigung normaler Haushaltsfliesen die Verwendung von Neutralreinigern in der Regel völlig ausreichend ist. Besonders „scharfe“ Reiniger – egal ob stark sauer oder alkalisch – bereiten meist mehr Probleme als sie lösen. Stark saure Mittel greifen zum Beispiel Fugenmaterialien auf Zementbasis an. Übrigens erreicht man generell eine sanftere Fugenreinigung, indem man die Fugenmasse zuvor mit Wasser abspült, anstatt mit dem Reinigungsmittel auf der trockenen Fuge zu arbeiten.

Der Industrieverband Keramische Fliesen + Platten warnt insbesondere vorm Einsatz von Reinigungsmitteln, die Flusssäure (Fluorwasserstoffsäure) oder deren Verbindungen (Fluoride) enthalten. Diese greifen keramische Oberflächen auch bei starker Verdünnung an. Flusssäure ist ein extrem ätzender Stoff, der tatsächlich in manchen Spezial-Reinigungsmitteln verwendet wird. Einsatzbereiche sind beispielsweise starke Verschmutzungen auf Gläsern und Fassaden (aber nicht Keramikfassaden!). Die Industrie verwendet flusssäurehaltige Mittel zudem, um Siliziumchips zu reinigen. Für solche Anwendungen gelten dann aber strenge Arbeitsschutzvorschriften. Im Privathaushalt hat so eine harte Chemie nichts zu suchen.

Auch bei der Verwendung stark alkalischer Reiniger ist höchste Vorsicht geboten. Solche Laugen haben meist einen pH-Wert von mehr als 10 und sind in der Regel sogar noch ätzender als Säuren. Herkömmliche Rohrreiniger sind zum Beispiel normalerweise stark alkalisch.

Fleck-Weg-Lexikon

Trotz aller Pflegeleichtigkeit kann es auch auf Fliesen durch problematische Stoffe zu hartnäckigeren Verunreinigungen kommen, die sich nicht einfach mit Wasser und normaler Seife entfernen lassen. Das können zum Beispiel Gummiabrieb (etwa durch Schuhsohlen), Bleistiftstriche, Farbkleckse, Reste von Dehnungsfugen oder auch Epoxidharze (Fliesenkleber auf Reaktionsharzbasis) sein. Tipps zur schonenden Reinigung bietet in solchen Fällen das „Fleck-Weg-Lexikon“ des Industrieverbandes Keramische Fliesen + Platten.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

Erklärt: Woraus sind Lehmböden zusammengesetzt?

Schon seit Urzeiten nutzt der Mensch die natürliche Bodenart Lehm als Baustoff. Das Spektrum reicht von traditionellen Lehmbausteinen über monolithische Wände aus Stampflehm bis hin zu modernen Putzen, Farben und Plattenwerkstoffen auf Lehmbasis. Bei vielen dieser Produkte dient der Lehm als Bindemittel, der pflanzliche Zusatzstoffe wie zum ...

mehr »
 

Fassadenfenster: Übersicht über die Öffnungsmechanismen

In Deutschlands Wohnungen erfolgt das Stoßlüften meist über Drehflügelfenster. Dass der Flügel dabei in den Raum gezogen wird, erscheint uns...

mehr »
 

Innentüren: Holzoptik heißt nicht immer Holzoberfläche

Das klassische Material für Innentüren in Wohngebäuden ist Holz. Es gibt zwar auch Ganzglastüren, doch die sind eher die Ausnahme. Und Metalltüren findet man im häuslichen Bereich normalerweise nur da, wo besondere Anforderungen bestehen, etwa an den Brand- oder Schallschutz. Doch Holztür ist nicht gleich Holztür. Zumindest bei den Oberflächen ...

mehr »
Nach oben
nach oben