RM Rudolf Müller
Dampfbremse von Dörken

Schematische Darstellung einer Dampfbremse: Die Folien werden direkt auf die Dämmung geklebt. Foto: Dörken

Dach
21. März 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Folien gegen Feuchtigkeit: Wie schützen Dampfbremsen die Dächer?

Über „Feuchtgebiete“ werden heutzutage Bestsellerromane geschrieben, aber im Dach sind sie nach wie vor unerwünscht. Als eine Schutzmaßnahme haben sich so genannte Dampfbremsen bewährt, die den Dachaufbau vor Wasserdampf aus der Innenraumluft schützen.

Wo Leben existiert, da ist auch Wasser. Der Mensch selbst besteht zum Beispiel zu 60 bis 80 Prozent aus Wasser und er muss seinen Köper regelmäßig mit neuer Flüssigkeit auftanken, um überleben zu können. Wasser existiert aber nicht nur in flüssiger Form, sondern auch als Wasserdampf, und der ist praktisch allgegenwärtig: Wir produzieren ihn beim Schwitzen ebenso wie beim Kochen oder Duschen und er ist in der Luft, die wir atmen. Als Gas kennt er so gut wie keine Grenzen, dringt überall ein – auch in Baustoffe.

Wo Wasser ist, da entsteht oft neues Leben. Aber nicht immer finden wir das gut. Denn Feuchtigkeit ist zum Beispiel auch die Lebensgrundlage von Schimmelpilzen, und in einer Dachkonstruktion wollen wir die unbedingt vermeiden. Ein Mittel dazu sind so genannte Dampfbremsen, die eingesetzt werden, um die Steildachkonstruktion vor Feuchtigkeit aus der Innenraumluft zu schützen.

Folien gegen Feuchtigkeit

Dampfbremsen für Steildächer sind dünnschichtige Folienwerkstoffe, die meist aus Kunststoffen wie Polyethylen, Polyamid oder PVC bestehen. Sie werden raumseitig auf Dämmstoff und Dachsparren verlegt, befinden sich also direkt unter der abschließenden Innenraumverkleidung. Dampfbremsen verhindern zuverlässig, dass Wasser in die Dachkonstruktion eindringt, sie sind aber nicht völlig dampfdicht. Wasserdampf kann also immer noch durch die Folie gelangen, allerdings nur so langsam, dass eine richtige Durchfeuchtung des Dämmstoffs oder der Dachsparren ausgeschlossen ist.

Wasser im gasförmigen Zustand schadet dem Dämmstoff auch gar nicht. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass der Wasserdampf aus der warmfeuchten Innenraumluft in die Dämmebene gelangt, sich in Richtung Außendachfläche bewegt und dabei so stark abkühlt, dass er irgendwann kondensiert – also wieder als flüssiges Wasser ausfällt. Erst dann beginnt die Durchfeuchtung, wodurch einerseits die Leistungsfähigkeit des Dämmstoffs nachlässt und andererseits die Schimmelgefahr in der Dachkonstruktion wächst.

Dicht oder durchlässig?

Aber wäre es da nicht besser, den Dachaufbau durch eine absolut dampfdichte Folie grundsätzlich vor Feuchtigkeit aus dem Innenraum zu schützen? Es gibt solche Produkte, sie heißen nicht Dampfbremsen, sondern Dampfsperren. Erstaunlicherweise haben diese in der Praxis aber oft zu viel schlimmeren Schimmelschäden im Dachstuhl geführt. Das Problem bei Dampfsperren ist, dass Wasserdampf zwar nicht mehr in den Dachaufbau hineingelangt, allerdings auch nicht mehr aus ihm herauskommt. Wenn nun aber beispielsweise leicht feuchter Dämmstoff eingebaut wurde oder das Holz des Dachstuhls eine relativ hohe Restfeuchte hat, dann hilft es auch nichts, wenn die Bauteile später bei warmer Witterung trocknen. Der entstehende Wasserdampf kann einfach nicht entweichen und wird bei kühleren Temperaturen wieder kondensieren. Dieselbe Gefahr droht, wenn durch Löcher in der Dampfsperre oder mangelhafte Verklebungen der Folien letztlich doch Wasserdampf aus dem Innenraum in die Dämmebene gelangt.

Um das Problem „eingeschlossener“ Feuchtigkeit zu vermeiden, setzt man in der Baupraxis heute meistens auf Dampfsbremsen, vor allem weil diese ein Austrocknen der Konstruktion im Sommer ermöglichen. Dafür nimmt man in Kauf, dass die Dachschichten vor allem im Winter auch mal etwas zu viel warmfeuchte Raumluft „aufsaugen“ können.

Und was ist der sd-Wert?

Übrigens ist Dampfbremse nicht gleich Dampfbremse. Es gibt die Folien in unterschiedlich dichten Ausführungen, wobei der Widerstand, den eine Dampfbremse der Wasserdampfdiffusion entgegensetzt, über den so genannten sd-Wert definiert wird. Der sd-Wert gibt die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke an und wird in Metern gemessen. Was furchtbar kompliziert klingt, lässt sich an einem Beispiel veranschaulichen: Eine 1 mm dicke PE-Folie mit einem sd-Wert von 90 m hat für ein Wasserdampfmolekül den gleichen Wasserdampfdiffusionswiderstand wie eine stehende Luftschicht von 90 m. Dampfbremsen gibt es mit sd-Werten zwischen 0,5 und < 1.500 m, alles was darüber liegt, gehört in den Bereich der Dampfsperren.

In den letzten Jahren sind die Eigenschaften von Dampfbremsen erheblich komplexer geworden. Die Baustoffindustrie hat sogar variable Dampfbremsen erfunden, deren Durchlässigkeit sich in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit automatisch verändert. Bei hoher Luftfeuchte, also im Sommer, sind diese Folien dampfdurchlässiger als im Winter. So kann die Dachkonstruktion in der warmen Jahreszeit besser austrocknen.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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