RM Rudolf Müller
Stahlblechdach in klassischer Dachpfannenoptik. Foto: Luxmetall

Stahlblechdach in klassischer Dachpfannenoptik.

Dach
22. März 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Metalldächer: Übersicht über die beliebtesten Materialien

Dacheindeckungen müssen nicht immer aus Ton, Beton, Faserzement oder Schiefer bestehen. Auch Metalldächer sind weit verbreitet und haben eine lange Tradition.

Die Historie der Metalldächer reicht weit zurück. In China etwa wurden bereits vor 2.000 Jahren Dächer mit Kupfer eingedeckt. Vermutlich nur für repräsentative Prunkbauten, denn Kupfer ist im Vergleich zu Ton oder Beton nicht gerade billig. Auch in europäischen Städten zeugen die vielen historischen Bauten mit Kupferbedachung von der Schönheit und Langlebigkeit des Materials. Seit dem Mittelalter wurde zudem vermehrt mit Blei eingedeckt – vor allem auf Sakralgebäuden wie Kirchen- und Dombauten.

Dacheindeckungen sind täglich Wind und Wetter ausgesetzt und sollten daher korrosionsbeständig sein. Auf Kupfer und Blei trifft das zu. Dass diese Materialien nicht rosten, ist eine wesentliche Voraussetzung für ihre Langlebigkeit. Metalldächer lassen sich zudem leicht reinigen, und es kommt wesentlich seltener zur Grünbildung durch Algen, Moose oder Flechten als auf raueren Eindeckungsmaterialien wie Ton und Beton.

Kupfer und Blei

Kupferdach auf dem Hamburger Rathaus Foto: Erich Westendarp/www.pixelio.de

Kupferdach auf dem Hamburger Rathaus

Wobei: Grün werden Kupferdächer mit der Zeit trotzdem immer – das ist geradezu ihr Erkennungsmerkmal. Aber dabei handelt es sich um eine optisch ansprechende Patina, die nichts mit Mikroorganismen zu tun hat. Kupfer bildet durch den Kontakt mit Luft im Laufe der Zeit zwei Schutzschichten: zunächst eine Oxidschicht und etwas später den charakteristischen grünen Belag, der aus Kupfersalzen besteht. Beide Schichten schützen das Material, machen es robust und witterungsbeständig.

Auch aus gewalzten Bleiblechen werden schon jahrhundertelang Dachdeckungen gefertigt, die sich als sehr langlebig erwiesen haben. In gewisser Weise handelt es sich um ein ideales Material für Außenanwendungen, weil Blei nicht nur korrosionsbeständig, sondern auch leicht zu verarbeiten ist. Es lässt sich kalt verformen, einfach schneiden und problemlos löten. Es hat zugleich eine hohe Dichte und schützt nicht nur vor Röntgenstrahlen (in der Medizintechnik), sondern auch vor jeglicher Art elektromagnetischer Strahlung. Außerdem lässt sich das Metall hervorragend recyceln. Die Hersteller fertigen die Dacheindeckungen häufig aus 100 Prozent recyceltem Blei.

Umweltgefahren

Bleidach auf dem Kölner Dom. Foto: Pixabay

Bleidach auf dem Kölner Dom.

Blei ist allerdings in der jüngeren Vergangenheit zunehmend ins Gerede geraten. Der Werkstoff gilt grundsätzlich als giftig für Mensch und Natur, wobei es natürlich – wie bei allen Giften – auf die Dosis ankommt. Vor gar nicht so langer Zeit wurden sogar Trinkwasserleitungen noch aus Blei gefertigt, das ist erst seit wenigen Jahren verboten. Kritiker fürchten, dass auch Bleidächer schädlich für die Umwelt sind, weil giftige Dachpartikel über das Regenwasser in den Boden oder in die Kanalisation gelangen könnten. Ähnliche Vorwürfe werden im Übrigen auch im Zusammenhang mit Kupferdächern erhoben.

Walzblei-Hersteller wie die Krefelder Röhr + Stolberg GmbH räumen ein, dass das Arbeiten mit Blei Sicherheitsvorkehrungen erfordert. So sollten Schweiß- oder Lötarbeiten zum Beispiel nur im Freien oder in gut durchlüfteten Räumen stattfinden. Das Einatmen von Bleistäuben und -dämpfen ist zu vermeiden. Auf der Website von Röhr + Stolberg heißt es aber auch, dass Blei in kompakter, metallischer Form kein Gesundheitsrisiko darstelle. Unbestritten ist, dass sich auf Dacheindeckungen aus unbehandeltem Blei („Saturnblei“) durch den Einfluss der Witterung eine stabile, weiße Schutzpatina bildet. Die Industrie bietet zudem auch Eindeckungsbleche, die bereits ab Werk mit schützenden Oberflächen aus Zinn oder Farblacken beschichtet sind.

Stahl und Zink

Ob Blei oder Kupfer auf Dächern tatsächlich eine ernsthafte Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen, können wir an dieser Stelle nicht entscheiden. Das Thema ist sehr umstritten. Allerdings werden diese Metalle heute überwiegend nur auf historischen Gebäuden eingesetzt. Moderne Metalldächer sind dagegen meist aus Stahl, Zink oder Aluminium.

Der Werkstoff Stahl ist vor allem im Gewerbe- und Industriebau allgegenwärtig. Dabei kommen überwiegend Trapezprofile zum Einsatz, sowohl für Dacheindeckungen als auch für Fassadenverkleidungen. Es gibt aber auch Dachpfannen aus Stahl, die genauso wie klassische Dachziegel geformt sind und auch so verlegt werden. Diese Produkte findet man dann überwiegend im Wohnhausbereich. Für eine besonders zeitsparende Verlegung bietet die Industrie auch großvolumige Pfannenbleche, die den Vorteil haben, dass der Dachhandwerker nicht jede Dachpfanne einzeln verlegen muss. Der Hersteller Luxmetall hat zum Beispiel bis zu 7 m lange Stahldachpfannenplatten im Programm.

Stahlbleche für die Dacheindeckung sind meist noch farbbeschichtet, vor allem aber werden sie werkseitig verzinkt. Das macht man, weil das Metall Zink weitaus weniger anfällig für Rost ist als Stahl. Zink wird jedoch nicht nur als Korrosionsschutzmittel für andere Metalle eingesetzt, sondern dient auch als Werkstoff für Dachdeckungen, Dachrinnen, Regenfallrohre, Außenfensterbänke und Fassadenbekleidungen. Allerdings nutzt man dafür in der Regel kein reines Zink, sondern Zink-Legierungen. Der bekannte Hersteller Rheinzink verwendet für seine Produkte zum Beispiel so genanntes Titanzink. Diese Legierung enthält auch geringe Mengen an Titan, Kupfer und Aluminium, wodurch das Material weniger spröde und noch korrosionsbeständiger wird.

Aluminium

Wohnhaus mit Dach aus Titanzink. Foto: Rheinzink

Wohnhaus mit Dach aus Titanzink.

Ein großer Vorteil von Metallblechdächern ist, dass sie deutlich leichter sind als herkömmliche Eindeckungsmaterialien. Das kann bei der Sanierung von Dächern der entscheidende Grund für die Wahl einer Metalllösung sein. Denn häufig sind alte Dachsparren nicht tragfähig genug, um das Gewicht der bisherigen Ziegel- oder Betoneindeckung plus hinzukommender Dämmung zu tragen.

Der Vorteil des geringen Gewichts gilt natürlich auch für das Leichtmetall Aluminium, das ebenfalls für moderne Dacheindeckungen verwendet wird. Aluminium ist nur etwa halb so schwer wie Stahl, es lässt sich kalt und warm verformen und gut verarbeiten. Außerdem bildet es durch Umwelteinflüsse eine Oxidationsschicht aus, die vor Korrosion schützt. Das Metall hat zudem eine lange Lebensdauer und ist bruchsicher, was zum Beispiel bei Hageleinschlag wichtig ist.

Allerdings ist der relativ weiche Werkstoff nicht grundsätzlich vor Dellen gefeit, wenn stärkere äußere Kräfte auf ihn einwirken. Größere Hagelkörner können also durchaus sichtbare Spuren auf der Dachfläche hinterlassen. Als Lösung bietet die Baustoffindustrie eloxiertes Aluminium. Dabei handelt es sich um spezielles Aluminium mit einer künstlich erzeugten, extrem harten Oberfläche, die auch hagelsicher sein soll.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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