RM Rudolf Müller
Kind mit Holzpellet

Energetisches Bauen
23. Juli 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Pelletheizung: Mehr als ein Holzofen

Heizen mit Holz erlebt derzeit eine Renaissance. Schließlich gehört der Naturstoff zu den erneuerbaren Energiequellen und verursacht deutlich weniger CO2-Emissionen als die fossilen Brennstoffe Öl oder Erdgas. Statt der veralteten Holzöfen werden heute aber meist moderne Pelletheizungen eingesetzt, die kaum noch Gemeinsamkeiten mit ihren historischen Vorgängern aufweisen. Das gilt für die Anlagentechnik, aber auch für den Brennstoff selbst – die so genannten Pellets.

Eigentlich schien die Zeit der Wärmeerzeugung mit Festbrennstoffen schon lange vorbei. Zumindest in Deutschland wurden Holz- und Kohleöfen nach dem zweiten Weltkrieg immer mehr durch Öl- und Gasheizungen ersetzt. Die sind bequemer in der Anwendung und verursachen vor allem weniger Ruß. Gegen Ende des letzten Jahrtausends konnte man sich als nächsten Entwicklungsschritt vielleicht das Heizen mit Solarwärme vorstellen – aber eine Rückkehr zur Holzheizung?

Erfindung aus Seattle

Doch es sollte anders kommen. Und das lag in erster Linie an Jerry Whitfield, einem Flugingenieur aus Seattle. Der Hobby-Tüftler erfand nämlich Anfang der 1980er-Jahre mit den Pellets einen neuen Brennstoff, den er aus einem Abfallprodukt der Holzwirtschaft – dem Sägemehl – herstellte. Anfangs kam dieser nur in einigen industriellen Feuerungsanlagen zum Einsatz. Doch Whitfield wollte mehr: Sein Traum war eine kompakte Heizung für den häuslichen Bereich, die umweltfreundliches, regional verfügbares Holz verbrennt, aber zugleich wie eine Öl- oder Gasheizung vollautomatisch betrieben werden kann. Im Jahr 1983 präsentierte er den ersten Prototyp eines solchen Pelletofens.

30 Jahre später hat die Innovation auch in Deutschland viele Freunde gefunden. Nach Schätzungen des Deutschen Energieholz- und Pelletverbandes gab es Mitte 2013 in Ein- und Zweifamilienhäusern bereits rund 300.000 Anlagen zur Pelletverbrennung – darunter knapp 200.000 Pelletkessel und rund 100.000 kleinere Pelletöfen.

Woraus bestehen Pellets?

Das Wort „Pellet“ stammt aus dem Englischen und hat so unterschiedliche Bedeutungen wie zum Beispiel „Kügelchen“, „Schrot“ oder auch „Kötel“. Das mag zum Teil nicht besonders schmeichelhaft klingen, trifft die Sache rein optisch betrachtet aber durchaus. Pellets bestehen vor allem aus Sägespänen und -mehl, die unter hohem Druck und ohne Zugabe von chemischen Bindemitteln zusammengepresst werden.

Aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Pellets fließen heute aber teilweise auch schon Holzhackschnitzel oder Waldrestholz in die Produktion. Letzteres wird von Umweltorganisationen kritisch gesehen. Zugleich kommen in den letzten Jahren vermehrt alternative Pelletbrennstoffe auf den Markt, die nicht aus Holzresten, sondern zum Beispiel aus Stroh, Schilf oder Raps bestehen.

Die Dicke eines Pellet beträgt 6 bis 8 mm, während die Länge recht variabel sein kann: von rund 3 mm bis zu 40 mm. Da ist vom Kügelchen bis zum Kötel also alles dabei. Das Verbrennen von einem Kilogramm Holzpellets liefert etwa fünf Kilowattstunden Wärmeenergie und damit genauso viel wie ein halber Liter Heizöl.

Einzelöfen und Zentralkessel

Wohnzimmer mit Pelletofen

Bei der Anlagentechnik muss man unterscheiden zwischen kleineren Pelletöfen, die wie ein Kamin sichtbar im Wohnbereich aufgestellt sind, und Pelletkesseln, die sich wie eine Öl- oder Gasheizung in einem separaten Heizraum befinden und die Funktion einer Zentralheizung für das gesamte Haus erfüllen.

Pelletöfen dienen in der Regel nur zum Beheizen einzelner Räume und werden auch oft in Kombination mit einer Solarthermie-Anlage eingesetzt. Reicht die Sonnenwärme nicht aus, um das gewünschte Heizniveau zu erreichen, wird mit Pellets nachgeheizt. Die Öfen haben einen integrierten Vorratsbehälter, von dem aus die Brennstoffe mithilfe einer Schnecke automatisch in den Verbrennungsraum befördert werden. Auch die elektrische Zündung erfolgt automatisch. Der Heizeffekt erfolgt meist durch direkte Erwärmung der Raumluft. Es gibt allerdings auch Öfen mit integrierter „Wassertasche“, bei denen die Abwärme des Verbrennungsprozesses genutzt wird, um nebenbei gleich noch Wasser für die „normalen“ Heizungskörper zu erwärmen.

Wenn nicht nur einzelne Räume, sondern ganze Häuser mit Pellets beheizt werden sollen, bieten sich größere Pelletkessel für den Heizraum an. Hier gibt es mittlerweile vollautomatische Modelle, die sehr bedienerfreundlich funktionieren und ähnlich wie moderne Öl- oder Gasheizungen nur einmal im Jahr gewartet werden müssen.

Niedrige Emissionen

Beim Verbrennen von Holz entsteht bekanntlich viel Rauch. Die Hersteller von Pelletheizungen betonen allerdings, dass ihre Produkte nur geringfügig höhere Feinstaub- und Kohlenmonoxid-Emissionen auslösen als moderne Öl- oder Gasheizungen. Das Verbrennen von Pellets sei diesbezüglich keineswegs mit dem Verbrennen von richtigem Holz zu vergleichen.

Emissionen in den Wohnraum finden schon deshalb nicht statt, weil man Pelletheizungen ja nicht wie einen Kamin öffnet, um Holz nachzulegen. Durch die automatische Brennstoffzuführung bleibt der Brennraum ständig geschlossen. Viele Pelletheizungen verfügen außerdem über digitale Überwachungstechnik, durch die ein optimales Verhältnis von Verbrennungsluft, Brennstoffmenge und Betriebstemperatur erreicht werden soll. Das ermöglicht hohe Wirkungsgrade und geringe Emissionen.

Teure Anschaffung – günstiger Betrieb

Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine Pelletheizung zuzulegen, muss dafür heute noch deutlich tiefer in die Tasche greifen als für eine qualitativ vergleichbare Gas- oder Ölheizung. Dafür kann man allerdings unter bestimmten Bedingungen Fördermittel des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie von der KfW-Bankengruppe in Anspruch nehmen. Außerdem spart man langfristig Geld, weil der Brennstoff Pellets deutlich günstiger ist als Heizöl oder Erdgas.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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