RM Rudolf Müller
Duschrinnen ermöglichen einen flachen Bodenaufbau – der darunterliegende Rohranschluss kann aber auch vertikal durch die Decke verlaufen. Grafik: Gutjahr

Duschrinnen ermöglichen einen flachen Bodenaufbau – der darunterliegende Rohranschluss kann aber auch vertikal durch die Decke verlaufen. Grafik: Gutjahr

 
Entwässerung
28. März 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Duschabläufe: Linien- oder Punktentwässerung?

Egal ob klassische Duschwanne oder die bei Neubauten im Trend liegenden bodengleichen Lösungen: Jede Dusche benötigt einen passenden Ablauf, damit das Wasser schnell und sicher in die Kanalisation fließt, ohne dass Überschwemmungen im Bad drohen. Zu unterscheiden sind herkömmliche, punktförmige Abläufe und moderne, linienförmige Entwässerungsrinnen. Beide Varianten eignen sich grundsätzlich auch für barrierefreie Duschen. Trotzdem sind ein paar Unterschiede zu beachten.

Ob man sich nun für eine Linien- oder eine Punktentwässerung entscheidet, ist zuallererst eine Frage des Geschmacks. Duschrinnen werden im gefliesten Bodenbereich mehr wahrgenommen als Punktabläufe, sie bestimmen das Baddesign stärker. Wer das nicht mag, sollte lieber auf die optisch dezenteren Punktabläufe mit ihren runden oder quadratischen Abdeckungen setzen. Da sie zumindest in der Fläche platzsparender wirken, dominieren Punktabläufe auch heute noch in kleineren Duschen, insbesondere in nicht barrierefreien Duschwannen.

Eine Frage des Geschmacks

Die Tatsache, dass Duschrinnen mehr auffallen, empfinden allerdings viele Menschen gerade nicht als optischen Nachteil. Im Gegenteil: Das lange Format und die flache Ästhetik werden überwiegend als schick wahrgenommen. Natürlich hängt das nicht zuletzt mit den vielen attraktiven Rinnenabdeckungen zusammen, die im Fachhandel erhältlich sind – zum Beispiel aus edlem und pflegeleichtem Edelstahl.

Außerdem wirken Rinnen trotz ihrer vergleichsweise großen Flächenoptik durchaus noch dezent, weil man sie ja in den Boden versenkt, wo sie zusammen mit dem umliegenden Duschboden eine durchgehend ebenerdige, barrierefreie Fläche bilden. Im Übrigen gibt es für Duschen auch clevere Rinnenprodukte, die die Optik der Bodenfläche überhaupt nicht beinträchtigen: so genannte Wandabläufe. Diese werden nämlich in eine angrenzende Wand eingebaut, verschwinden also komplett aus der Belastungszone Boden (siehe Foto unten).

Das bisher Gesagte sollte aber nicht zu Missverständnissen führen: Auch für Punktabläufe bietet die Industrie heute optisch ansprechende Abdeckungen in vielfältigen Designs, und die Produkte lassen sich ebenfalls bündig in den Boden versenken. Barrierefreie Duschen setzen nicht generell Rinnenabläufe voraus, sondern lassen sich auch mit Punktabläufen ganz ohne Stolperfallen realisieren. Rinnenprodukte haben hier allenfalls den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer flachen Form in der Regel einen etwas flacheren Bodenaufbau ermöglichen. Das beeinflusst in bestimmten Bausituationen die Wahl zugunsten der Linienentwässerung.

Eignung für Großformatfliesen

Mittige Punktabläufe benötigen auf allen vier Seiten ein Gefälle. Foto: Schlüter Systems

Mittige Punktabläufe benötigen auf allen vier Seiten ein Gefälle. Foto: Schlüter Systems

Duschrinnen werden meist nahe der Wand eingebaut, sodass sie die Verfliesung des Bodens optisch nicht unterbrechen. Das hat den weiteren Vorteil, dass der Bodenaufbau nur über ein einseitiges Gefälle in Richtung Ablauf verfügen muss. Punktentwässerungen werden dagegen entweder in der Mitte oder in einer Ecke der Duschwanne beziehungsweise des ebenerdigen Duschbodens platziert. Bei beiden Varianten muss der Boden mehrere, sich verschneidende Gefälleflächen aufweisen, damit sichergestellt ist, dass das Wasser auch wirklich den Weg in den Ablauf findet. Bei einem mittigen Punktablauf muss der Duschboden auf allen vier Seiten ein Gefälle zum Ablauf hin aufweisen.

Die unterschiedlichen Anforderungen an das Gefälle haben zur Folge, dass sich Punktabläufe nicht so gut eignen, wenn der Boden mit Großformaten verfliest werden soll. Die kleinteiligeren Gefälleflächen erfordern einfach mehr Fugen und einen größeren Fliesenverschnitt. Das ist mit herkömmlichen Kleinformaten besser zu realisieren. Wird dagegen eine Duschrinne mit einem nur einseitigen Gefälle eingebaut, dann sind Großformatfliesen dazu die perfekte Ergänzung.

Häufig ist auch dass Argument zu hören, Duschrinnen ließen sich einfacher reinigen als Punktentwässerungen. Hier sollte man allerdings nicht pauschalisieren. Das Argument mag für alte Punktabläufe gelten, mittlerweile gibt es in diesem Produktsegment aber zahlreiche moderne Lösungen, die in Sachen Hygiene und Funktionalität ebenfalls sehr bedienfreundlich sind.

Ablaufleistungen

Der Wandablauf „Scada“ verfügt über eine schicke LED-Beleuchtung. Foto: Kessel

Der Wandablauf „Scada“ verfügt über eine schicke LED-Beleuchtung. Foto: Kessel

Viele Menschen glauben, dass Rinnen in gleicher Zeit mehr Wasser „schlucken“ können als Punktabläufe – einfach weil sie mehr Bodenfläche ausfüllen. Das lässt sich in dieser Form aber nicht verallgemeinern. Die Ablaufleistung einer Entwässerungsvorrichtung hängt schließlich nicht nur von der Geometrie des Ablaufs ab, sondern auch von vielen anderen Faktoren. Viel entscheidender für die Wassermenge, die in einer bestimmten Zeitspanne abfließt, sind Durchmesser und Gefälle des Abflussrohres unterhalb des Duschablaufs.

Auch in einer breiten Duschrinne fließt das Wasser am Ende in ein einzelnes Rohr. Wenn das zu gering dimensioniert ist, kann sich schnell Wasser aufstauen. Die Ablaufleistung hängt also in nicht in erster Linie von der Form des Ablaufs ab, sondern vor allem von der weiteren Entwässerungstechnik unterhalb des Ablaufs. Unter einer Duschrinne kann man im Übrigen sowohl ein horizontales Abflussrohr anschließen als auch ein vertikales. Letzteres beschleunigt den Wasserabfluss.

Die Hersteller von Duschabläufen geben die Ablaufleistung ihrer Produkte in Liter pro Sekunde (l/s) oder Liter pro Minute an (l/min). Schaut man sich die deklarierten Werte an, fällt auf, dass es in der Regel gar nicht die Rinnen, sondern die Punktabläufe sind, für die höhere Ablaufleistungen angegeben werden. Allerdings sind die ausgewiesenen Werte ohnehin nicht besonders praxisgerecht.

Die Hersteller müssen die Ablaufleistung nämlich nach den Vorgaben der DIN EN 1253-2 ermitteln. Der in dieser Norm vorgeschriebene Versuchsaufbau sieht vor, dass die Ablaufleistung über einen Zeitraum von zehn Minuten bei einer Anstauhöhe von 20 mm gemessen wird. Die Messung erfolgt also bei einem dauerhaften Wasserspiegel von 20 mm oberhalb des Ablaufs. Der durch den Wasserspiegel erzeugte Druck erhöht natürlich die Abflussgeschwindigkeit des Wassers. Daraus folgt allerdings, dass die tatsächliche Ablaufleistung des Ablaufs beim Einbau in eine bodengleiche Dusche geringer sein muss als offiziell deklariert. Denn schließlich ist in so einer Dusche ohne Wanne ein 20 mm hoher Wasserspiegel praktisch überhaupt nicht möglich.

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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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