RM Rudolf Müller
Prinzip eines Fettabscheiders

Funktionsprinzip von Fettabscheidern: Schwere Abwasserbestandteile sinken auf den Boden, leichtere Stoffe wie tierische Öle und Fette steigen im Abwasser nach oben. Grafik: ACO Haustechnik

Entwässerung
31. Oktober 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Erklärt: Wie Abscheider funktionieren

Niederschlags- und Schmutzwasser, das mit wassergefährdenden Leichtflüssigkeiten wie Öl und Benzin oder mit Fetten belastet ist, darf nicht in größeren Mengen unbehandelt in die Kanalisation oder gar in natürliche Gewässer gelangen. Gewerbebetriebe, deren Abwasser mit solchen Stoffen belastet ist, sind daher zum Betrieb von so genannten Abscheidern verpflichtet, die Öle und Fette vom Wasser trennen.

Das gilt zum Beispiel für Tankstellen, Auto-Waschanlagen, Umfüllplätze und natürlich auch für etliche Industrieflächen, auf denen mit Leichtflüssigkeiten hantiert wird. Aber auch in vielen Bereichen von Gastronomie und Lebensmittelindustrie, wo große Mengen pflanzlicher und tierischer Öle oder Fette in das Abwasser gelangen, sind Abscheider nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) vorgeschrieben. Also beispielsweise in Restaurants, Metzgereien und Schlachthöfen oder die Betriebe von Lebensmittelherstellern.

Fett- und Leichtflüssigkeitsabscheider sind gewissermaßen dezentrale Anlagen zur Vorreinigung des Abwassers. Sie tragen dazu bei, dass Kläranlagen nicht überlastet werden, und schützen zudem die Kanalisation. Denn Öle und Fette tragen massiv zur Verstopfung von Rohren bei, und Benzin in der Kanalisation wäre ein gefährlicher Brandherd. Überall dort, wo Regenwasser direkt in natürliche Gewässer eingeleitet wird, würden Öl- und Benzinanteile zudem zu schweren Schäden für das Ökosystem führen, wenn man sie nicht zuvor aus dem Abwasser herausfiltert.

Fettabscheider

Im Grunde bestehen alle Abscheider aus einem absolut flüssigkeitsdichten Behälter, der auf der einen Seite mit einem Wasserzufluss und auf der anderen Seite mit einem Wasserabfluss versehen ist. Die Funktionsweise von Fettabscheidern ist relativ einfach. Das Abwasser fließt in das großvolumige Gefäß, wodurch seine Fließgeschwindigkeit abrupt verringert wird. Durch die Beruhigung der Flüssigkeit sinken schwere Schmutzstoffe auf den Boden des Abscheiders, wo sie sich im so genannten Schlammfang ablagern. Die Fett- und Ölbestandteile dagegen sind leichter als Wasser und sammeln sich daher als Flüssigkeitsfilm an der Wasseroberfläche. Diese Fettschicht muss regelmäßig abgesaugt werden.

Zwischen Schlamm- und Fettschicht entsteht vorgereinigtes Abwasser, das über den Abfluss des Abscheiders nach und nach in die Kanalisation fließt. Durch eine Tauchwand, die bis tief in den Abscheider ragt, wird verhindert, dass die Fette und Öle von der Wasseroberfläche in den Abfluss gelangen können (siehe Grafik). Fettabscheider gibt es sowohl für den Erdeinbau (meist aus Beton oder Kunststoff) als auch zur Freiaufstellung im Keller (meist aus Kunststoff oder Edelstahl).

Leichtflüssigkeitsabscheider

Leichtflüssigkeitsabscheider trennen wassergefährdende Stoffe wie Mineralöl und Benzin vom Abwasser. Die Abscheiderbecken bestehen meist aus Beton, Kunststoff oder Gusseisen und werden immer außerhalb von Gebäuden ins Erdreich eingebaut. Es gibt sie in verschiedenen Leistungsklassen, wobei die einfachen Anlagen in ihrer Funktionsweise weitgehend den Fettabscheidern gleichen. Das heißt: Die Leichtflüssigkeiten sammeln sich im Abscheiderbecken allein aufgrund des Prinzips der Schwerkraft an der Oberfläche und können dort abgesaugt werden.

Allerdings ist die Trennung von Öl beziehungsweise Benzin (das ja auch aus Erdöl besteht) nicht immer einfach. Mitunter ist das Öl in so kleinen Tropfen im Wasser verteilt, dass es allein durch das Prinzip der Schwerkraft nicht abzuscheiden ist. Das ist etwa der Fall, wenn das Wasser-Ölgemisch zuvor mit Energie versetzt wurde, wie es bei Dampfstrahl- oder Hochdruckreinigern auf Waschplätzen der Fall ist. Eine effektive Vorreinigung von solchem Abwasser ist nur mit leistungsfähigeren Abscheidern möglich.

Das sind insbesondere die so genannten Koaleszenzabscheider. Auch bei diesen Anlagen sinken schwere Schmutzstoffe in den Schlammfang, und relativ große Öltropfen sammeln sich an der Wasseroberfläche. In Koaleszenzabscheidern befindet sich aber ein zusätzliches, zylinderförmiges Filtersieb, das an seinem unteren Ende an den Ablauf zum Kanal angeschlossen ist (siehe Grafik). Mit anderen Worten: Das Wasser, das in die Kanalisation gelangt, muss zuvor durch diesen feinporigen Filter.

Das Prinzip der Koaleszenz

Prinzip eines Koaleszenzabscheider

Koaleszenzabscheider verfügen über ein zusätzliches zylinderförmiges Filtersieb, das an den Ablauf zur Kanalisation angeschlossen ist. Grafik: Mall

Der Filtereinsatz besteht aus Materialien, die wasserabweisend sind, zugleich aber Öle sehr stark anziehen. Das sind zum Beispiel Kunststoffe wie Teflon, PU, PP und PE. Aufgrund dieser Anziehung lagern sich die kleinsten Öltröpfchen aus dem Abwasser an dem Filtereinsatz ab. Und wenn dies geschieht, kommt das so genannte Prinzip der Koaleszenz zum Tragen: Viele kleinen Ölpartikel fließen zusammen und vereinen sich zu größeren Tropfen. Ab einer bestimmten Größe lösen sich die Tropfen vom Filtermaterial und steigen innerhalb des Abwassers im Abscheider nach oben. Dorthin also, wo man das Öl von Anfang an haben wollte: an der Oberfläche des Wassers – bereit zum Abschöpfen. Der Grund dafür: Die Tropfen sind infolge der Koaleszenz irgendwann so groß, dass sie den nötigen Auftrieb erzeugen, um nach oben zu steigen. Zugleich sind sie natürlich nach wie vor leichter als Wasser, denn andernfalls würden sie ja zu Boden sinken, anstatt aufzusteigen.

Wirbelabscheider

Abschließend wollen wir an dieser Stelle noch ganz kurz auf eine neuere Anlagenvariante eingehen: die so genannten Wirbelabscheider. Bei diesen wird das Abwasser durch eine Spirale in den Abscheider geleitet. Dabei werden größere Schmutzstoffe aufgrund der Fliehkräfte nach Außen gedrückt und so vom Öl getrennt. Anschließend sinken sie zu Boden. Die Öltropfen werden dagegen zur Spiralmitte hin gedrückt und sammeln sich an der dortigen ölanziehenden Materialoberfläche, die hier als Koaleszenzfläche dient.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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