RM Rudolf Müller
Granitstein

Hart wie Granit: Das helle, mittel- bis grobkörnige Tiefengestein ist aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit der Naturstein-Klassiker im GaLaBau. Foto: Eduard Fuchshuber / pixelio.de

GaLabau und Tiefbau
04. Juni 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Natursteine: Ideale Baustoffe für den Garten

Gärten sind keine Natur, sondern von Menschen gemacht. Deshalb gibt es neben Erde und Pflanzen meist auch gepflasterte Wege und Terrassen. Schließlich möchte sich der Mensch in seiner kleinen Wohlfühloase bequem bewegen können. Aber auch wenn ein Garten nicht Natur pur ist, so wünschen sich doch viele Besitzer, dass er möglichst natürlich aussieht. Was liegt da näher als zum Pflastern Natursteine zu verwenden, die unsere Erde vor Milliarden von Jahren ganz ohne unser Zutun von selbst hervorgebracht hat?

Natursteine sind zwar ein Geschenk der Natur, aber deshalb keineswegs günstig. Im Gegenteil: In der Regel sind sie deutlich teurer als künstliche Steine wie zum Beispiel Betonsteinpflaster. Der Grund dafür ist, dass der Abbau in Steinbrüchen und die Weiterverarbeitung zu Pflastermaterialien extrem aufwändig sind. Hinzu kommt, dass manche Natursteinsorten an vielen Orten der Welt zu finden sind, während andere ziemlich selten sind. Das Preisspektrum ist daher groß: Während Granit-Pflaster meist weniger als 50 Euro pro Quadratmeter kostet, muss man für die gleiche Menge Marmor oft weit über 100 Euro auf den Tisch legen.

Dem hohen Preis entspricht durchaus auch ein hoher Nutzen. Viele Natursteine sind nicht nur langlebig, sondern im Prinzip unverwüstlich. Ihre Anhänger behaupten zudem, dass sie mit zunehmendem Alter immer schöner würden. Wer dem nicht zustimmt, muss immerhin zugeben, dass man Natursteinpflaster durch Abschleifen jederzeit wieder optisch auffrischen kann. Man kann nicht mal sagen, dass es dann wieder wie neu aussieht, denn das trifft nicht den Kern. Betonsteinpflaster wird neu produziert und altert im Laufe der Jahre, wodurch es nicht gerade schöner wird. Beim Naturstein ist es anders: Das Material ist schon „steinalt“, wenn es erstmals gepflastert wird – und gerade das finden wir schön.

Tiefengesteine (Plutonite)

Es gibt tausende Natursteinarten, und selbst wenn wir uns an dieser Stelle auf diejenigen Sorten konzentrieren würden, die im Außenbereich einsetzbar sind, könnten wir sie nicht alle vorstellen. Eine grobe Unterscheidung ist aber immerhin möglich, denn ausgehend von ihrer erdgeschichtlichen Entstehungsweise lassen sich alle Natursteine einer der folgenden vier Gesteinsgruppen zuordnen: Sie sind entweder Tiefengesteine (Plutonite), Ergussgesteine (Vulkanite), Ablagerungsgesteine (Sedimentgesteine) oder Umwandlungsgesteine (Metamorphite).

Die Plutonite sind vor Milliarden von Jahren etwa 5 bis 30 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche entstanden. Dies geschah durch ein allmähliches Abkühlen von Magma, also der bis zu 1250 °C heißen Gesteinsschmelze, die sich in der Erdkruste befindet. Durch das sehr langsame Erstarren der ursprünglich glühendflüssigen Materie entstanden feste Gesteine aus voll auskristallisierten Mineralen, bei denen die einzelnen Kristalle meist mit bloßem Auge zu erkennen sind. Im Laufe der Zeit sind solche Tiefengesteine durch Bewegungen innerhalb der Erdkruste und durch Verwitterung von darüber liegenden Gesteinsschichten allmählich an die Erdoberfläche gelangt.

Das am häufigsten vorkommende Plutonit ist Granit. Dieses relativ helle, mittel- bis grobkörnige Gestein ist als Pflasterstein im Straßen- und GaLaBau sehr beliebt. Granit besteht hauptsächlich aus den Mineralen Quarz, Feldspat sowie Glimmer und ist – wie die Redensart „auf Granit beißen“ andeutet – meist extrem hart. Qualitativ hochwertige Granitsorten sind säureunempfindlich, hitze-, kratz- und wetterfest, zugleich aber gut schleif- und polierbar. Wobei die genannten Eigenschaften nicht immer zutreffen müssen, denn es gibt auch vergleichsweise „weichen“ Granit. Entscheidend ist letztlich die jeweilige Mineralien-Zusammensetzung der Steine. Allgemein lässt sich sagen: Je höher der Quarzanteil, umso härter der Granit, und je höher der Anteil an Feldspat, umso leichter verwittert das Gestein.

Ergussgesteine (Vulkanite)

Basaltgestein

Basalt ist ein so genanntes Ergussgestein, dass bei der Aufschmelzung des Erdmantels durch Magma entstanden ist. Foto: Cigdem Büyüktokatli / pixelio.de

Ein extrem häufig vorkommender Naturstein ist auch Basalt. Fast alle Ozeanböden bestehen aus dem dunkelgrauen bis schwarzen Gestein. Daneben gibt es auch viele Festlandvorkommen, in Deutschland zum Beispiel der Vogelsberg in Hessen, der als größtes zusammenhängendes Basaltmassiv in Mitteleuropa gilt.

Ähnlich wie Granit ist auch Basalt sehr druckfest, widerstandsfähig und wetterbeständig. Er ist zudem ebenfalls durch das Erkalten von Magma entstanden. Anders als bei den Tiefengesteinen verlief dieser Prozess aber relativ schnell. Basalt ist nämlich ein so genanntes Ergussgestein (Vulkanit), das überall dort entstanden ist, wo flüssige Gesteinsschmelze den Erdmantel aufgeschmolzen hat, an die Oberfläche gelangt und dort rasch abgekühlt ist. Auf diese Weise sind eher feinkörnige Gesteine entstanden, deren einzelne Kristalle meist nicht mit bloßem Auge zu erkennen sind.

Basalt besteht hauptsächlich aus Eisen- und Magnesium-Silikaten mit Olivin und Pyroxen sowie calciumreichem Feldspat. Es findet breite Anwendung im Straßen- und GaLaBau, wird aber zum Beispiel auch zur Herstellung von Steinwolle verwendet.

Ablagerungsgesteine (Sedimentgesteine)

Sandgestein

Sandstein ist ein Sedimentgestein aus gebundenen Sandkörnchen. Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de

Anders als Plutonite und Vulkanite entstehen Ablagerungsgesteine nicht aus Magma, sondern als Folge der Zersetzung bereits vorhandener Gesteine und lebender Organismen. Nicht nur alle Lebewesen, sondern auch alle Steine – könnte man sagen – zerfallen halt irgendwann wieder zu Staub. Übrig bleiben mineralische und organische Kleinstbestandteile, die zeitweise im Wasser oder in der Luft herumschweben mögen, sich aber irgendwann an Land oder am Meeresboden als Sedimente ablagern. Mithilfe natürlicher Bindemittel und unter dem Druck weiterer Sedimentschichten verdichten sich diese Stoffe im Laufe der Zeit wieder zu festen Gesteinsformationen: den Sedimentgesteinen.

Das im Baubereich bekannteste Sedimentgestein ist der Sandstein. Er wurde früher oft für Prachtbauten wie Schlösser, Kirchen oder Rathäuser verwendet. Der Berliner Reichstag und der Kölner Dom sind zum Beispiel aus Sandstein gebaut. Aber auch Pflastersteine bestehen auch heute noch oft aus diesem Material.

Sandstein ist ein sehr reines Sedimentgestein, das größtenteils aus Quarzsandkörnern besteht, die wiederum durch Verwitterung älterer Gesteine entstanden sind. Es enthält also nicht, wie beispielsweise Kalkstein, in größerem Umfang Sedimente, die aus Bestandteilen von Lebewesen abgelagert wurden. Das Material ist eigentlich von weiß-grauer Farbe, kann aber durch andere Minerale auch andersfarbige Töne annehmen.

Verglichen mit Granit oder Basalt sind Sandsteine relativ weiche Gesteine. Das natürliche Spektrum reicht – je nach Art des Bindemittels – von sehr festen Sandsteinen („quarzitisch gebunden“) über relativ harte aber säureanfällige Steine („karbonatisch gebunden“) bis hin zu tonigen Sandsteinen. Letztere haben eine so geringe Festigkeit, dass sie für den Außenbereich nicht geeignet sind.

Umwandlungsgesteine (Metamorphite)

Marmorsteinbruch in Südtirol

Marmorabbau in einem Südtiroler Steinbruch: Das Umwandlungsgestein gilt als besonders edler, aber empfindlicher Naturstein, der daher eher selten in Außenbereichen zum Einsatz kommt. Foto: PCI

Der Mensch lässt sich gerne von Schönheit blenden, dafür ist Marmor ein gutes Beispiel. Er gilt als edelster aller Natursteine, als Inbegriff des luxuriösen Bauens. Dabei ist das Material relativ weich, anfällig für Abrieb, säureempfindlich und nicht frostsicher. Als Bodenbelag erscheint Marmor damit eigentlich eher ungeeignet – sieht aber einfach gut aus!

Für den Gartenbereich kommt Marmor kaum zum Einsatz. Wir erwähnen ihn an dieser Stelle hauptsächlich, weil er der bekannteste Vertreter der vierten großen Natursteingruppe ist: den Umwandlungsgesteinen (Metamorphiten). Diese sind aus bereits existierenden Gesteinen entstanden, die durch Bewegungen der Erdkrustenplatten tief in das Erdinnere gerutscht sind und dort infolge von Hitze und Druck ihre chemische Zusammensetzung verändert haben. So ist unser edler Marmor nichts anderes als schnöder Kalkstein, der zunächst tief gefallen ist, um dann eine erstaunliche Metamorphose zu erleben!

Chemisch betrachtet bestehen sowohl Kalkstein als auch Marmor vor allem aus Calciumcarbonat. Der Unterschied ist nur, dass sich bei der Umwandlung zum Marmor deutlich größere Kristallstrukturen entwickelt haben, die wir mit bloßem Auge erkennen können. Und während uns die matte Oberfläche des Kalksteins in der Regel kalt lässt, beginnen unsere Augen zu funkeln, wenn wir das glitzernde „weiße Gold“ Marmor erblicken.


Mehr Infos zum Thema Garten- und Landschaftsbau finden Sie in der Übersicht.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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