RM Rudolf Müller
Mit Keilzinkenverbindungen lässt sich beliebig langes Konstruktionsvollholz herstellen. Foto: Überwachungsgemeinschaft KVH e.V.

Mit Keilzinkenverbindungen lässt sich beliebig langes Konstruktionsvollholz herstellen. Foto: Überwachungsgemeinschaft KVH e.V.

Grundstoffe des Bauens
11. März 2014 | Artikel teilen Artikel teilen

Konstruktionsvollholz und Brettsperrholz

Bauholz, das tragende Funktionen im Gebäude übernimmt, wird traditionell insbesondere im Bereich des Dachstuhls sowie für Stützen und Träger in der Fachwerk- und Holzrahmenbauweise verwendet. Zwei Beispiele dafür sind Konstruktionsvollholz (KVH) und Brettsperrholz.

Die älteste Form von Bauholz für tragende Zwecke ist einfach ein entasteter und entrindeter Baumstamm. In früheren Zeiten kam er regelmäßig, heute dagegen nur noch gelegentlich als runder Stützpfeiler oder auch als Wandmaterial für Holz-Blockhäuser zum Einsatz. Während solche Rundhölzer ein weitgehend unbearbeitetes Naturmaterial verkörpern, steht das so genannte Schnittholz schon auf einer höheren Stufe der Weiterverarbeitung. In Sägewerken entstehen zum Beispiel Balken, Bretter, Bohlen, Kanthölzer oder Latten, die alle eines gemeinsam haben: Sie werden in einem Stück aus einem Baum parallel zur Stammachse herausgeschnitten.

Diese „in Form gebrachten“ Vollhölzer sind meist relativ scharfkantig und haben raue Oberflächen, da sie ungehobelt verkauft werden. Ein Schnittholz-Balken darf zudem nicht einfach so als tragendes Element in einem Bauwerk eingesetzt werden. Zunächst muss er getrocknet werden, bis die Holzfeuchte maximal 20% beträgt. Anschließend ist außerdem zu prüfen, ob der Balken die Kriterien zur Tragfähigkeit erfüllt, die in der DIN 4074 festgelegt sind.

Konstruktionsvollholz

Als Konstruktionsvollholz (KVH) bezeichnet man veredeltes Bauschnittholz, das höhere Anforderungen erfüllt als in der DIN 4074 vorgeschrieben. Es handelt sich um eine geschützte Produktbezeichnung mit definierten Qualitätskriterien, die 1995 erstmals in einer Vereinbarung zwischen dem Bund Deutscher Zimmermeister und der Überwachungsgemeinschaft Konstruktionsvollholz festgelegt und seither fortgeschrieben wurden. KVH besteht aus Nadelvollholz-Kanthölzern bester Qualität – meist aus Fichtenholz – und wird unter anderem nach Kriterien der Festigkeit und der Optik ausgesucht. Es ist zudem bereits in Trockenkammern technisch getrocknet sowie exakt auf Maß geschnitten. Zudem wird eine gehobelte Variante „für den sichtbaren Bereich“ angeboten. Angesichts dieser festgelegten Eigenschaften ist KVH geeignet für tragende Aufgaben im Holzhausbau.

Und noch etwas unterscheidet KVH von einfachem Bauschnittholz: Es ist in beliebigen Längen lieferbar. Längere Holzstränge entstehen, indem man mehrere Kanthölzer mithilfe von Keilzinken verbindet und zusätzlich verklebt. Wie so eine Keilzinkenverbindung aussieht, ist kompliziert zu beschreiben. Schaut euch einfach das Bild unten an – dann wird es sofort klar!

Brettsperrholz

Kreuzweise verleimtes Brettsperrholz

Mit kreuzweise verleimtem Brettsperrholz werden komplette Gebäudewände in massiver Bauweise hergestellt. Foto: proHolz

In den letzten Jahrzehnten erobern neue Holzelemente zunehmend den Neubausektor. Die Rede ist vom so genannten Brettsperrholz. Dabei handelt es sich um großvolumige, Massivholzscheiben, die aus drei bis sieben miteinander verleimten Holzschichten bestehen. Es handelt sich um scheibenförmige Elemente, bei denen die einzelnen Brettlagen über Kreuz miteinander verklebt sind. Die Holzfasern verlaufen also nicht in dieselbe Richtung, sondern im rechten Winkel zueinander. Das sieht man, wenn man ein Brettsperrholzelement im Querschnitt betrachtet. Auf eine Lage, bei der man die Jahresringe des Holzes sieht, folgt stets eine Lage, die den Baumstamm im Längsschnitt zeigt – unter Umständen auch mit Verästelungen.

Brettsperrholz-Elemente sind oft sehr groß. Es kommen beispielsweise 3m x 12m große Scheiben zum Einsatz, aus denen komplette Gebäudewände errichtet werden. Haupteinsatzgebiete sind der Fertighausbau und immer häufiger auch neue Etagen auf Bestandsgebäuden, die vor allem in dichten Stadtgebieten durch Aufstockung entstehen. Auch als großformatige Dach- und Deckenelemente werden die XXL-Holzscheiben oft verwendet. Handelsüblich sind Platten mit einer Gesamtstärke bis zu 34 cm, wobei die Wandelemente bei Dicken ab 12 cm meist als Hohlraumkonstruktion ausgeführt werden. Der Schichtenaufbau der Elemente verringert das Quellen und Schwinden des Materials. Durch die kreuzweise Verleimung tritt dieser Effekt sogar noch verstärkt auf.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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