RM Rudolf Müller
Gemahlene Lehmerde in der Produktion

Gemahlene Lehmerde in der Produktion des Herstellers Claytec.

 
Grundstoffe des Bauens
13. Januar 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Erklärt: Woraus sind Lehmböden zusammengesetzt?

Schon seit Urzeiten nutzt der Mensch die natürliche Bodenart Lehm als Baustoff. Das Spektrum reicht von traditionellen Lehmbausteinen über monolithische Wände aus Stampflehm bis hin zu modernen Putzen, Farben und Plattenwerkstoffen auf Lehmbasis. Bei vielen dieser Produkte dient der Lehm als Bindemittel, der pflanzliche Zusatzstoffe wie zum Beispiel Stroh zusammenhält. Doch was genau versteht man eigentlich unter Lehm und was unterscheidet Lehmboden von Tonerde?

Wie im Fachwissenbeitrag über Ton bereits erwähnt, kommt Tonerde in der Natur selten in reiner Form vor. In der Regel sind noch weitere Elemente in das Material eingelagert (meist Metalle), die dem Boden unter anderem seine charakteristische Farbe verleihen. So sorgt etwa Eisenoxid für die typisch rot-braune Farbe vieler Tone. Solche Einlagerungen sind aber nicht die einzige Form von „Verunreinigungen“, die man bei natürlicher Tonerde vorfindet. Noch viel häufiger haben sich die Tonminerale mit anderen Bodenarten vermischt – zum Beispiel mit Sand. Durch solche Vermischungen ist auch das entstanden, was wir als Lehm bezeichnen.

Sand – Ton – Schluff

Sand ist wie Ton eine Bodenart, die ursprünglich durch die Verwitterung von größeren Gesteinformationen entstanden ist. Während Sand allerdings aus relativ großen Quarzkörnern besteht (0,063 mm bis 2 mm), sind die Tonminerale deutlich kleiner (Korngröße: kleiner als 0,002 mm). Sie sind das Produkt der Zersetzung feldspatreicher Gesteine. Feldspat ist ein relativ zersetzungsanfälliger Bestandteil vieler Steinsorten. Vielerorts wurde er in Millionen von Jahren durch Naturprozesse so stark zermahlen, dass am Ende nur noch eine sehr feine Körnung übrig blieb, die man weder mit bloßem Auge sehen noch mit dem Tastsinn fühlen kann. Das sind die bereits genannten Tonminerale.

Aufgrund seiner Feinkörnigkeit ist Ton ein bindiger Boden – seine Bestandteile „kleben“ also relativ fest aneinander. Er ist daher auch deutlich wasserundurchlässiger als Sand und speichert viel mehr Feuchtigkeit. Sand dagegen kennen wir als unverfestigte Bodenart. Wer hat nicht schon mal am Strand seine einzelnen Körner durch die Hand rieseln lassen? Doch es gibt noch eine andere Bodenart, die an dieser Stelle von Bedeutung ist: so genannter Schluff. Der besteht aus Mineralien mit Korngrößen zwischen 0,002 mm und 0,063 mm. Er liegt damit also genau zwischen Sand und Ton. Mit seiner typischen Korngröße gehört Schluff noch zu den unverfestigten, nicht bindigen Bodenmaterialien.

Um es noch einmal zu betonen: Der Begriff Schluff bezieht sich auf die Korngröße des Materials. Er ist keine Bezeichnung für ein bestimmtes Gesteinsmineral. Oder anders ausgedrückt: Ein Schluffboden kann aus unterschiedlichsten Mineralien bestehen, die sich aber durch eine Korngröße zwischen 0,002 mm und 0,063 mm auszeichnen.

Was ist Lehm?

Verarbeitung von Lehmputz

Verarbeitung von modernem Lehmputz. Foto: Claytec

Und was hat das alles mit unserem Thema Lehm zu tun? Ganz einfach: Lehmboden ist ein natürliches Gemisch von Sand, Schluff und Ton, wobei die drei Zutaten etwa in gleichen Anteilen vorkommen. Die Tonminerale dienen in dieser Mischung als Bindemittel, sie sorgen also dafür, dass aus Sand und Schluff ein Boden entsteht, der deutlich bindiger und weniger wasserundurchlässig als Sand ist. Zugleich ist Lehm aber nicht so bindig, verformbar und wasserundurchlässig wie Tonerde. Wie gesagt: Für das Ausmaß der Bindigkeit ist letztlich die Korngröße entscheidend. Je mehr winzige Tonminerale die Erde enthält, umso bindiger ist sie.

So weit die Theorie. In der Praxis ist es allerdings gar nicht immer so einfach, Sand-, Lehm- und Tonböden voneinander zu unterscheiden. Die Grenzen sind oft fließend. So gibt es in der Natur zwar mehr oder weniger reine Sandböden, aber eben auch solche mit Tonmineral-Anteilen von bis zu 20 %. Man spricht dann von lehmigen Sanden. Umgekehrt gibt es auch sandige Lehme, bei denen der Tonanteil nur etwa 20 bis 30% ausmacht, während der Rest des Bodens eben aus Sand und Schluff besteht. Schwere Lehme wiederum haben einen Anteil an Tonmineralien von etwa 40 bis 50%. Bei einem Anteil von über 50% spricht man dann von einem Tonboden.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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