RM Rudolf Müller
Splitt und Schotter

Splitt und Schotter (unten als Tragschichten für Pflastersteine. Foto: Jasto Baustoffwerke

 
Grundstoffe des Bauens

Schüttgüter – Eine Frage der Korngröße

Lose Gesteinskörnungen werden im Bauwesen vielfältig verwendet. Sie dienen beispielsweise als Zuschlagsstoffe für Beton und Mörtel oder kommen als Tragschichten im Straßen- und Wegebau zum Einsatz. Was für den Laien einfach nur „Steine“ sind, verkauft der Baustoffhandel säuberlich nach Korngrößen getrennt als unterschiedliche mineralische Schüttgüter. Neben Sand werden auch Kies, Splitt, Schotter und Schroppen angeboten. Das klingt im ersten Moment verwirrend. Unser Fachwissenbeitrag bringt Ordnung in das Dickicht der Bezeichnungen für Gesteinskörnungen.

Grundsätzlich unterscheidet man natürliche und künstliche Gesteinskörnungen. Erstere werden direkt der Natur entnommen. Die Steine liegen dort entweder schon in passender Größe vor, zum Beispiel als kleine Kieskörner in einem Flussbett, oder es handelt sich um größere Gesteinsbrocken, die man noch maschinell zerkleinern muss. Unterschieden werden ferner Rundsteine und Bruchsteine. Bei den einen hat meist der dauerhafte Kontakt mit fließendem Wasser zu einer Abrundung ihrer Oberfläche geführt. Bruchsteinen ist dagegen nicht so eine natürliche Bearbeitung widerfahren. Sie weisen daher eher scharfkantige Geometrien auf. In dieser Form wurden sie einst durch Verwitterungsprozesse aus größeren Gesteinsformationen heraus gebrochen.

Natürliche und künstliche Körnungen

Zu den Bruchsteinen gehören auch diejenigen Gesteinskörnungen, die der Mensch nicht „fix und fertig“ in der Natur vorfindet, sondern selbst in Steinbrüchen gewinnt. Sie werden durch Sprengungen oder mit Spaltwerkzeugen von massiven Felsvorkommen abgetrennt. Es handelt sich also gewissermaßen um künstlich hergestelltes Schüttgut. Das Material selbst aber entstammt der Natur und wird in seiner ursprünglichen Zusammensetzung nicht verändert.

Von künstlichen Gesteinskörnungen im eigentlichen Sinne spricht man daher nur, wenn der Mensch nicht nur die Korngröße, sondern auch das ursprüngliche Material selbst verändert. Beispiele dafür sind etwa Blähton und Perlite: Bei diesen Schüttgütern wird das Naturgestein durch Erhitzung stark aufgebläht, sodass porenreiche, sehr leichte Gesteinskügelchen entstehen.

Steine sind in der Regel aus mehreren Mineralen aufgebaut. Die meisten Gesteine der Erdkruste sind Silikatgesteine und bestehen größtenteils aus den Mineralen Feldspat und Quarz. Besonders häufig vorkommende Beispiele dafür sind Granit, Basalt und Sandstein. Bei den oben genannten Begriffen Sand, Kies, Splitt, Schotter oder Schroppen handelt es sich dagegen nicht um Gesteinsarten. Stattdessen stehen diese Bezeichnungen für die Korngröße von Gesteinen. Granit kann also sowohl als Sand, Kies, Splitt, Schotter oder Schroppen vorkommen – ja nachdem, wie groß die einzelnen Steinkörner sind.

Sand – Kies – Splitt

Sand und Kies

Sand und Kies. Fotos: Jens Goetzke (l., twinlili (r. / beide: www.pixelio.de

Ein Schüttgut – egal aus welchem Gestein – wird als Sand bezeichnet, wenn die Korngröße einen Durchmesser von weniger als 2 mm aufweist. Je nach Beschaffenheit der einzelnen Sandkörner unterscheidet man noch Rundsand (mit abgerundeten Körnern) und Bruchsand. Übrigens geht es auch noch kleiner: Schüttgüter aus Steinen mit einem Durchmesser unter 0,063 mm nennt man Gesteinsmehl.

Kies und Splitt wiederum sind beides Gemenge von Steinen mit 2 bis 63 mm Größe. Der Unterschied bezieht sich wieder auf die Geometrie der einzelnen Körner. Kies besteht aus Rundsteinen („Kieselsteine“), Splitt dagegen aus scharfkantigen Bruchsteinen.

Schotter und Schroppen

Von Schotter spricht man, wenn das Schüttgut aus Rund- oder Bruchsteinen mit einer Korngröße zwischen 32 und 63 mm besteht. Sämtliche Gesteingemenge mit noch größeren Körnern werden schließlich als Schroppen bezeichnet. Wobei der Ausdruck Gesteinskörnung in diesem Zusammenhang schon etwas irreführend ist. Schroppen sind bereits in ihrer kleinsten Variante relativ große Steine – der Begriff umfasst aber auch größere Felsblöcke.

Übrigens: Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass sich unter den verschiedenen Bezeichnungen für die Korngrößen gleich zwei befinden, die man umgangssprachlich auch als Synonym für Geld benutzt: Kies und Schotter. Beim Kies wurde offensichtlich einfach das jiddische Wort für Geldbeutel („kis“) eingedeutscht. Beim Ausdruck Schotter lässt sich nicht so einfach herleiten, warum man den Begriff auch für Geld verwendet. Schotter besteht aus vielen kleinen Steinen. Vermutlich wurde das Wort deshalb schon immer gerne als Metapher für größere Mengen an (Münz-)Geld verwendet.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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