RM Rudolf Müller
FSC-Siegel

Insbesondere Umwelt- und Sozialverbände werben für das FSC-Siegel. Fotos: FSC

Grundstoffe des Bauens
25. März 2014 | Artikel teilen Artikel teilen

Umweltbewusstsein: Waldzertifikate für Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft

Holz wird oft als nachhaltiger Baustoff gepriesen. Zum einen, weil es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt und zum anderen, weil die weltweiten Wälder riesige CO2-Speicher sind. Doch Produkte aus Holz sind genau genommen nur dann wirklich nachhaltig, wenn sie aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Wenn also sichergestellt ist, dass in den Wäldern kein Kahlschlag stattfindet und nicht mehr Bäume gefällt werden als auch wieder nachwachsen. Damit der Verbraucher Holz aus solchen Quellen erkennen kann, haben sich seit den 1990er-Jahren verschiedene Waldzertifikate und dazugehörige Produktsiegel etabliert.

Bei den Zertifikaten geht es um die Idee, Produkte des Waldes eindeutig als nachhaltig zu kennzeichnen. Dabei geht es nicht nur um eine umweltgerechte, sondern auch um eine sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Waldwirtschaft. Das sind die drei Dimensionen des Begriffs Nachhaltigkeit, wie sie 1992 bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro formuliert wurden.

Prinzip der Freiwilligkeit

Der Umweltgipfel in Rio war die Initialzündung für die Entwicklung der Waldzertifizierung, die anfangs vor allem von Umweltverbänden und anderen Nichtregierungsorganisationen vorangetrieben wurde. Heute gibt es weltweit eine große Anzahl an Zertifizierungsprogrammen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie auf dem Prinzip der Feiwilligkeit beruhen. Die Waldbesitzer dürfen also selbst entscheiden, ob sie ihre Forstwirtschaft zertifizieren lassen wollen. Eine Verpflichtung gibt es nicht. Wer sich allerdings für eine Zertifizierung entscheidet und damit seine Produkte am Markt mit einem Nachhaltigkeitssiegel auszeichnen darf, verpflichtet sich im Gegenzug, fortan die Standards des jeweiligen Zertifizierungsprogramms einzuhalten.

Wie so eine Waldzertifizierung funktioniert, wollen wir im Folgenden anhand der beiden weltweit am meisten verbreiteten Systeme – FSC und PEFC – erläutern. Bei beiden Marktführern können sich übrigens nicht nur Forstbetriebe, sondern auch holzverarbeitende Unternehmen zertifizieren lassen, ebenso wie Firmen, die mit Holzprodukten Handel betreiben. Sie signalisieren damit den Abnehmern ihrer Ware – seien es Weiterverarbeiter, Händler oder Endverbraucher –, dass die Produktbestandteile nachweislich aus zertifizierten Wäldern stammen.

Zertifizierung nach FSC

Der FSC wurde 1993 – ein Jahr nach Rio – gegründet und hat das erste weltweit einsetzbare Zertifizierungssystem für eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Waldwirtschaft entwickelt. Die Abkürzung steht für “Forest Stewardship Council“, was man mit “Wald-Verwaltungsrat“ übersetzen kann. Bei der Nicht-Regierungsorganisation arbeiten zwar auch Unternehmen aus der Forst- und Holzwirtschaft mit, aber es überwiegt der Einfluss von Umweltorganisationen sowie von Gewerkschaften und Interessensvertretern indigener Völker, für die der Wald Lebensraum ist.

Der FSC ist international in einem Drei-Kammer-System organisiert. In jeweils einer Kammer sitzen Vertreter aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Soziales. Beschlüsse setzen ein hohes Maß an Einigung voraus, denn jede Kammer hat ein Vetorecht. Auf diese Weise demokratisch beschlossen wurden die zehn Prinzipien und 56 Kriterien des FSC für eine gute Forstwirtschaft (siehe www.fsc-deutschland.de/prinzipien). Dabei handelt es sich um allgemeine Standards, die nach Auffassung des FSC überall auf der Welt für eine nachhaltige Forstwirtschaft beachtet werden müssen.

Daneben ist der FSC auch national organisiert. Wie es auf der Website der Organisation heißt, besteht die Mitgliedschaft aus Vertretern von Umweltverbänden, des Holzhandels und der Forstwirtschaft, aus sozialen Nicht-Regierungsorganisationen, Organisationen indigener Völker und Waldzertifizierungs-Organisationen sowie Gruppen kommunaler Forstwirtschaft. Darüber hinaus zählen Einzelhändler, Hersteller und einzelne Waldbesitzer zu den Mitgliedern. Auch auf nationaler Ebene arbeiten die Mitglieder in drei Kammern. Gemeinsam beschließen diese die nationalen FSC-Standards, die einerseits die allgemeinen zehn Prinzipien und 56 Kriterien beinhalten müssen, andererseits aber auch spezifische ökologische, wirtschaftliche und soziale Gegebenheiten in den einzelnen Ländern berücksichtigen sollen.

Wesentlicher Gründungszweck des FSC war es, einen nachhaltigen Weg aufzuweisen, der es ermöglicht, die Entwaldung der weltweiten Tropenwälder zu stoppen, ohne dabei zugleich auf deren forstwirtschaftliche Nutzung verzichten zu müssen. Gleichwohl gibt es heute nicht nur in den Tropen FSC-zertifizierte Waldgebiete, sondern weltweit – auch in Deutschland.

Zertifizierung nach PEFC

PEFC

Rund zwei Drittel des deutschen Waldes sind heute PEFC-zertifiziert. Foto: PEFC Deutschland

Marktführer unter den Waldzertifikaten ist heute allerdings nicht der FSC, sondern die Organisation PEFC. Insbesondere in Deutschland spielt sie eine dominierende Rolle. Über 7,3 Millionen Hektar Waldfläche sind hierzulande derzeit PEFC-zertifiziert. Das sind rund zwei Drittel des deutschen Waldes. Weltweit sind es 245 Millionen Hektar. PEFC wurde 1998 als “Pan European Forest Certification“ gegründet. Wie der Name schon andeutet, handelte es sich zunächst um ein rein europäisches Zertifizierungssystem.

Seit 2005 ist PEFC weltweit ausgerichtet. Konsequenterweise musste man sich umbenennen. Die Abkürzung steht jetzt für “Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“. Also: Programm zur Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen. Nach Angaben der Organisation stammen Holz und Holzprodukte mit dem PEFC-Siegel nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft. In zertifizierten Wäldern ist eine naturnahe Waldbewirtschaftung durchzuführen. Dazu gehören beispielsweise eine natürliche Waldverjüngung, ein angemessener Totholzvorrat, eine möglichst große Mischung unterschiedlicher Baumarten, der Verzicht auf Kahlschläge und Pestizideinsatz sowie eine besondere Schonung des Bodens beim Einsatz von Maschinen. Der Wald muss ein sicherer Lebensraum für Tiere und Pflanzen bleiben, und auch die Rechte der Menschen, die vom Wald leben, müssen gesichert werden.

PEFC definiert also genauso wie FSC hohe Nachhaltigkeits-Standards für die Forstwirtschaft, wobei das FSC-Siegel als strenger gilt. Fakt ist, dass beim FSC der Einfluss der Umweltverbände größer ist, während PEFC stärker von den Waldbesitzerverbänden unterstützt wird. Aber auch beim PEFC entscheidet nicht nur die Wirtschaft. Soll zum Beispiel in Deutschland eine Waldfläche zertifiziert werden, so muss sich zunächst in Eigeninitiative eine regionale Arbeitsgruppe aus Vertretern aller am Wald interessierten Personen und Verbänden in der Region gründen. Die Arbeitsgruppe erstellt einen regionalen Waldbericht anhand einer Liste mit 31 von PEFC vorgegebenen Kriterien über die Waldbewirtschaftung und definiert Ziele für die nächsten fünf Jahre. Parallel dazu wird ein Verfahren entwickelt, das die Stabilität des zukünftigen PEFC-Systems in dieser Region sicherstellt und dazu auch festlegt, wie Verstöße zu ahnden sind. Nach der Fertigstellung des Waldberichts überprüft eine unabhängige Zertifizierungsstelle die Konformität dieses Systems mit den Anforderungen von PEFC und vergibt bei Übereinstimmung ein Zertifikat für die Region.

Tropenwaldvernichtung schreitet voran

Die Frage, ob nun eines der beiden großen Zertifizierungssysteme nachhaltiger ist als das andere, kann an dieser Stelle nicht entschieden werden. Klar ist eins: Jeder zertifizierte Wald – egal nach welchem System – ist besser als diejenigen Gebiete, für deren Bewirtschaftung überhaupt gar keine Nachhaltigkeitsregeln gelten.

Bei allen bisherigen Erfolgen der Waldzertifizierungssysteme muss leider auch festgehalten werden, dass der Raubbau am tropischen Regenwald bisher nicht gestoppt werden konnte. Selbst unter den weltweit 183 Millionen Hektar FSC-zertifizierter Waldflächen sind nur 13,5 Millionen Hektar Tropenwald. Und auch das Gewissen der Verbraucher haben die Zertifizierungsorganisationen – weltweit betrachtet – noch lange nicht erreicht. Bisher gibt es nur in Europa und Nordamerika nennenswerte Märkte für zertifiziertes Holz.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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