RM Rudolf Müller
Dielen aus Reishülsen

Kein Holz, aber auch kein WPC: Diese Dielen bestehen größtenteils aus Reishülsen. Foto: Resysta International GmbH

Grundstoffe des Bauens
23. Juli 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Verbundwerkstoffe: WPC und andere Holzersatzmaterialien für den Garten

Holz wird im Außenbereich besonders gerne für Terrassen, Zäune und Fassaden eingesetzt. Die Menschen lieben einfach die warme Optik und angenehme Haptik des Naturstoffs. Was sie weniger schätzen, ist die Anfälligkeit der Profile gegenüber Feuchtigkeit und Schädlingen. Immer mehr Anwender setzen deshalb nicht auf reine Holzprofile, sondern auf holzhaltige oder holzähnliche Verbundwerkstoffe.

Unter diesen Holzersatzmaterialien ist WPC heute zweifellos die bekannteste und am meisten verbreitete Variante. Die Abkürzung steht für Wood-Plastic-Composite, was meist mit Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff übersetzt wird. Die Erfolgsgeschichte von WPC begann in den 1990er-Jahren in den USA. Der US-amerikanische Hersteller Trex gilt bis heute als weltweit größter Hersteller von WPC-Profilen. Mittlerweile hat sich das Material aber auch in Europa durchgesetzt, vor allem für Terrassendielen und Gartenzäune. Bekannte deutsche Hersteller sind zum Beispiel Kosche, Natur-in-Form, Rehau und Werzalit.

Woraus besteht WPC?

Terrasse WPC

WPC ist deutlich feuchtigkeitsbeständiger als Holz. Foto: Werzalit

WPC wird als Verbundwerkstoff oder auch Kompositwerkstoff bezeichnet, weil es aus zwei Hauptmaterialien mit sehr unterschiedlichen Stoffeigenschaften zusammengesetzt wird: Holz und Kunststoff. Man mischt fein zerriebenes Holz (Holzmehl) mit Kunststoff sowie geringen Mengen weiterer Zusatzstoffe. Auf diese Weise erhält man eine zähflüssige Masse, die sich zu Produkten wie Terrassendielen, aber auch zu Gartenmöbeln formen lässt. Das Holzmehl erzeugt in diesem Verbund die angenehme Optik und Haptik des Naturstoffs, während der Kunststoff für die größere Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse verantwortlich ist.

Die genaue Zusammensetzung von WPC unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Die Natur-In-Form GmbH beispielsweise fertigt ihre Terrassendielen und Sichtschutzzäune aus etwa 70 Prozent Holzbestandteilen und 30 Prozent Kunststoff sowie Zusatzstoffen wie Farbgranulate und Haftvermittler. Bei manchen Produkten am Markt ist der Holzanteil noch höher, bei vielen aber auch deutlich geringer. WPC ist also nicht gleich WPC.

Holz-Kunststoffverhältnis

Im allgemeinen lässt sich sagen, dass der Werkstoff auf dem amerikanischen Markt überwiegend mit einem höheren Kunststoffanteil angeboten wird. Der Anteil an Kunststoffen wie Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) oder auch Polyvinylchlorid (PVC) beträgt dort oft bis zu 50%. In Deutschland und Europa verlangen die Kunden dagegen mehr nach Produkten mit höherem Holzanteil und vor allem stärkerer Holzoptik.

WPC-Profile werden in modernen Produktionsanlagen meist im so genannten Extrusionsverfahren hergestellt. Dabei wird das anfangs zähflüssige Materialgemisch durch eine speziell geformte Düse gepresst und erhärtet anschließend. Die Profile werden einerseits als Massivdielen, andererseits auch als Hohlprofile hergestellt.

Positive Eigenschaften

Je höher der Kunststoffanteil, umso widerstandsfähiger ist das Material gegenüber Witterungseinflüssen. Auf der anderen Seite hat eine Studie des Nova-Instituts aus dem Jahr 2006 gezeigt, dass WPC mit hohem Holzanteil eben nicht hundertprozentig witterungsresistent ist. Zwar sind die Produkte widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit und Schädlinge als reines Holz, es kann aber trotzdem noch zu Materialverformungen wie Quellen und Schwinden oder auch zu Pilzbefall kommen.

Nach der Erhärtung sieht WPC nicht nur ähnlich aus wie Holz, sondern lässt sich auch ähnlich verarbeiten. Anders als bei Echtholz gibt es zudem keine Splitter, Risse oder scharfe Kanten, an denen sich zum Beispiel Kinder verletzten könnten. Der Hersteller Natur-in-Form hat seine Terrassendielen sogar erfolgreich nach der DIN EN 71-3 prüfen lassen, die eigentlich Sicherheitsvorgaben für die Unbedenklichkeit von Kinderspielzeug beschreibt. Die Prüfung ergab, dass aus den WPC-Dielen keine bedenklichen Mengen an gesundheitsschädlichen Stoffen in den Magen von Kindern gelangen können, wenn diese an den Materialien lecken oder herumnagen.

Alternativen zu WPC

WPC als Gemisch aus Holz und Kunststoff hat sich in den letzten Jahren zum erfolgreichsten Holzersatzwerkstoff im Gartenbereich entwickelt. Es gibt mittlerweile aber auch viele andere witterungsresistente Verbundwerkstoffe, die in ihrer Optik an Holz erinnern, die aber häufig gar keine Holzbestandteile mehr beinhalten. Stattdessen kommen neben dem obligatorischen Kunststoffanteil einfach andere Pflanzenfasern zum Einsatz: zum Beispiel auf Basis von Bambus (Bamboo Plastic Composites = BPC), Jute, Flachs oder auch Kenaf.

Eine interessante Alternative ist auch der Werkstoff „Resysta“, den das Familienunternehmen Münchener Boulevard Möbel (MBM) vor etwa zehn Jahren zunächst für eine Gartenmöbelkollektion entwickelt hat. Resysta besteht zu etwa 60% aus Reishülsen – einem nachwachsenden Rohstoff, der als Abfallprodukt bei der Reisernte anfällt. Weitere Bestandteile sind Steinsalze (22%) und Mineralöl (18%). Anders als WPC enthält das Material also keinerlei Holz – es ähnelt diesem aber und fühlt sich auch ähnlich an. Es enthält zudem auch nicht die oben genannten typischen WPC-Kunststoffe, mit Mineralöl aber einen Ausgangsstoff für die Kunststoffherstellung.

Resysta ist ebenso wie WPC sehr witterungsbeständig und soll nach Herstellerangaben weder vergrauen noch reißen, splittern oder quellen. Kein Wunder also, dass es mittlerweile auch für Terrassendielen, Zäune und Fassaden-Systeme zum Einsatz kommt. MBM hat mittlerweile die Resysta International GmbH gegründet, die die Produkt-Rohmasse an ausgewählte Industriepartner vertreibt. Hersteller wie ter Hürne und Salamander stellen daraus ihre eigenen Profilkollektionen her.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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