RM Rudolf Müller
Haushaltstechnik und Konsumelektronik werden im Smart Home über das Internet gesteuert – zum Beispiel per PC oder Smartphone. Foto: Velux

Haushaltstechnik und Konsumelektronik werden im Smart Home über das Internet gesteuert – zum Beispiel per PC oder Smartphone. Foto: Velux

Haustechnik
25. August 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Marktanalyse: Zukunftsmarkt Smart Home

Das Smartphone haben die Deutschen in kürzester Zeit angenommen, beim „Smart Home“ sind sie noch etwas zögerlicher. Doch auch das Wohnen in intelligent vernetzten Gebäuden stößt hierzulande zunehmend auf Interesse – das ist zumindest die Prognose einer Marktanalyse der Hamburger Statista GmbH.

Die im April 2016 veröffentlichte Untersuchung „Smart Home: Nachfragestruktur und Umsatzpotenzial“ befasst sich mit der voraussichtlichen Marktentwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2018. Dabei standen komplexe Smart-Home-Anwendungen für private Wohnhäuser im Fokus, bei denen mehrere Gebäude- und Gerätefunktionen mithilfe einer zentralen Steuereinheit (Gateway) über das Internet bedient werden. Die Analyse von Statista beruht einerseits auf Marktbeobachtungen, Wettbewerbsanalysen und der Auswertung vorliegender statistischer Daten zur Haushaltsdemografie und andererseits auf einer eigenen, repräsentativen Konsumentenbefragung, bei der im März/April 2015 insgesamt 3.068 Personen befragt wurden.

Was ist ein Smart Home?

Der Begriff Smart Home steht für „intelligente“ Gebäude, in denen unterschiedlichste technische Komponenten über das Internet miteinander vernetzt und dadurch vom Benutzer fernsteuerbar und programmierbar sind – per stationärem PC oder auch mobil über Smartphone oder Tablet. Dabei kann es sich um Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung handeln (Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik, Beleuchtung), um bewegliche Bauelemente wie Türen und Fenster (inklusive Sonnenschutzvorrichtungen wie Jalousien und Rollläden), aber auch um Haushaltsgeräte (etwa Kühlschrank, Herd und Waschmaschine), Unterhaltungselektronik (Fernseher, Stereoanlage etc.) oder auch Geräte zur Erhöhung der Gebäudesicherheit wie Alarmanlagen und Überwachungskameras.

Die Technik von Smart Homes ist schon seit Längerem keine Science-Fiction mehr. Heutzutage ist die Automatisierung und digitale Vernetzung von so ziemlich allem möglich, was sich in Gebäuden unter Strom setzen lässt: von der Haushaltstechnik über die Konsumelektronik bis hin zu Türen, Toren und Fenstern. Fernsteuerbare Beleuchtungselemente, automatische Heizungs- und Lüftungsregulierungen und programmierbare Haushaltsgeräte sind vielerorts schon an der Tagesordnung.

Internet der Dinge

„Komplette“ Smart Homes, in denen wirklich die gesamte Technik digital vernetzt ist, sind aber bisher noch eher selten. Man braucht aber nicht allzu viel Phantasie, um sich auszumalen, dass sich das schon bald ändern wird. Nach einer Prognose des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) wird das Smart Home bei Neubauten bereits im Jahr 2025 Standard sein.

Smart Homes sind Teil des Megatrends hin zum so genannten Internet der Dinge. Während bisher vor allem Menschen über das Internet kommunizieren, werden künftig immer häufiger auch die Dinge unseres Alltag vernetzt sein und über das Web Informationen austauschen beziehungsweise Handlungsanweisungen erhalten. Das funktioniert, weil Mikroprozessoren mittlerweile nicht nur in Computern, sondern eben auch in Dingen wie Autos, intelligenten Kleidungsstücken oder eben Komponenten der Haustechnik eingebaut sind.

Sinn und Zweck dieser ganzen Vernetzung ist es letztlich, dass die Dinge für den Menschen bequemer, flexibler und effizienter bedienbar werden. Fernsteuerungen im Haushalt können etwa dazu beitragen, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität weiterhin in ihrer eigenen Wohnung leben können. Die Möglichkeit, über das Internet von jedem Ort aus kontrollieren zu können, ob Zuhause Fenster und Türen geschlossen sind, erhöht die Sicherheit und schafft die Möglichkeit zum Lüften in Abwesenheit. Wer vom Urlaubsort aus Beleuchtung und Rollladen seines Eigenheims bedienen kann, schreckt dadurch möglicherweise Einbrecher ab. Und wer auf eine effizient programmierte Heizungsregulierung setzt, kann dadurch nicht zuletzt auch Energiekosten sparen.

Zentrale Studienergebnisse

Im Fensterbereich ist die Fernsteuerung übers Internet schon lange gang und gäbe. Foto: Velux

Bei Fenstern wird die Fernsteuerung übers Internet schon seit Längerem angeboten. Foto: Velux

Auch die Marktanalyse „Smart Home: Nachfragstruktur und Umsatzpotenzial“ von Statista kommt zu dem Ergebnis, dass Smart Homes bisher noch kein Massenphänomen in Deutschland sind. Demnach nutzten 2015 nur rund 500.000 Haushalte irgendeine Art von Smart-Home-Applikation. Bis 2018 erwarten die Autoren der Studie aber immerhin 1,3 Mio. zusätzliche Smart-Home-Haushalte. Der Trend gehe außerdem eindeutig zu Anwendungen mit zentralen Steuereinheiten, bei denen mehrere Haushaltsfunktionen miteinander vernetzt sind. Separate „Insellösungen“ würden dagegen künftig immer seltener genutzt.

Die Konsumentenbefragung von Statista hat ergeben, dass sich 70 % der befragten Haushalte mit hohem Einkommen (monatlich über 5.000 Euro netto) für Smart Homes interessieren, dagegen aber nur 45 % der Geringverdiener (monatlich weniger als 2.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen). Diese prozentualen Angaben sind aber wenig aussagekräftig in Bezug auf das Umsatzpotenzial der einzelnen Einkommenssegmente. Schließlich gibt es nur vergleichsweise wenige Haushalte mit über 5.000 Euro Monatseinkommen. Tatsächlich kommt das Gros der Nutzer von Smart-Home-Applikationen derzeit aus dem mittleren Einkommenssegment (2.000 bis 5.000 Euro).

In den nächsten Jahren erwartet die Studie aber vor allem einen Zuwachs der Nutzer in Haushalten mit weniger als 2.000 Euro Einkommen. Bis 2018 sollen im unteren Einkommenssegment 786.900 Haushalte zusätzlich zu Smart Homes werden. 61 % aller Smart Homes wären dann dieser Einkommensgruppe zuzuordnen. Das Umsatzpotenzial dieser großen Gruppe an Nutzern schätzt Statista insgesamt aber gerade mal genauso hoch ein wie das Umsatzpotenzial der Haushalte mit über 5.000 Euro Einkommen, obwohl diese 2018 voraussichtlich nur 4 % der Nutzer ausmachen werden. Die vermögenden Haushalte verfügen eben über viel größere Wohnungen mit weitaus mehr und teurerer vernetzter Technik. Den weitaus größten Umsatzzuwachs erwartet Statista zwischen 2015 und 2018 aber bei den Haushalten im mittleren Einkommenssegment (über 1.472 Mio. Euro).

Einfluss des Alters

Die Marktanalyse zeigt zudem, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Alter der Befragten und dem Interesse an Smart Homes gibt. Je jünger, umso positiver ist die Einstellung zu diesem Thema. So finden durchschnittlich 75 % aller 16-29-Jährigen Smart Homes interessant, während dies nur 43 % der 50-69-Jährigen tun. Dieses Ergebnis ist vielleicht nicht überraschend. Es ist ja logisch, dass jüngere Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, sich weniger skeptisch verhalten, wenn es um das Internet der Dinge im eigenen Heim geht. Das Ergebnis ist aber insofern problematisch, weil viele Smart-Home-Anwendungen nicht zuletzt Erleichterungen für ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität bringen. Für die Industrie bleibt beim Thema Smart Homes also noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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