RM Rudolf Müller
Gabelstapler mit Ladung

Bekanntes Bild im Baustoff-Fachhandel: Gabelstapler. Foto: Linde Material Handling

Logistik
26. September 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Flurförderzeuge

Liefert ein Hersteller Baustoffe an einen Händler, geschieht dies meist mithilfe von Lastkraftwagen. Doch auch bei der Kommissionierung und Verladung der Frachten sowie bei der Entladung und Einlagerung am Standort des Empfängers muss die Ware immer wieder bewegt werden. Für diese innerbetrieblichen Transporte werden meist so genannte Flurförderzeuge eingesetzt. Jeder kennt den Gabelstapler, aber in der Praxis gibt es noch viel mehr solcher Transportmittel.

Die Welt der Flurförderzeuge ist ziemlich unübersichtlich. Allein unter den Gabelstaplern gibt es eine riesige Anzahl unterschiedlicher Fahrzeugtypen: vom klassischen Gegengewichtsstapler über Schubmast- und Hochregalstapler bis hin zu Seiten-, Vierwege-, Mehrwege- und Schmalgangstaplern. Hinzu kommen noch die unterschiedlichsten Typen von Hubwagen, spezielle Kommissionierstapler oder die so genannten Schlepper.

Bei aller Vielfalt haben aber sämtliche Flurförderzeuge eins gemeinsam: Es handelt sich um Transportmittel auf Rädern, mit denen man Güter über kurze – meist innerbetriebliche – Strecken fortbewegt: etwa vom Lkw ins Lager oder vom Hochregal auf die Laderampe. Doch das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Je nach Einsatzzweck bieten die Hersteller heute zahlreiche Spezial-Flurförderzeuge. Die folgende Übersicht ist daher auch nur der Versuch einer groben Kategorisierung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

 

Hubwagen

Elektro-Hubwagen

„Old School“-Klassiker in neuem Gewand: Hubwagen gibt es heutzutage auch mit elektrischem Fahr- und Hydraulikantrieb. Foto: Jungheinrich AG

Viele Flurförderzeuge sind mittlerweile richtige High-Tech-Maschinen, doch es gibt auch noch die ganz einfachen Vertreter: zum Beispiel den guten alten Hand-Hubwagen, der ganz altmodisch noch von der menschlichen Muskelkraft betrieben wird.Mit seinen beiden auf Rollen gelagerten Metallzinken ist er prädestiniert für den Transport von Paletten. Die Gabel wird unter die Palette geschoben, während der Griff zum Lenken und zum Bedienen der Hydraulikpumpe dient, mit der sich die Zinken samt Palette anheben lassen.

Hubwagen im Handbetrieb kommen natürlich nur zum Einsatz, wenn die Ware leicht genug ist, um per Muskelkraft geschoben oder gezogen zu werden. Allerdings gibt es mittlerweile auch elektrisch betriebene Hubwagen, die über eine automatische Fahr- und Hydraulikfunktion verfügen. Solche Modelle haben in der Regel eine Plattform, auf der der Bediener während der Fahrt steht. Alle Hubwagen – egal ob manuell oder elektrisch – sind im Vergleich zu Gabelstaplern leichter und wendiger. Sie werden daher oft für Aufgaben verwendet, für die ein Stapler zu groß oder zu schwer wäre. Dazu gehört beispielsweise das Bewegen von Paletten auf der Ladefläche eines Lkw.

 

Gabelstapler

Kommissioniersapler

Der Fahrerstand dieses Kommissionierstaplers lässt sich zusammen mit der Gabel anheben. Foto: Still

Der Gabelstapler ist heute so etwas wie der Inbegriff des Flurförderzeugs. Ein erstes Modell hat der Schraubenhersteller Eugene Clark bereits im Jahr 1917 entwickelt. Ebenso wie Hubwagen dienen Gabelstapler in erster Linie zum Transport von Paletten. Man könnte sie auch als motorisierte Hubwagen bezeichnen. Allerdings verfügen Stapler zusätzlich über einen Hubmast, der es ihnen ermöglicht, den Gabelträger relativ weit nach oben zu fahren. Dadurch ist das Fahrzeug in der Lage, Paletten direkt vom Lkw herunter zu befördern beziehungsweise diese in die Lagerregale einzustellen.

Die große Vielfalt an modernen Gabelstaplertypen wurde bereits oben angedeutet. Das gilt auch für den Fahrantrieb. Die meisten Gabelstapler werden heute elektrisch betrieben – in der Regel über eine Batterie, seltener über einen direkten Anschluss an das Stromnetz. Der starke Fokus auf die Elektromobilität erklärt sich dadurch, dass Gabelstapler oft in Hallen verwendet werden, wo Verbrennungsmotoren mit ihren Abgasen zu gefährlich wären. Elektrostapler sind zudem leiser.

Werden Flurförderzeuge nur im Freien verwendet, kommen auch Modelle mit Verbrennungsmotor zum Einsatz – am häufigsten der Dieselantrieb, weitaus seltener der Benzinantrieb. Zudem gibt es auch Stapler, die mit Erdgas betrieben werden. Diese dürfen sogar in Innenräumen verwendet werden. Allerdings ist diese Technik in Deutschland nach wie vor nicht sehr weit verbreitet, weil hierzulande die notwendige Infrastruktur (Erdgastankstellen) kaum ausgebaut ist.
In letzter Zeit bieten die Hersteller auch verstärkt Flurförderzeuge mit Hybridantrieb an, also mit verschiedenen Antriebsarten. Am häufigsten ist die Kombination aus dieselbetriebenem Verbrennungsmotor und Elektromotor. Manche Staplermodelle arbeiten mit Dieselmotoren, die während des Betriebs die Batterie für den Elektromotor aufladen. Beim so genannten dieselelektrischen Antrieb dagegen treibt der Dieselmotor einen Generator an, der wiederum die elektrische Energie für den Fahrmotor erzeugt.

Kommissionierstapler und Schlepper

Schlepper

Schlepper dienen zum Ziehen und Schieben anderer Fahrzeuge.
Foto: Jungheinrich AG

Wie ihr Name schon verrät, wurden Kommissionierstapler speziell für die Kommissionierung im Lager entwickelt. Da dort oft enge Regalgassen befahren werden müssen, haben diese Stapler in der Regel eine besonders kompakte Bauweise. Man unterscheidet Horizontal-Kommissionierer, bei denen sich die Gabel nur bis zu etwa 1 m Höhe anheben lässt, und Vertikal-Kommissionierer, die sich bis zu 5 m hochfahren lassen. Damit sind sie besonders geeignet für Hochregallager. Bei Kommissionierstaplern sitzt oder steht der Bediener auf einem Fahrerstand, der sich zusammen mit dem Lastteil anheben lässt.

Als Schlepper schließlich bezeichnet man in der Lagerlogistik kleine Zugmaschinen, die vor allem zum Transport von Waren dienen, die nicht auf Paletten verpackt sind. In der DIN ISO 5053 heißt es: „Schlepper sind Flurförderzeuge ohne Hubeinrichtung. Sie dienen zum Ziehen und Schieben anderer Fahrzeuge, vornehmlich von Anhängern.“ Dafür sind sie mit einer Anhängerkupplung ausgestattet. Schlepper kommen auch oft zum Einsatz, wenn Waren auf einem Betriebsgelände über längere Distanzen befördert werden sollen.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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