RM Rudolf Müller
Akustikdecke mit Lochplatten

Bei akustisch wirksamen Lochdecken wird ein Großteil des Schalls nicht reflektiert, sondern gelangt durch die Löcher in den Raum unter den Deckenplatten, wo er mithilfe von Dämmstoffauflagen absorbiert wird. Foto: Saint-Gobain Rigips

 
Trockenbau
27. August 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Akustikdecken: Verbesserung des Höreindrucks in Räumen

Eine Akustikdecke hat zur Aufgabe, die Ausbreitung von Schallwellen innerhalb von Räumen so zu beeinflussen, dass die Verständlichkeit von Sprache, Musik und sonstigen Hörereignissen verbessert wird. Kurz gesagt: Es geht um die Optimierung der Akustik. Zum Einsatz kommen dabei abgehängte Trockenbaudecken oder auch einzelne Deckensegel, die Schallwellen absorbieren und damit die Nachhallzeit im Raum senken

Abgehängte Unterdecken werden meist mit Metallprofilen realisiert, die mit Trockenbauplatten beplankt sind. In manchen Fällen wird die Metallunterkonstruktion direkt an der Bestandsdecke befestigt. Wenn die Decke aber auch dem Schallschutz dienen soll, kommen meist federnde Abhängungen zum Einsatz, um eine möglichst hohe Schallentkopplung zu erreichen. Bei Geschossdecken kann dadurch der Lärm deutlich verringert werden, der aus dem einen Raum in das nächst höhere Geschoss dringt – und umgekehrt. Solche Decken verbessern die Bauakustik, allerdings noch nicht unbedingt die Raumakustik. Dafür gibt es Akustikdecken.

Was sind Akustikdecken?

Diese Decken unterscheiden sich von normalen abgehängten Schallschutzdecken dadurch, dass sie aus speziellen Platten bestehen, die in der Lage sind, Schall zu absorbieren. Das können zum Beispiel gelochte oder geschlitzte Platten aus Gipskarton, Holz oder Metall sein. Bei den Lochplatten wird ein Teil der Schallwellen, die auf die Decke treffen, nicht wieder in den Raum reflektiert, sondern „verschwindet“ im Hohlraum zwischen Unterdecke und Geschossdecke. Diese Trockenbauplatten sind rückseitig meist mit Vliesstoffen beschichtet oder mit einer Dämmstoffauflage versehen. Mithilfe dieser Stoffe werden die „eingefangenen“ Schallwellen sozusagen endgültig absorbiert.

Es gibt aber auch Akustikdecken ohne Löcher. Bei diesen werden entweder komplett offenporige Beplankungsmaterialien eingesetzt, die viel Schall absorbieren und nur einen Teil der Wellen reflektieren, oder die Platten sind mit schallabsorbierenden Materialien beschichtet. Solche Platten stellt man zum Beispiel aus Mineralwolle oder Blähglasgranulaten her, sehr häufig sind auch Beschichtungen mit Vliesstoffen.

Eine wirtschaftliche Alternative zu kompletten Akustikdecken sind einzelne Deckensegel (siehe Foto). Sie sind oft vlieskaschiert oder haben andere weiche Oberflächen, die schallabsorbierend wirken.

Reduzierung der Nachhallzeit

Deckensegel zur Schallabsorbtion

Deckensegel sind oft vlieskaschiert oder haben andere weiche Oberflächen, die schallabsorbierend wirken. Bei den Segeln auf dem Foto handelt es sich um Platten, die aus Mineralwolle, Ton, Perlite und Stärke bestehen. Foto: Knauf AMF

Indem die Akustikplatten Schall absorbieren, reduzieren sie die Nachhallzeit im Raum. Für den Klangeindruck, den unsere Ohren wahrnehmen, ist nicht nur der Direktschall aus der Schallquelle maßgeblich, sondern auch der Schall, der von den raumbegrenzenden Bauteilen reflektiert wird. Dieser Nachhall erschwert die Verständlichkeit von Sprache oder Musik, wenn er zu lange anhält – er darf aber auch nicht zu kurz sein. In Räumen mit sehr starker Schallabsorption hören wir Töne nämlich oft nicht deutlich genug, und unsere Ohren vermissen den „natürlichen“ Raumeindruck.

Die Nachhallzeit gibt an, wie lange ein Ton noch nachklingt, obwohl die Schallquelle bereits verstummt ist. Genauer gesagt wird sie als die Zeitspanne in Sekunden gemessen, innerhalb derer der Schalldruck nach Abschalten der Schallquelle um 60 dB abnimmt. Das dauert in großen Räumen – etwa in einer Kirche – länger als in kleinen Räumen. Bei der baulichen Schallabsorption geht es nun nicht darum, die Nachhallzeit überall so weit wie möglich zu senken, denn schließlich gehört zu einem großen Raum auch eine gewisse „Halligkeit“ als natürlicher Raumeindruck.

In der DIN 18041 („Hörsamkeit in kleinen bis mittleren Räumen“) werden Richtwerte für die Nachhallzeit bei verschiedenen Raumgrößen aufgelistet, bis zu denen der Mensch den Nachhall noch als natürlich und angenehm empfindet. Wenn die tatsächlich gemessene Nachhallzeit höher ist als die DIN-Werte, empfiehlt es sich, mit schallabsorbierenden Baustoffen gegenzusteuern.

Einflussgrößen auf die Schallabsorption

Das richtige Maß an Schallabsorption hängt von der Größe und Geometrie des jeweiligen Raumes ab und natürlich auch von den Materialien, aus denen die Wände und Decken dieses Raumes bestehen. Bei Räumen mit sehr harten Oberflächen muss man in der Regel im stärkeren Maße akustisch nachbessern als bei offenporigeren Wänden und Decken. Das kann mit Akustikdecken, Deckensegeln oder auch mit Akustikplatten an den Wänden geschehen.

Ganz wichtig bei der Bestimmung des optimalen Schallabsorptionsgrades ist auch die Berücksichtigung der Möblierung, denn auch Sessel, Vorhänge, Tapeten oder Teppiche schlucken ja Schall. Vor allem bei Veranstaltungsräumen muss der Bauakustiker zudem die Anzahl der Personen berücksichtigen, die bei Konzerten oder Aufführungen voraussichtlich anwesend sein werden. Jeder Musiker kennt das Phänomen, dass der Klang beim Soundcheck in der leeren Halle ganz anders ist als beim späteren Konzert. Die Zuhörer absorbieren im erheblichen Maße Schall und verringern dadurch die Nachhallzeiten deutlich.

In der Praxis geht es – vor allem bei Veranstaltungsräumen – häufig insbesondere darum, tiefere Schallfrequenzen stärker zu absorbieren. Denn meistens werden hohe und mittlere Frequenzen durch die vorhandenen Wand- und Deckenmaterialien sowie die Zuschauer schon ziemlich stark absorbiert – nur bei Tönen im Bassbereich ist das anders. Als Lösung bieten sich zum Beispiel Akustikdecken an, die eine starke Absorption bei tiefen Frequenzen aufweisen. Das ist zum Beispiel bei Decken mit Mineralwolleauflage der Fall. Außerdem gilt: Je größer die Abhängehöhe der Decke, umso höher der Absorptionsgrad bei tiefen Frequenzen.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com
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