RM Rudolf Müller
Schwimmbad in Trockenbau

Zementgebundene Bauplatten können bedenkenlos auch in Feuchträumen mit starker Wasserbelastung eingesetzt werden – so wie hier im Lippe-Bad in Lünen. Fotos: Knauf Aquapanel GmbH / Ekkehart Reinsch

 
Trockenbau
29. August 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Trockenbau: Zementgebundene Bauplatten trotzen dem Wasser

Für Feuchträume mit starker Wasserbelastung sind Gipskartonplatten ungeeignet. Wenn in solchen Bereichen dennoch Trockenbau-Unterkonstruktionen zum Einsatz kommen sollen, müssen diese mit Platten beplankt werden, die im hohen Maße wasserbeständig sind. Als Lösung setzen Planer und Bauherren häufig auf zementgebundene Bauplatten.

Das Praktische: Zementgebundene Bauplatten lassen sich im Wesentlichen genauso verarbeiten wie klassische Gipskartonplatten – der Trockenbauer muss sich also nicht umstellen. Sie werden in typischer Trockenbauweise als Beplankung auf tragfähige Unterkonstruktionen montiert. Sie können als Fliesenträger dienen, man kann sie aber auch vollflächig verspachteln und anschließend mit Farben anstreichen.

Ein Hauptbestandteil von zementgebundenen Bauplatten sind meist so genannte Leichtzuschläge, wie man sie auch für die Herstellung von Leichtbetonsteinen verwendet. Diese porenreichen Gesteinskörnungen werden mithilfe von Zement als Bindemittel zu einem fest zusammenhängenden Plattenmaterial verbunden. Besonders stabile Platten erhalten oft eine beidseitige Armierung aus Glasgittergewebe und werden zusätzlich noch mit Zementmörtel beschichtet.

Vor- und Nachteile der Bauplatten

Zementgebundene Bauplatten sind widerstandsfähig auch gegen starke Feuchtigkeit. Wenn sie nass werden, quellen sie nicht auf und zerbröckeln nicht. Formveränderungen durch den Kontakt mit Wasser sind so gering, dass Stabilität und Zusammenhalt der Platten nicht gefährdet werden. Sie bieten zudem keinen Nährboden für Schimmelpilzbefall. Wegen dieser Eigenschaften dürfen sie für Trockenbaukonstruktionen auch in Räumen mit starker Feuchtebelastung eingesetzt werden – also zum Beispiel auch in Schwimmbädern. Die Platten werden zudem auch im Außenbereich eingesetzt, beispielsweise als Trägermaterialien für die Fassadenbekleidung, denn viele zementgebundene Bauplatten sind auch ausgesprochen frost- und witterungsbeständig.

Weitere Vorteile: Zementgebundene Bauplatten sind nicht brennbar sowie schalldämmend und können aufgrund ihrer Stabilität schon bei einlagiger Beplankung auch hohe Fliesenlasten tragen. Ein Nachteil der Platten – vor allem bei der Verarbeitung – ist ihr relativ hohes Flächengewicht, das etwa um die Hälfte größer ist als bei Gipskartonplatten, und natürlich auch ihr vergleichsweise hoher Preis.

Abdichtung ja oder nein?

Dampfgehärtete Faserzementplatten

Dampfgehärtete Faserzementplatten kommen in Feuchträumen ohne zusätzliche Imprägnierungen zum Einsatz – zum Beispiel unter Fliesen. Foto: Siniat GmbH, Oberursel

Auch wenn zementgebundene Bauplatten feuchtigkeitsresistent sind, bedeutet das nicht, dass man bei ihrer Verarbeitung in Feuchträumen generell auf Abdichtungen verzichten darf. Stark wasserbelastete Boden- und Wandflächen müssen vielmehr immer vollflächig abgedichtet werden – unabhängig vom Untergrundmaterial. Dafür gibt es zum Beispiel wasserundurchlässige Kunststoff-Abdichtungsbahnen oder auch spezielle Anstriche oder Spachtelmassen. In solch stark belasteten Bereichen dürfen unter den Abdichtungen zudem ausschließlich feuchtigkeitsunempfindliche Materialien montiert werden.

In mäßig beanspruchten Feuchträumen – also zum Beispiel in privaten Bad-, Dusch- oder Toilettenbereichen und Küchen – können zementgebundene Bauplatten dagegen weitgehend ohne Flächenabdichtungen verbaut werden. Nur die Fugenbereiche zwischen Boden und Wänden sowie die Wandecken und die Rohrdurchführungen müssen hier zusätzlich abgedichtet werden. Das ist ein Vorteil gegenüber Gipskartonplatten und anderen feuchtigkeitsempfindlichen Untergründen, die in mäßig beanspruchten Feuchträumen zwar grundsätzlich eingesetzt werden dürfen, aber nur in Zusammenhang mit vollflächigen Abdichtungen.

Spezialfall Faserzementplatten

Neben den glasgitterarmierten Zementplatten gibt es noch andere zementgebundene Bauplatten, die für den Innenausbau von Feuchträumen zum Einsatz kommen – vor allem dampfgehärtete Faserzementplatten. Diese bestehen aus Zement und Zellstoff-Fasern sowie weiteren Füllstoffen. Die Fasern verhindern bei Feuchtebeanspruchung das Aufschwemmen der Zementpartikel. Faserzementplatten sind genauso wie glasgitterarmierte Zementplatten feuchte- und schimmelresistent sowie nicht brennbar und schalldämmend. Allerdings sind sie nicht für Bereiche mit starker Feuchtigkeitsbelastung wie etwa Schwimmbäder oder Saunen geeignet.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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