RM Rudolf Müller
Zutaten einer Gipsfaserplatte

Recycelte Papierfasern, Wasser und Gips sind die Zutaten einer Gipsfaserplatte. Foto: Fermacell

Trockenbau
13. August 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Gipsfaserplatten erobern seit langer Zeit den Trockenbau

Unter den Plattenwerkstoffen auf Gipsbasis sind die so genannten Gipsfaserplatten noch eine relativ neue Erscheinung. Ihre Massenherstellung und damit zunehmende Verbreitung begann erst in den 1970er-Jahren. Sie werden in der Regel zu höheren Preisen als herkömmliche Gipskartonplatten angeboten, sind dafür aber stabiler, unempfindlicher gegen Feuchtigkeit und bieten einen höheren Brandschutz.

Die Platten lassen sich von Gipskartonplatten schon auf den ersten Blick leicht unterscheiden, denn sie sind nicht mit Karton ummantelt. Stattdessen enthalten sie in der Regel Zellulosefasern, die als Armierung wirken und dadurch die Stabilität der Platte im Vergleich zu Gipskarton deutlich erhöhen. Zellulosefasern sind ein Hauptbestandteil von Pflanzenzellen und werden wegen ihrer Reißfestigkeit traditionell für die Papierherstellung verwendet.

Die Hersteller von Gipsfaserplatten – in Deutschland vor allem Fermacell (Xella), Saint-Gobain Rigips und Knauf Integral – gewinnen die Zellulosefasern hauptsächlich aus Altpapier. Recycelte Papierfasern, Gips und Wasser werden vermischt und zu Platten gepresst, die keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthalten.

Feuchteunempfindlich und feuerbeständig

Die abgebundene Gipsmasse erhält durch die Fasern eine Bewehrung, die ihre Biege-, Druck- und Scherfestigkeit erhöht. Die Platte wird in sich stabiler und bedarf daher auch keines Kartonmantels. Letzteres hat auch positive Auswirkungen auf die Feuchteresistenz, da der Karton bei Gipskartonplatten eine Schwachstelle bezüglich der Schimmelgefährdung darstellt. Aber auch durch die Faserarmierung selbst wird das Feuchteverhalten positiv beeinflusst, da die Zellulosefasern in Wasser unlöslich sind. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass die Fasern bei Feuchtebelastung stärker quellen und schwinden als der Gipsbestandteil der Platten. Gleichwohl werden Gipsfaserplatten in Bädern und Küchen ohne weitere Imprägnierung verwendet. Voraussetzung ist natürlich, dass in stärker belasteten Bereichen die vorgeschriebenen Dichtmaßnahmen ausgeführt werden.

Durch die Zellulosefasern haben Gipsfaserplatten ähnliche Verarbeitungseigenschaften wie Holzwerkstoffe. Man kann sie zum Beispiel fräsen, sägen, bohren und schleifen, aber auch lackieren, lasieren oder zum Beispiel mit einem Echtholzfurnier beschichten. Im Gegensatz zu Holz sind Gipsfaserplatten aber nicht brennbar und werden der Baustoffklasse A2 nach DIN 4102 zugeordnet. Sie zeigen damit dasselbe Brandverhalten wie Gipskartonplatten mit spezieller Feuerschutzbehandlung.

Viele Anwendungsfelder

Gipsfaserplatte im Detail

Gipsfaserplatten haben keine Kartonummantelung, sind dafür aber mit Zellulosefasern armiert. Foto: Knauf Integral

Gipsfaserplatten können grundsätzlich für alle Anwendungsbereiche verwendet werden, für die man auch Gipsplatten benutzt. Da sie aber teurer sind, kommen sie vorrangig für solche Aufgaben zum Einsatz, bei denen die besonderen Stärken der Platten auch wirklich gefragt sind.

Das gilt insbesondere für den Bodenbereich, für den die Platten wegen ihrer hohen Stabilität prädestiniert sind. Sie werden hier entweder als Fertigteilestrich direkt auf den Unterboden verlegt oder für aufgeständerte Hohlbodenkonstruktionen verwendet. Zum Thema Trockenbauböden stellen wir euch übrigens in Kürze einen eignen Fachwissenbeitrag zur Verfügung.

Im Wandbereich kommen Gipsfaserplatten besonders häufig in Räumen zum Einsatz, in denen erhöhte mechanische Belastungen zu erwarten sind – etwa in Schulen, Kindergärten oder Sporthallen.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Gipsfaserplatten sehr oft in Bereichen verwendet werden, wo sie als Alternative zu Holzwerkstoffen verwendet werden können. Wie oben bereits erwähnt, lassen sie sich ja auch ähnlich verarbeiten wie Holz, sie sind aber eben nicht brennbar. Deswegen sind sie häufig das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, alte Holzbalkendecken brandschutztechnisch zu ertüchtigen. Zu diesem Zweck werden die Holzkonstruktionen mit Gipsfaserplatten beplankt.

Die enorme Stabilität der faserarmierten Produkte zeigt sich auch daran, dass schwere Gipsfaserplatten sogar als mittragende oder aussteifende Beplankungen für Außenwände von Gebäuden in Holztafel- oder Holzrahmenbauweise verwendet werden.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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