RM Rudolf Müller
Ausbau eines Feutraums mit Gips-Spezialplatten

Imprägnierte Gipskartonbauplatten (GKBI nehmen nicht so schnell Wasser auf wie Standardplatten und sind optisch an der grünen Kartonummantelung zu erkennen. Foto: Saint-Gobain Rigips

Trockenbau
08. August 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Gipskartonplatten und ihre Spezialeigenschaften

Gipskartonplatten haben den großen Vorteil, dass sich ihre bauphysikalischen Eigenschaften durch Veränderungen der Rezeptur des Gipskerns oder durch Imprägnierungen der Platte verändern lassen. Auf diese Weise haben die Hersteller in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Spezialprodukte auf den Markt gebracht, die wahlweise zum Beispiel einen besseren Schutz vor Feuer, Lärm oder auch vor Feuchtigkeit ermöglichen als Gipskarton-Standardplatten.

Da man die unterschiedlichen Platten in vielen Fällen auch in einem Bauteil kombinieren kann, bietet der Trockenbau sehr flexible Möglichkeiten, um etwa mit einer Wandkonstruktion verschiedene bauphysikalische Anforderungen zu erfüllen. Man kann zum Beispiel die Unterkonstruktion einer Zwischenwand mit einer Lage Schallschutz- und einer Lage Strahlenschutzplatten doppelt beplanken.

Feuchteschutzplatten

Da sich normale Gipskartonplatten bei starker Feuchtebelastung allmählich zersetzen und ihr Karton zudem bei hoher Luftfeuchtigkeit schimmelgefährdet ist, lag es nahe, dass die Industrie nach Wegen gesucht hat, um die Platten weniger feuchteempfindlich zu machen. Dabei ging es nicht unbedingt darum, Gipsplatten zu erfinden, die immun gegen sehr starke Feuchtigkeitseinflüsse sind. Für solche Anwendungen – etwa in Schwimmbädern – gibt es andere Plattenprodukte, beispielsweise zementgebundene Bauplatten. Es ging vielmehr um Gipskartonplatten, die bei leichter bis mäßiger Feuchtigkeitsbeanspruchung, wie sie in vielen Bad- und Küchenbereichen vorherrscht, bedenkenlos zum Einsatz kommen können.

Als Lösung bieten alle großen Hersteller imprägnierte Gipskartonbauplatten (GKBI) an, die nicht so schnell Wasser aufnehmen wie Standardplatten und zum Beispiel als Untergrund für Fliesen verwendet werden. Bei diesen Platten sind sowohl der Gipskern als auch der Karton imprägniert – meist mithilfe von Silikonverbindungen. Das hat übrigens weder auf die Verarbeitbarkeit noch auf die Optik der Produkte irgendwelche Auswirkungen. Um sie überhaupt von klassischen Gipskartonplatten unterscheiden zu können, werden GKBI in der Regel mit grün eingefärbtem Karton angeboten.

Feuerschutzplatten

Knauf Fireboard schützt Stahlträger

Mit Feuerschutzplatten lassen sich auch feuerempfindliche Bauteile, wie zum Beispiel Stahlträger, über längere Zeit vor der Brandeinwirkung schützen. Grafik: Knauf

Schon normale Gipskartonplatten bieten im Brandfall einen gewissen Feuerschutz. Bei Befeuerung verdunstet das im Gipskern chemisch eingelagerte Kristallwasser und bewirkt einen Kühleffekt. Die Temperatur auf der brandabgewandten Seite steigt dadurch nicht so schnell, die Brandausbreitung wird verzögert. Wenn allerdings das Wasser verdunstet ist, zerfällt die Gipsplatte relativ schnell. Dieser Vorgang wird bei feuerhemmenden Gipskartonplatten (GKF) dadurch verzögert, dass der Plattenkern mit Glasfasern armiert ist. Die zwischen 3 mm und 30 mm langen Fasern stabilisieren den Kern und verzögern dadurch im Brandfall das Auseinanderfallen der Platte.

Feuerschutzplatten sind am weiß-grauen Karton mit roter Beschriftung zu erkennen. Es gibt auch Spezialbrandschutzplatten mit einem zusätzlichen nicht brennbarem Glasvlies, das fest mit dem Gipskern verbunden ist und für eine noch höhere Plattenstabilität sorgt. Auch ohne solche Spezialplatten lässt sich der Brandschutz von Trockenbaukonstruktionen übrigens verbessern, wenn man auf dickere Platten beziehungsweise Mehrfachbeplankungen setzt. Denn schließlich gilt: Je mehr Gips, umso mehr kühlendes Kristallwasser.

Strahlenschutzplatten

Strahlenschutzplatten spielen traditionell in Arztpraxen und Krankenhäusern eine Rolle, wo zum Beispiel Röntgenstrahlen zum Einsatz kommen. Aber auch im Privatbereich wächst aufgrund der zunehmenden Elektrosmogbelastung die Nachfrage nach solchen Produkten. Früher, als das Thema meist nur im medizinischen Bereich eine Rolle spielte, wurden vor allem bleikaschierte Platten eingesetzt, doch mittlerweile gibt es auch leistungsfähige Platten, die ohne Blei auskommen.

So ist zum Beispiel Graphit ein Stoff, der heute in Gipsplatten verwendet wird, um deren Fähigkeit zu erhöhen, Elektrosmog zu absorbieren. Auf diese Weise lassen sich mit einigen Produkten bis zu zwei Drittel der elektromagnetischen Wellen unschädlich machen, die auf die Platten treffen – der Rest wird reflektiert.

Übrigens spielt Graphit auch in anderen Gipsplatten-Konstruktionen eine wichtige Rolle. Da der Stoff die Wärmeleitfähigkeit der Materialien erhöht, eignen sich Gipsplatten mit Graphitkern ideal zur Beplankung von Deckenheizungen. Durch die verbesserte Wärmeabgabe an die Raumluft können die Systeme bei gleicher Leistung mit geringerer Wasserdurchlauftemperatur betrieben werden.

Schallschutzplatten

Schallschutz-Gipsplatte Knauf Diamant

Hartgipsplatten wie „Knauf Diamant“ bieten unter anderem einen erhöhten Schallschutz. Foto: Knauf Gips

Einschalige Bauteile, wie zum Beispiel Massivmauerwerk, bieten eine umso bessere Luftschalldämmung, je schwerer sie sind. Allerdings ist neben der flächenbezogenen Masse ein guter Schallschutz auch von der Biegeweichheit des Bauteils abhängig. Zweischalige Wandkonstruktionen, wie sie im Trockenbau oft mithilfe von Metallständerwänden realisiert werden, haben diesbezüglich Vorteile, vorausgesetzt, die beiden Schalen (Gipsplatten) sind durch eine federnde Dämmschicht getrennt.

Eine gute Schalldämmung hängt bei solchen Trennwänden von der Verbindung der beiden Schalen durch das Metallständerwerk, vom Dämmstoff im Hohlraum, vor allem aber auch von den verwendeten Gipsplatten selbst ab. Spezielle Schallschutzplatten verfügen über ein erhöhtes Flächengewicht, und ihr Gipskern zeichnet sich zugleich durch eine hohe Biegeweichheit aus. Zu beachten ist allerdings, dass die beste Schallschutzkonstruktion nicht wirksam werden kann, wenn die flankierenden Bauteile (Wände, Decke, Boden) schlechtere Werte aufweisen und die Anschlüsse an diese nicht schallentkoppelt ausgeführt werden.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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