Ein großer, umgebauter Bunker mit üppiger Begrünung auf den oberen Ebenen und einer modernen Architektur in einer urbanen Umgebung.
Der begrünte Hochbunker in Hamburg. (Quelle: Bundesverband GebäudeGrün)

Plus 2025-01-16T08:00:00Z Begrünter Bunker

Der alte Hochbunker neben dem St.-Pauli-Stadion in Hamburg ist im Inneren schon lange ein bunter Ort der Musik- und Medienkultur. Nun ist der graue Betonkoloss auch äußerlich bunter geworden – genauer gesagt: grün. In 58 m Höhe entstand ein kostenlos zugänglicher Stadtgarten. Der Bundesverband Gebäude-Grün kürte das denkmalgeschützte Gebäude zum „BuGG-Gründach des Jahres 2024“.

Der begrünte Bunker auf dem Heiligengeistfeld in St. Pauli hat sich rasch zum Hamburger Besuchermagnet entwickelt. Die letztes Jahr eröffneten, frei zugänglichen Grün- und Gemeinschaftsflächen umfassen rund 10.000 m2. Für das vom Investor Matzen Immobilien finanzierte Objekt kamen rund 23.000 Pflanzen zum Einsatz. Im Obergeschoss des Bunkers entstanden zugleich eine neue Veranstaltungshalle und ein Hotel.

„Bergpfad“ zum Gründach

Begrünt wurde nicht nur der Dachbereich. Vielmehr schlängelt sich ein von Pflanzen gesäumter „Bergpfad“ außen um den Bunker entlang nach oben. Bei gutem Wetter besichtigen mittlerweile täglich tausende Menschen die neue grüne Stadtattraktion.

Blick vom begrünten Dach des St.-Pauli-Bunkers.
Der Dachgarten bietet einen tollen Panoramablick über Hamburg. (Quelle: Bundesverband GebäudeGrün)

Einer der Herausforderungen beim Bau des Stadtgartens war der Denkmalschutz. Es waren die Planer vom Hamburger Büro „ Landschaftsarchitektur+ “, die historische Substanz und das neue Grün in Einklang brachten. Realisiert wurde die Anlage von der Klaus Hildebrandt Garten- und Landschaftsbau AG, ebenfalls aus Hamburg. Das Unternehmen ist ein Partnerbetrieb des Dachbegrünungsherstellers Optigrün . Kein Wunder, dass bei der Bunker-Begrünung zahlreiche Produkte und Systemlösungen dieses Herstellers zum Einsatz kamen.

Der St-Pauli-Bunker beherbergt schon seit Längerem Szene-Clubs wie das „Uebel & Gefährlich“ und ein Theater, aber auch zahlreiche Medien- und Werbeunternehmen. Das neue Gründach befindet sich auf dem Gebäudeteil, das per Aufstockung dazugekommen ist. Auf dem Dach des alten Bunkers sind nämlich seit 2020 fünf weitere Geschosse entstanden.

Wechselvolle Geschichte

Bei aller Begeisterung über den neuen Dachgarten sollte nicht vergessen werden, dass der Bunker eine dunkle Geschichte hat. Die Nazis ließen ihn während des Zweiten Weltkriegs von Zwangsarbeitern errichten. Er bot im Krieg bis zu 25.000 Menschen Schutz vor Luftangriffen.

Ein modernes Gebäude mit üppiger Begrünung auf den Terrassen und Balkonen, das die Verbindung von Architektur und Natur zeigt.
Ein grüner „Bergpfad“ schlängelt sich außen um den Bunker entlang nach oben. (Quelle: Bundesverband GebäudeGrün)

Nach dem Krieg diente der Bunker zeitweise auch als Wohnraum. Doch auch erste Medienunternehmen zogen schnell ein. So wurde die TV-Zeitschrift „Hörzu“ des Axel-Springer-Verlags ab 1946 zunächst am Heiligengeistfeld produziert, und auch die erste „Tagesschau“ des Nordwestdeutschen Rundfunks kam 1952 aus dem Bunker.

Anfang der 1990er-Jahre erwarb der Investor Thomas J. C. Matzen das Erbpachtrecht des Bunkers. Neben den Medienunternehmen kamen in der Folge auch Kulturveranstalter und ein großes Musikinstrumenten-Kaufhaus als Mieter hinzu.

Gründach des Jahres

Bei der Auszeichnung zum BuGG-Gründach des Jahres 2024 setzte sich der grüne Bunker gegen zahlreiche Mitbewerber durch. Wie jedes Jahr waren alle BuGG-Mitglieder eingeladen, die schönsten Bilder und eine kurze Beschreibung ihrer Projekte – oder an denen sie beteiligt waren – einzureichen. Insgesamt 55 Begrünungen standen am Ende zur Auswahl. Erstmals konnten nicht nur die BuGG-Mitgliedern voten, stattdessen fand eine öffentliche Abstimmung statt, an der jeder teilnehmen konnte.

Eine Gruppe von fünf Personen steht vor einer grünen Hecke. Zwei Personen in der Mitte halten eine Auszeichnung mit der Aufschrift "BuGG Gründach".
BuGG-Botschafterin Angela Roy (Mitte) überreichte den BuGG-Award. Links: Mareile Blessmann, Julian Benesch (beide Landschaftsarchitektur+). Rechts: Marco De Santis (Klaus Hildebrandt Garten- und Landschaftsbau AG), Felix Holzapfel-Herziger (Landschaftsarchitektur+). (Quelle: Bundesverband GebäudeGrün)

Übergeben wurde der Preis unter anderem von Angela Roy, Schauspielerin und BuGG-Botschafterin. Dass die Wahl auf den begrünten Flakbunker fiel, liegt natürlich nicht zuletzt an dessen einmaliger Optik. Doch auch technische Details dürften überzeugt haben. So verfügen die Retentionsdachflächen über eine intelligente Steuerung, die laut BuGG zu einem maximalem Regenwasserrückhalt und minimalen Abflussmengen beiträgt. Dadurch sei der grüne Bunker ein Vorbild für den Umgang mit Niederschlägen im urbanen Umfeld.

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zuletzt editiert am 13. Januar 2025