Bis in die 1960er-Jahre hinein gehörte Linoleum in Deutschland zu den führenden elastischen Bodenbelägen. Dann wurde das Material weitgehend von PVC verdrängt. Doch zumindest als Nischenprodukt für umweltbewusste Bauherren hat der Belag überlebt. Und in den letzten Jahren gibt es sogar eine kleine Linoleum-Renaissance – allerdings in einem neuen Anwendungsbereich: als hochwertige Beschichtung für Türen und Möbel.
Linoleum wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfunden und hat sich als Material für Bodenbeläge schnell etabliert. Traditionell wird es wie Teppiche als elastische Rollenware mit einem Jutegewebe als Trägerschicht hergestellt. Heute bietet die Industrie aber auch Linoleum-Bodenplatten in Fliesen- oder Dielenformaten an, bei denen die Unterlage in der Regel aus (nicht elastischen) Trägerwerkstoffen besteht. Insofern geht es dem Linoleum als Bodenbelag sogar ähnlich wie den historisch jüngeren PVC -Böden. Auch die werden heute seltener als Rollenware verkauft, sind als kleinteilige Vinylboden -Elemente auf Trägerplatten aber durchaus angesagt.
Krise und Modernisierung
Während Vinyl boomt, halten sich die Verkaufserfolge von Bodenware aus Linoleum aber weiter in Grenzen. Der Bedeutungsverlust durch den Siegeszug der günstigeren und weniger pflegeaufwändigen PVC-Böden in den 1960er-Jahren hält in gewisser Weise bis heute an. Immerhin hat sich der Markt seit den 1980er-Jahren etwas erholt, weil umweltbewusste Hausbesitzer den alternativen Bodenbelag erneut für sich entdeckten und moderne Linoleum-Produkte in der Regel auch weniger Pflegeaufwand erfordern.

Gleichwohl gibt es mittlerweile – neben kleineren Nischenanbietern – weltweit nur noch drei größere Linoleumhersteller. Das Unternehmen Deutsche Linoleum-Werke (DLW) gehört seit 2018 zur Gerflor-Gruppe. Im niedersächsischen Delmenhorst produziert die Gerflor DLW GmbH aber weiterhin Linoleum-Bodenbeläge der Marke DLW – vorzugsweise für Objektbauten. Internationale Konkurrenten mit Vertrieb in Deutschland sind vor allem die Schweizer Forbo Group und der französische Tarkett-Konzern .
Immerhin: Die drei großen internationalen Linoleum-Player haben ihr Produktsortiment in den letzten Jahren modernisiert. Gab es früher fast nur einfarbige Rollenware, so sind Linoleumböden mittlerweile in vielfältigen Designs erhältlich. Wie oben bereits erwähnt, gibt es heute zudem auch Fliesen- und Dielenformate mit unterschiedlichen Trägermaterialien.
Hinzu kommen pflegeleichtere Oberflächen. Früher musste man Linoleumböden regelmäßig mit Wachs bohnern, damit sie resistent gegen Verschmutzungen wurden beziehungsweise blieben. Modernes Linoleum dagegen wird von den Herstellern schon im Werk mit einer dauerhaften Schutzschicht versiegelt. Das hat die Pflege der Böden deutlich vereinfacht.
Nachhaltig und wohngesund
Gleichwohl ist der Linoleummarkt bis heute ein Nischenmarkt. Dabei liefert das Material bei Trendthemen wie Nachhaltigkeit und Wohngesundheit eigentlich viele positive Verkaufsargumente. Linoleum ist zwar kein Naturstoff im engeren Sinne, es besteht aber durchweg aus nachwachsenden und biologisch abbaubaren Rohstoffen und lässt sich am Ende seiner Lebenszeit sogar kompostieren. Es ist zudem frei von Weichmachern und sonstigen Schadstoffen.

Das eigentliche Linoleum-Material (ohne Trägerschicht) besteht zu etwa 32 % aus oxidiertem Pflanzenöl und zu 8 % aus Naturharzen. Hinzu kommen organische Füllstoffe wie Kork- oder Holzmehl (40 %) sowie weitere anorganische Füllstoffe wie Kalksteinpulver und Farbpigmente (20 %). Die genaue Zusammensetzung und die Eigenschaften von Linoleum sind in Europa durch die EN 548 („Elastische Bodenbeläge – Spezifikation für Linoleum mit und ohne Muster“) genormt.
Der Produktname Linoleum leitet sich übrigens von „oleum lini“ ab – dem lateinischen Ausdruck für Leinöl. Dieses natürliche Öl der Flachspflanze wird für traditionelles Linoleum verwendet. Heute gibt es auch Rezepturen mit anderen Pflanzenölen, vor allem Sojaöl. Doch auch dann bleibt Linoleum ein Naturmaterial, das keine gesundheitsschädlichen Stoffe ausdünstet.
Viele positive Eigenschaften
Linoleum punktet aber nicht nur mit seinem Öko-Image, sondern überzeugt als Bodenbelag auch durch Langlebigkeit und Belastbarkeit. Bei Druckbelastungen kommt es zu vorübergehenden Verformungen, die sich aber rasch wieder zurückbilden. Deshalb ist das Material auch problemlos für Stuhlrollen geeignet.
Der Belag ist zudem gelenkschonend, fußwarm, rutschhemmend und trittschalhemmend. Kein Wunder, dass Linoleum häufig für Sportböden sowie in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern zum Einsatz kommt.
Linoleum ist zudem schwer entflammbar, wirkt antistatisch und leicht antibakteriell. Eher ungeeignet ist es dagegen für Nassräume. Das Naturmaterial ist nämlich feuchtigkeitsempfindlich und kann bei stärkerem Wasserkontakt verrotten oder aufquellen wie Holz. Das ist sozusagen die Kehrseite der positiven Eigenschaft, dass Linoleum biologisch abbaubar und damit kompostierbar ist.
„Furniture Linoleum“
Während der Linoleumabsatz im Bodenbereich seit vielen Jahren eher stagniert, haben sich in letzter Zeit neue Einsatzbereiche bei der Möbelbeschichtung etabliert. Als „Furniture Linoleum“ auf Tischen, Schränken oder sonstigen Einrichtungsgegenständen feiert der nachhaltige Werkstoff eine Renaissance im stilvollen Interieurdesign.

Zu den Erfolgsfaktoren in diesem Bereich zählen die warme Ausstrahlung und organische Haptik. Zugleich kombiniert das Material auf einzigartige Weise eine hohe Festigkeit mit gleichzeitiger Flexibilität. Es ist widerstandsfähig gegenüber Kratzern und Stößen, lässt sich aufgrund der Elastizität aber auch problemlos zur Beschichtung gewölbter Flächen nutzen. Heiße Gegenstände sollte man auf Linoleum dagegen besser nicht abstellen. Zur gelegentlichen Oberflächen-Auffrischung gibt es übrigens spezielle Linoleum-Pflegemittel.
Dass Linoleum auch eine interessante Beschichtungsvariante für Türen sein kann, zeigt der Anbieter Prüm. Dessen 2025 eingeführte Produktlinie „Linolea“ umfasst Innentüren mit Linoleum-Oberfläche in 24 verschiedenen samtmatten Farbtönen. Nach Herstellerangaben überzeugen diese Türen nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional. Aufgrund ihrer Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Kratzern und Flecken sowie der antibakteriellen und antistatischen Eigenschaften seien sie ideal für stark frequentierte oder hygienisch sensible Bereiche wie Kitas, Schulen, Arztpraxen und Labore.
Natürlich setzt auch Prüm auf modernes, pflegeleichtes Linoleum. Beim Türenhersteller heißt das „Anti-Fingerprint-Oberfläche“. Man könne die Oberflächen einfach mit einem nebelfeuchten, weichen Tuch reinigen. Für stärkere Verschmutzungen empfiehlt Prüm den Einsatz von Neutralreiniger. Neben den positiven Materialeigenschaften betont der Hersteller die nachhaltige Fertigung. Durch CO2-bindende Rohstoffe und den Einsatz erneuerbarer Energien bei der Herstellung sei das Produkt nicht nur ressourcenschonend, sondern sogar „klimapositiv“.
Dieser Text ist eine Aktualisierung des BaustoffWissen-Beitrags „Bodenbeläge: Was ist Linoleum?“ von August 2017.