Luftaufnahme des Handwerkerforums mit großer Solaranlage auf dem Dach, umgeben von Feldern und Straßen.
Das Handwerkerforum wurde im Herbst 2024 für bis zu 14 Parteien fertiggestellt. (Quelle: schulenburg architekten)

Plus 2025-09-11T07:00:00Z „Coworking Space“ für Handwerker

Das neue Handwerkerforum im schleswig-holsteinischen Kummerfeld ist ein moderner „Coworking Space“, bei dessen Planung Nachhaltigkeit eine große Rolle spielte: von der Gebäudehülle in Holzrahmenbauweise über die energieeffiziente Fußbodenheizung bis hin zur Photovoltaik-Nutzung auf dem Dach. Die Basis bildet ein Industriefußboden mit CO2-reduziertem Hartstoff-Einstreumittel aus dem Hause Korodur.

Das im Herbst 2024 fertiggestellte Handwerkerforum Kummerfeld im Kreis Pinneberg wurde vom Buxtehuder Architekturbüro Schulenburg geplant. Der „Coworking Space“ bietet Räume speziell für Handwerksunternehmen – von knapp 50 m² bis hin zu 315 m² Größe. Insgesamt 14 Betriebe können sich dort niederlassen. Die Hälfte der Flächen ist bereits vergeben.

PV-Module auf dem Dach

Ein wichtiger Faktor für die Nachhaltigkeit des T-förmigen Gebäudes ist der großflächige Einsatz von rund 1.100 Photovoltaik-Modulen auf dem Flachdach. Selbst wenn das Forum voll belegt ist, produzieren diese PV-Module voraussichtlich immer noch mehr Solarstrom als vor Ort benötigt wird. „Daher wird ein Großteil der erneuerbaren Energie in das Netz eingespeist“, sagt Tim Schulenburg von den Schulenburg Architekten.

Die Solarmodule haben zudem einen weiteren Vorteil: Sie verschatten die Dachhaut, sodass sich die Hallen bei starker Sonneneinstrahlung nicht so stark aufheizen. Die Unterlüftung der Konstruktion unterstützt diesen Effekt zusätzlich. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit für den „grünen“ PV-Strom könnten künftig auch Schnellladesäulen für Elektromobile sein.

Holzrahmenbauweise

Das eingeschossige Gebäude im Kummerfelder Gewerbegebiet Ossenpadd wurde in Holzrahmenbauweise hergestellt. Die Firma Holzbau Loewenthal aus Hamburg hat die Halle mit den von Ligna Systems vorgefertigten Teilen errichtet.

Luftaufnahme eines Bauprojekts mit einer im Bau befindlichen Halle in einer grünen Umgebung.
Die Gebäudehülle entstand in Holzrahmenbauweise. (Quelle: schulenburg architekten)

Geschäftsführer Matthias Loewenthal rechnet den positiven Klimaeffekt der Bauweise vor: „Wir haben für die Tragkonstruktion insgesamt 168 m³ Holz verwendet. Zusammen mit den Innenwänden und anderen Holzelementen kommen wir auf rund 250 m³. Wir wissen, dass ein Kubikmeter Holz knapp eine Tonne CO2 bindet. So speichert dieses Bauwerk direkt rund 245 Tonnen Kohlendioxid. Hinzurechnen müssen wir außerdem die Vorteile der Holzrahmenbauweise, allein schon, weil deutlich weniger Energie für das Schmelzen von Metallen beziehungsweise Stahl benötigt wird!“

Auch beim Heizen zeichnet sich das Handwerkerforum durch hohe Energieeffizienz aus. Der gesamte Innenbereich der Hallen mit rund 2.200 m² wird in der kühleren Jahreszeit ressourcenschonend und angenehm mit einer Niedertemperatur-Fußbodenheizung warmgehalten.

Klimafreundlicher Industrieboden

Der im Handwerkerforum eingebaute Industrieboden besteht aus einer 20 cm starken Stahlfaserbeton -Schicht. Bei deren Herstellung wurde in die noch frische Estrichschicht das Hartstoff-Einstreumittel „NEODUR HE 3 green“ von Korodur eingestreut. Bei Hartstoff-Einstreuungen nach DIN 18560 handelt es sich um Verfahren zur Oberflächenvergütung von Beton- oder Estrichböden, um deren Verschleißwiderstand und Oberflächenhärte weiter zu erhöhen.

Innenansicht einer Baustelle mit Holzrahmenkonstruktion und Betonboden.
Der Innenbereich der Halle kann je nach Bedarf der Mieter zugeschnitten werden. (Quelle: Korodur)

Der zementgebundene Trockenbaustoff NEODUR HE 3 green trägt übrigens ebenfalls zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei. Nach Herstellerangaben wird bei seiner Herstellung nämlich eine erhebliche CO2-Einsparung realisiert. Der Clou liege in einem speziellen Verfahren, das deutlich weniger Energie benötigt.

„Der Ausstoß des klimabelastenden Gases reduziert sich in der Herstellung somit um 50 bis 60 %“, sagt Andreas Mohr, Vertriebsmitarbeiter von Korodur. „Schon 500 m² NEODUR HE 3 green – anstelle eines nicht CO2-optimierten Einstreuprodukts – entlasten das Klima demnach um die Menge Kohlendioxid, die 50 Bäume in einem Jahr aufnehmen.“

Mit der Herstellung des Industriebodens in Kummerfeld wurde der Verlegebetrieb Condulith Deutsche Industriebodentechnik aus dem ostwestfälischen Hille beauftragt. Marcel Myrach, Bauleiter bei Condulith, erläutert das Verfahren: „Dieser Baustoff lässt sich genauso einfach verarbeiten wie der ‚klassische‘ Baustoff NEODUR HE 3. Dabei wurde der werksgemischte, zementgebundene Trockenbaustoff auf der Baustelle mit gut 3 kg/m² per Einstreuwagen auf dem frischen Beton der Hallengrundfläche gleichmäßig verarbeitet.“

Die Fertigstellung des Industriebodens erfolgte innerhalb von drei Tagen. Dafür benötigte Condulith 6.500 kg NEODUR HE 3 green. Zuvor bauten die Bodenverleger die Dämmung und die Fußbodenheizung ein. Der 20 cm starke Stahlfaserbeton bildet die Grundlage für verschiedenste gewerbliche Tätigkeiten – inklusive hoher mechanischer Belastungen.

Hohe Widerstandsfähigkeit

Der in Kummerfeld realisierte Industrieboden überzeugt natürlich nicht nur durch seine Klimafreundlichkeit, sondern auch durch hohe Widerstandsfähigkeit und Beständigkeit. Peer-Åke Grams ist im Dezember 2024 mit seiner Kfz-Werkstatt in das Handwerkerforum eingezogen und äußert sich zufrieden.

Eine Werkstatt mit klassischen Autos, darunter ein schwarzer Oldtimer im Vordergrund und ein weiteres Auto auf einer Hebebühne.
Zu den ersten Mietern der Halle gehört die Kfz-Werkstatt von Peer-Åke Grams. (Quelle: Korodur)

„In einer Werkstatt kann es immer mal wieder vorkommen, dass etwas Schweres herunterfällt, wie zum Beispiel Bremsscheiben", erläutert Grams. „Es hat sich gezeigt, dass der Boden hier praktisch keinen Schaden nimmt. Außerdem bin ich begeistert, wie schön eben der Boden ist. Nur hätte ich mich vielleicht früher mit einer möglichen Versiegelung der Fläche beschäftigen sollen, um Ölflecken zu verhindern. Aber auch so bin ich mit dem Boden wie auch mit dem ganzen Standort für mein Geschäft bestens zufrieden“.

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zuletzt editiert am 04. September 2025