Im Juni 2021 haben wir auf BaustoffWissen schon mal über den Naturdämmstoff Seegras berichtet. Das Nischenprodukt wird in Deutschland unter anderem von der schleswig-holsteinischen Seegrashandel GmbH angeboten. Das kleine Unternehmen will nun eine bauaufsichtliche Zulassung für den Dämmstoff vom Meeresboden beantragen. Für deren Finanzierung hat man eine Crowdfunding-Aktion gestartet.
Hinter dem kleinen Unternehmen aus Westerau südwestlich von Lübeck stehen die beiden Seegras-Enthusiasten Swantje Streich und Jörn Hartje. Ihre ersten Erfahrungen mit Seegras als Dämmstoff machten die beiden 2004 bei der energetischen Sanierung ihres eigenen Hauses. Von den Eigenschaften des Naturdämmstoffs , der in Küstennähe am Meeresboden wächst und regelmäßig durch die Flut an Land gespült wird, waren sie sofort begeistert. Da sie aber auch die Erfahrung gemacht haben, dass es für das nachhaltige Material in Deutschland kaum Bezugsquellen gab, gründeten sie 2012 die Seegrashandel GmbH .
Zulassung für öffentliche Gebäude
Über ihre Firma haben Streich und Hartje in den letzten elf Jahren rund 500 Baustellen mit Seegras aus der Ostsee beliefert. Seegras hat eine besonders gute Ökobilanz: Es ist regional verfügbar, lässt sich ohne größere Herstellungsprozesse einfach dem Küstentreibgut entnehmen, bedarf keiner Zusätze, speichert viel CO2 und kann nach der Nutzung einfach als Kompost entsorgt werden. Über die sonstigen Vorteile und Einsatzschwerpunkte des Dämmstoffs informiert der BaustoffWissen-Beitrag „ Dämmen mit Seegras “.

Für private Gebäude darf Seegras bereits seit Längerem als Dämmstoff verwendet werden. Für Dämmprojekte in öffentlichen Gebäuden wie Kindergärten, Schulen, Kirchen oder Gemeindehäusern benötigen die Anbieter dagegen eine bauaufsichtliche Zulassung . Im Rahmen dieser Zulassung überprüft ein unabhängiges Institut verschiedene Materialeigenschaften. Im Fall des Seegras-Dämmstoffs sind zum Beispiel Werte wie das Brandverhalten , die Wärmeleitfähigkeit , die Wärmespeicherkapazität und das Setzungsverhalten genau zu beziffern.
Etwa 24.000 Euro wird die Zulassung ungefähr kosten. Für große Baustoffkonzerne mögen das „Peanuts“ sein, für die Seegrashandel GmbH ist es viel Geld. Deshalb haben Swantje Streich und Jörn Hartje eine Crowdfunding-Aktion zur Finanzierung der Seegras-Zulassung gestartet. Diese läuft auf der bekannten Crowdfunding-Plattform Startnext. Unter www.startnext.de/seegras kann man die Aktion unterstützen und dabei verschiedene Geschenke mit Seegrasbezug erwerben.