Nach dem Energiepreisschock infolge von Russlands Krieg gegen die Ukraine haben die Deutschen zwei Jahre beim Heizen gespart. Doch das scheint vorbei. In der Heizsaison 2024/25 ist der Energieverbrauch trotz eher milder Temperaturen deutlich gestiegen. Bei Heizöl, Erdgas und Fernwärme steht im Mittel ein Verbrauchsanstieg von fast 24 %. Das ergab eine Analyse des Energiedienstleisters Techem.
„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Einsparanstrengungen der vergangenen Jahre nachgelassen haben“, bilanziert Matthias Hartmann, CEO von Techem . „Bei weiterhin hohen Energiepreisen werden sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher daher mit einer Mehrbelastung bei der anstehenden Heizkostenabrechnung konfrontiert sehen.“
Heizöl – Erdgas – Fernwärme
Hartmanns Einschätzung beruht auf den Verbrauchsinformationen aus etwa 36.000 deutschen Wohnungen, die Techem im Zeitraum von Oktober bis Februar gemessen und anonymisiert analysiert hat. Verglichen wurden die Verbrauchswerte für die Jahresübergänge 2023/2024 und 2024/2025. Hintergrund: Der Energie- und Messdienstleister Techem stellt seinen Kunden unter anderem moderne Funkheizkostenverteiler zur Verfügung, die in Gebäuden aktuelle Verbrauchswerte messen, berechnen, speichern und übermitteln.

Laut Analyse ist im jüngsten Winter (Oktober 2024 bis Februar 2025) der durchschnittliche Heizverbrauch der Energieträger Heizöl, Erdgas und Fernwärme im Vergleich zum Vorjahr im Mittel um 23,6 % gestiegen. Besonders stark betroffen war Erdgas mit einem Anstieg um 28,2 %. Bei Fernwärme fiel die Steigerung mit 24,1 % etwas geringer aus. Der Heizölverbrauch stieg um 18,4 %.
Die genannten Zahlen spiegeln den gesamtdeutschen Durchschnitt wider. Regional betrachtet zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede beim Verbrauch der einzelnen Energieträger. Der Verbrauch von Heizöl – die klimaschädlichste aller Heizenergiequellen – nahm zum Beispiel in Thüringen um 43,1 % zu (auf 94,3 kWh/m²), während er in Schleswig-Holstein nur um 4,4 % (auf 83,9 kWh/m²) wuchs. Sachsen-Anhalt ist mit 59,9 kWh/m² das Bundesland mit dem geringsten Heizölverbrauch.
Der Erdgasverbrauch ist derzeit im Saarland am höchsten (93,4 kWh/m²), während Berlin mit 70,9 kWh/m² den bundesweit niedrigsten Erdgasverbrauch aufweist. Und auch bei der Fernwärme führt das Saarland die Länder mit 76,2 kWh/m² an, während Berlin mit 49,4 kWh/m² auch hier am wenigsten verbraucht. Den höchsten Anstieg bei Fernwärme wiederum verzeichnete letzten Winter Thüringen mit einem Verbrauchsplus von 45,1 % (auf 52,7 kWh/m²).
Energiewende lahmt
Dass der Verbrauch von Heizöl, Erdgas und Fernwärme letzten Winter bundesweit durchschnittlich um 23,6 % gestiegen ist, zeigt einmal mehr, dass der Gebäudesektor bei der Energiewende nicht wie gewünscht vorankommt. Die hohe Nachfrage nach Öl und Erdgas zeigt das direkt, aber auch der Anstieg bei der Fernwärme ist nicht gerade eine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass auch hier als Wärmequelle bislang die fossile Kraft-Wärme-Kopplung eindeutig dominiert.

Natürlich hängt der Heizwärmeverbrauch immer auch entscheidend davon ab, ob der Winter kalt oder eher mild ausfällt. Und tatsächlich: Der letzte Winter war in Deutschland kälter als sein Vorgänger. 2023/2024 lagen die Temperaturen von Oktober bis Februar nämlich durchschnittlich um 4 °C höher als die mittlere Temperatur der Jahre 1961 bis 1990. Das ist die international gültige Referenzperiode, damals lag der „Normalwert“ der deutschen Winter bei –0,2 °C.
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Doch auch der Winter 2024/2025 war deutlich zu mild, die mittlere Temperatur lag um 2,1 °C höher als in der Referenzperiode. Gegenüber dem Vorjahr mag man das als „Abkühlung“ bezeichnen, aber erklärt das wirklich den stark gestiegenen Heizenergieverbrauch? Zweifel sind angebracht. Wahrscheinlicher ist wohl die Interpretation, dass die Deutschen wieder mehr heizen, weil sie es sich leisten können. Die zwischenzeitlichen Preisspitzen bei Öl und Gas haben sich wieder abgeflacht – und damit wohl auch der Spardruck.
Gas und Öl billiger
Tatsächlich sind die Preise für Gas und Öl nach Angaben von Techem im Jahr 2024 um 3,6 % beziehungsweise 4,6 % gesunken. Dementsprechend sanken für viele Deutsche auch die Raumheizkosten, zumal das Jahr 2024 in der Heizperiode gegenüber 2023 auch noch um 1,3 % wärmer war.
Für Fernwärmekunden gab es in Deutschland dagegen einen deutlichen Kostenanstieg um durchschnittlich 27,1 % im Vergleich zu 2023. Dass der Fernwärmeverbrauch im letzten Winter trotzdem um bundesweit durchschnittlich 24,1 % angestiegen ist, könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass viele Fernwärmebezieher Mieterhaushalte sind, deren Heizkosten über die Nebenkostenabrechnung berechnet werden. Viele Betroffene wissen also möglicherweise noch gar nicht, dass ihnen dieses Jahr deutliche Nachzahlungen blühen.