Ein detaillierter Blick auf ein historisches Steinhaus mit einem bogenförmigen Fenster, das von verwitterten, hellblauen Fensterläden aus Holz eingerahmt wird.
Klassische Fensterlüftung reicht in neuen oder energetisch sanierten Gebäuden oft nicht aus. (Quelle: Pixabay)

Haustechnik 2026-08-25T07:00:00Z Erste Branchenstudie zur Wohnungslüftung

Auf Initiative von sechs Verbänden ist erstmals eine wissenschaftliche Branchenstudie zum Thema Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung erschienen. Die Analyse beleuchtet das Marktpotenzial, identifiziert bestehende Hemmnisse sowie mögliche Treiber und informiert natürlich auch über die Vorteile der Technik in den Bereichen Energieeffizienz und Wohngesundheit.

Die 45-seitige Branchenstudie ist seit Juni als kostenloses PDF auf der Website der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) abrufbar. „Als Vorbild diente die Branchenstudie des Bundesverbands Wärmepumpe, die seit mehr als zehn Jahren zur Marke geworden ist“, verrät Ralf Lottes, Geschäftsführer des Bundesverbands für Wohnungslüftung (VfW). Sein Verband hat die erste Branchenstudie zur Wohnungslüftung gemeinsam mit fünf weiteren Branchenverbänden unterstützt und finanziell gefördert. Erstellt wurde sie vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG Dresden). „Sie ist also wissenschaftlich fundiert“, betont Lottes.

Hohe Energieeinsparungen möglich

Der offizielle Titel der Studie lautet „Wohnungslüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung – Marktpotenziale und -hemmnisse im Kontext von Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit“. Es geht also um Wohnungslüftungen mit Wärmerückgewinnung . Deren Vorteile wollen die sechs Verbände gegenüber Politik und Medien bekannter machen.

Cover der Studie „Wohnungslüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung – Marktpotenziale und -hemmnisse im Kontext von Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit“
Die Studie wurde im Juni veröffentlicht. (Quelle: dena / ITG)

Neben dem VfW stehen folgende Verbände hinter der Publikation: Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), Fachverband Gebäude-Klima (FGK), Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung (HEA), Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie (VdZ) und Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK).

Die Branchenstudie erscheint zwar als „dena-Analyse“, faktisch fungiert die Deutsche Energie-Agentur aber nur als Herausgeber. „Die dena ist als Partner für unser ‘erstes Mal’ sicher eine gute Partnerin, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen und die Transmission der Botschaften in die Politik zu forcieren“, erläutert Ralf Lottes.

Laut Analyse können marktübliche Wohnungslüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung (WRG) Lüftungswärmeverluste gegenüber freier Lüftung um 50 bis 70 % reduzieren. Dadurch sinke der Endenergiebedarf eines Wohngebäudes um 19 bis 27 %. Das Treibhausgas-Reduktionspotenzial beträgt im ambitioniertesten Szenario bis zu 2,3 Mio. Tonnen CO2 im Jahr 2045. Damit könnten WRG-Lüftungen rund 2 % der gesamten Treibhausgasemissionen des Gebäudesektors einsparen.

Zugleich unterstützen solche Lüftungssysteme den effizienten Betrieb von Wärmepumpen , da sie die Heizlast von Gebäuden reduzieren und damit zur Entlastung der Stromnetze beitragen.

Plus für die Wohngesundheit

„Die Studie zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial Wohnungslüftungssysteme für die Transformation des Gebäudesektors besitzen“, sagt Holger Thamm, Referent Wohnungslüftung beim Fachverband Gebäude-Klima (FGK). „Dabei geht es nicht allein um Energieeinsparungen, sondern ebenso um gesunde Innenräume und das Wohlbefinden der Bewohner, den Schutz der Bausubstanz und die langfristige Werterhaltung von Gebäuden.“

Der Aspekt der Wohngesundheit ist von großer Bedeutung, wenn man bedenkt, dass die Deutschen heutzutage bis zu 90 % ihrer Zeit in Innenräumen verbringen. Lüftungssysteme können in diesem Zusammenhang die Raumluftqualität verbessern, indem sie Feuchtigkeit reduzieren und somit dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit von Schimmelbildung zu reduzieren.

Parallel zur Veröffentlichung ihrer Branchenstudie haben die sechs Verbände ein Dokument mit politischen Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Darin fordern sie unter anderem, Innenraumluft- und Raumklimaqualität als baupolitische Zielgrößen ausdrücklich in Baustandards und Gesetzgebung zu verankern und in diesem Zusammenhang die Wohnungslüftung als präventive Maßnahme gegen Feuchteschäden, Schimmel und gesundheitliche Belastungen zu verstehen.

Hohes Marktpotenzial

Ein zentrales Thema der Branchenstudie ist das Marktpotenzial von Wohnungslüftungssystemen mit Wärmerückgewinnung bis zum Jahr 2045, das in verschiedenen Szenarien modelliert wird. Im besten Szenario könnte die Ausstattungsquote neuer und sanierter Wohnungen bis 2045 von derzeit rund 16 % auf über 45 % steigen.

Die Analyse macht zugleich deutlich, dass die Entwicklung des Marktes maßgeblich von politischen Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Neubauaktivität, Sanierungsrate und regulatorische Vorgaben würden entscheidend darüber bestimmen, wie schnell die vorhandenen Potenziale erschlossen werden können.

Neben regulatorischen Hemmnissen und den derzeit ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen identifizieren die Autoren der Analyse die mangelnde Bekanntheit der Technologie beziehungsweise fehlendes Wissen über ihre Vorteile als wesentliche Hemmnisse für eine stärkere Marktdurchdringung von WRG-Lüftungssystemen. Beim Thema Wärmewende im Gebäudesektor wird hierzulande eben viel über Heizsysteme und Gebäudedämmung gesprochen, während kontrollierte Wohnungslüftungssysteme als wichtiger Baustein oft übersehen werden.

Vor diesem Hintergrund soll die Branchenstudie nicht nur die Marktpotenziale verdeutlichen, sondern auch zu einer stärkeren Vereinheitlichung der Kommunikation innerhalb der Branche beitragen.

zuletzt editiert am 20. August 2026
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