Eine moderne, freistehende Badewanne läuft über und überschwemmt den Badezimmerboden.
Trockenestrich im Bad? Klar, wenn zum Beispiel zement- oder leichtbetonbasierte Platten zum Einsatz kommen. (Quelle: KI-generiert (ChatGPT))

Trockenestriche 2026-02-05T00:00:00Z Estrichsysteme: Mit allen Wassern gewaschen

Estrichsysteme aus Gipsfaserplatten und Zement sind sehr einfach zu verarbeiten und bieten sich wegen des geringen Gewichts und den Vorteilen bei der Bauzeit in Alt- und Neubau an. So gelingt die Anwendung auch in Badezimmer, Großküche und Co.

Nach anfänglichen Vorbehalten haben sich Trockenestrichsysteme mittlerweile auch in Feuchträumen durchgesetzt. Zurückzuführen ist das auch auf Entwicklungen der Gipsindustrie, die zunächst speziell imprägnierte Platten produziert hat, die bei entsprechender Verarbeitung für Räume mit normalen Feuchtebeanspruchungen, wie sie beispielsweise im häuslichen Bad oder in Nasszellen von Büros, Krankenhäusern und Schulen bestehen, eingesetzt werden können. Dazu bietet die Industrie zu diesem Zweck geeignete Dichtsysteme an. Aber auch mit der entsprechenden Vorbehandlung beschränkt sich der Einsatz der traditionellen Trockenestrichsysteme auf die Wassereinwirkungsklassen W0 bis W1-I. .

Zementgebundene Estrichelemente können hingegen in jenen hochbeanspruchten Feuchtigkeitsbereichen eingesetzt werden, die den klassischen Trockenestrichen verschlossen bleiben. Dabei verbinden sie vor allem die Vorteile von trocken verlegten Estrichsystemen aus Gipswerkstoffplatten mit den Vorteilen von Nassestrichen. Sie sind absolut stabil, wasserfest und widerstandsfähig gegen Chemikalien und Desinfektionsmittel. Ebenso wie konventionelle Nassestriche sind sie in allen Bereichen einsetzbar, in denen ein massiver Bodenaufbau gefordert wird. Die Verarbeitung ist daher problemlos in allen Arten von Nassräumen möglich.

Zementgebundene Trockenestriche für den Nassraum haben ein großes Anwendungsspektrum

Zementgebundene Estrichelemente wie Aquapanel Cement Board floor oder Fermacell Powerpanel TE wurden speziell für Bodenkonstruktionen in Nassräumen mit dauerhafter und hoher Feuchtigkeit entwickelt. Die beidseitig mit einem alkaliresistenten Glasgittergewebe armierten Leichtbeton-Platten mit Sandwichstruktur können daher neben den Wassereinwirkungsklassen W0 und W1-I vor allem für alle höheren Klassen bis W3-I eingesetzt werden. Das sind zum Beispiel Böden in Schwimmbädern oder Duschanlagen von Sportstätten.

Neben der Unempfindlichkeit bei starker Feuchtebeanspruchung sind die zementgebundenen Elemente diffusionsfähig, resistent gegen Schimmelpilzbefall und nicht brennbar (Baustoffklasse A1). Ein relativ geringes Gewicht (25 kg/Element beim Powerpanel TE, 20/21 kg beim Cementboard floor) sowie das handliche Format machen die Verarbeitung auch für nur eine Person möglich.

Die zementgebundenen Trockenestriche werden ähnlich einfach wie gipsgebundene Elemente verarbeitet. Zuschnitte lassen sich mit der Handkreissäge und einem diamantbesetzten Sägeblatt herstellen. Um Verschnitt zu reduzieren und Kreuzfugen zu vermeiden, wird im schleppenden Verband verlegt. Eine vollständige Belastung sowie das Aufbringen der endgültigen Oberbeläge ist nach Abbinden des Klebers – bei normalen Raumtemperaturen müssen dafür etwa 24 Stunden einkalkuliert werden – möglich.

Fliesarmierte Gipskartonplatte als Zwischenlösung

Seit einiger Zeit bietet Rigips eine feuchtebeständige Gipsplatte an, die für die Anwending in Bad und Nassraum geeignet ist. Der Hersteller empfielt sie bis zur Wassereinwirkungsklasse W3-I. Der Vorteil? Das im Vergleich zur zementgebundenen Platte geringe Gewicht von 20,5 Kg pro Quadratmeter (in der dicksten erhältlichen Plattenstärke).

Trockenestrich im Badezimmer: Auf den Untergrund kommt es an

Grundsätzlich ist für die Verlegung von Trockenestrichelementen eine vollflächige Auflage und ein tragfähiger, trockener Untergrund erforderlich. Gegebenenfalls sind entsprechende Ausbesserungen durchzuführen. Trockenbaufachunternehmen bietet sich hier ein zusätzliches Arbeitsfeld: Unebenheiten im Untergrund können je nach Beschaffenheit mit einem selbstnivellierenden Fließspachtel oder mit Trockenschüttungen schnell und einfach beseitigt werden.

Für den Einbau von bodengleichen Duschen im bauaufsichtlich geregelten Bereich bieten einige Hersteller systemkompatible Bodenablaufsysteme als Komplettsystem an. Damit werden Schwachstellen, die sich oftmals durch einen Mix von nicht systemkonformen Elementen ergeben, weitgehend ausgeschlossen.

Oberbeläge auf Trockenestrich: Alles ist möglich

Ebenso wie herkömmliche Trockenestrichsysteme können auch die Zementelemente nach der Verlegung mit den verschiedensten Oberbelägen versehen werden. Dabei dürfte es je nach System für viele Anwendungen bei der Verlegung ausreichen, nur die Schraubenköpfe und Stoßfugen zu verspachteln. Hochwertige glatte Bodenflächen, wie sie etwa für die Verlegung dünner Bodenbeläge erforderlich sind, können mit einem Feinspachtel hergestellt werden.

Im häuslichen Bereich, etwa im Bad, empfehlen die Hersteller vor dem Verfliesen im direkten Schwallwasserbereich den Einsatz eines geeigneten Abdichtungssystems. Die einzelnen Komponenten des Abdichtungssystems werden direkt auf den Fertigestrich aufgetragen. Zusätzlich ist es erforderlich, die Randanschlüsse Wand/Boden, die Anschlüsse der Bodenablaufelemente sowie Bewegungsfugen und Anschlussfugen mit zum System gehörenden Dichtbändern, Dichtecken und Dichtmanschetten auszuführen.

Sobald das Abdichtungssystem aufgetragen ist, können Fliesen aus keramischem Material, aus Kunststoff oder Naturstein problemlos im Dünnbett- oder Mittelbettverfahren verlegt werden.

Autor
Ulrich Wolf
Redaktion ausbaupraxis.de

Keyvisual und Teaserbild: fermacell

zuletzt editiert am 05. Februar 2026