DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks warnt vor einer „tiefen Verunsicherung in der Breite der Wirtschaft“. (Quelle: DIHK / Werner Schuering)

Aktuell 2024-10-07T07:00:00Z EU-Klimaziele unrealistisch?

Das von der EU-Kommission vorgeschlagene Klimaziel für 2040 sieht eine 90-prozentige Verringerung der Netto-Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 vor. Die Verbände DIHK und VKU haben im Rahmen der Vorstellung einer neuen Studie „mehr Realitätssinn“ eingefordert – insbesondere in „trägen Sektoren wie Verkehr und Gebäude“.

Am 1. Oktober haben die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) in Berlin die Studie „Mögliche Auswirkungen eines EU-Klimaziels von minus 90 % für 2040 auf Deutschland“ vorgestellt (Direktlink zur Studie hier ).

Ein Kernergebnis: Nach Emissionsprognosen der EU-Mitgliedstaaten wird bereits das für 2030 anvisierte europäische Ziel einer 55-prozentigen CO2-Reduktion verfehlt. Das Erreichen eines 2040-Ziels von minus 90 %, das auf der Zielerreichung 2030 aufbaut, gerate damit außer Reichweite.

Optimistische Annahmen

Die Studie stellt dar, dass das vorgeschlagene Klimaziel 2040 auf optimistischen Annahmen beruht, beispielsweise in Bezug auf die Verfügbarkeit von Technologien, Fachkräften, Rohstoffen und den Mitteln für Investitionen. Wenn diese nicht eintreten, drohen aus Sicht und DIHK und VKU mehr Regulierung, steigende Kosten sowie politische und wirtschaftliche Verwerfungen.

Die knapp 70-seitige Studie wurde Anfang Oktober veröffentlicht. (Quelle: DIHK / VKU)

Die Formulierung immer neuer, höherer Klimaziele führe „zu einer tiefen Verunsicherung in der Breite der Wirtschaft“, warnt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. „In vielen Unternehmen vergrößert sich die Sorge, dass die politischen Einsparziele zu noch mehr Regulierungen und weiteren Preiserhöhungen für Energie führen. Dabei sind die Kosten für Strom und Gas bereits heute schon problematisch hoch.“

VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing pflichtet dem bei: „Deutschland trägt bereits jetzt überproportional zu den rechtsverbindlichen europäischen CO2-Minderungszielen bei. Ein neues EU-Klimaziel von minus 90 % bis 2040 würde das weiter verschärfen. Der Fokus sollte stattdessen darauf liegen, die 2030-Ziele (‚Fit for 55‘) des EU Green Deal zu erreichen.“

Mehr Realitätssinn gefordert

Die EU-Kommission betont, dass ihr anvisiertes Reduktionsziel für 2040 zwar anspruchsvoll sei, aber eine wissenschaftliche Notwendigkeit darstelle, um die schlimmsten Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels abzumildern.

In der Studie von DIHK und VKU heißt es, das vorgeschlagene Ziel für 2040 sei nur durch rechtzeitiges, koordiniertes und entschlossenes Handeln in allen Sektoren zu erreichen. Unter anderem müsse der Stromsektor einen Anteil von 81 bis 87 % erneuerbarer Energien erreichen, der Verkehr zu 75 % elektrifiziert sein und der Energieverbrauch von Gebäuden um 50 % sinken.

DIHK und VKU plädieren für „mehr Realitätssinn“. Es sei kontraproduktiv, langfristige Ziele zu verschärfen, wenn man kurzfristigere nicht erreiche. Der Fokus sollte stattdessen darauf liegen, wie das Ziel für 2030 kosteneffizient und wirtschaftlich tragbar angestrebt werden kann.

„Es ist wichtig, die Klimaziele möglichst schnell zu erreichen“, betont VKU-Hauptgeschäftsführer. „Aber der Weg zur Klimaneutralität kann nicht beliebig verkürzt werden, insbesondere in trägen Sektoren wie Verkehr und Gebäude.“ Das zeige sich aktuell bei der Wärmeplanung und dem Ausbau der Fernwärme, bei denen kommunale Unternehmen eine zentrale Rolle spielten.

zuletzt editiert am 04. Oktober 2024
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