Ein modernes Gebäude mit einer Holzfassade und grünen Fensterrahmen, daneben ein alter Pferdestall in Fachwerkbauweise.
Die FNR-Zentrale und der benachbarte Pferdestall (im Hintergrund). (Quelle: FNR/ M. Plothe)

Plus 2025-03-13T08:00:00Z Fledermäuse besiedeln Holzfassade

Die Zentrale der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe befindet sich schon seit 2011 in einem Neubau im mecklenburgischen Gülzow. Was erst kürzlich auffiel: In der holzbeplankten Fassade des Gebäudes lebt mittlerweile eine beachtliche Population von Mückenfledermäusen. Bei den Tieren handelt es sich um die kleinste europäische Fledermausart.

Der Neubau der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. ( FNR ) entstand zwischen 2010 und 2011 auf dem Grundstück einer ehemaligen Kartoffelhalle am Hofplatz 1 neben dem denkmalgeschützten Gutsensemble in Gülzow (Landkreis Rostock). In ihm arbeiten derzeit 31 der insgesamt etwa 150 FNR-Mitarbeiter. Die Fachagentur agiert als Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und wurde 1993 auf Initiative der Bundesregierung ins Leben gerufen, um Forschungsprojekte im Bereich nachwachsender Rohstoffe zu koordinieren.

Quartier in Eichenholzverschalung

Passend zur Tätigkeit des Vereins wurde die FNR-Zentrale in Holzrahmenbauweise errichtet, der Ausbau erfolgte mit zahlreichen Naturbaustoffen, die CO2 speichern und vom Einbau bis zur Entsorgung zu Klimaschutz und Wohngesundheit beitragen. Die Fassade des Gebäudes wurde mit recycelten, bei Abrissarbeiten regional angefallenen Eichenhölzern verkleidet.

Eine kleine Fledermaus wird sanft in einer Hand gehalten.
Die Mückenfledermaus ist nur daumengroß und leicht wie eine 20-Cent-Münze. (Quelle: biota-Institut Bützow)

Es ist diese Eichenholzverschalung, die sich nun als ideales Quartier für Mückenfledermäuse entpuppt hat. „Die Tiere bevorzugen verschiedene Spaltenquartiere an und in Gebäuden; die Holzverschalung am FNR-Neubau ist für sie sehr geeignet“, weiß Dipl.-Ing. (FH) Matthias Grothe, stellvertretender Arbeitsgruppenleiter am Bützower biota-Institut für ökologische Forschung und Planung, der seit Jahren die Fledermausbestände in Mecklenburg-Vorpommern untersucht.

Die Besiedelung der Eichenholzfassade wurde infolge von Sanierungsarbeiten entdeckt, die nicht am FNR-Neubau, sondern am benachbarten, denkmalgeschützten Pferdestall stattfanden. Dessen Dachboden hatte Grothe vor Beginn der Sanierung routinemäßig auf Brut- und Nistaktivitäten von Vögeln und Fledermäusen untersucht. Er fand dort einige von Fledermäusen genutzte Einzelhangplätze und wusste sogleich, dass sich irgendwo in der Nähe ein größerer Bestand befinden musste.

Matthias Grothe: „Es ist typisch für die Mückenfledermaus, dass sich männliche Einzelgänger im Umfeld der von Weibchen und Jungtieren besiedelten Wochenstuben aufhalten“. Auf diese Weise rückte die „Wochenstube“ der Mückenfledermäuse im vis-á-vis gelegenen FNR-Neubau ins Blickfeld.

Mehrere hundert Exemplare

Ende Juli 2024 konnte Grothe bei Anbruch der Dämmerung den Fledermausausflug am FNR-Bau beobachten und danach auf einen recht „großen Bestand“ schließen: „Bei Mückenfledermäusen lassen sich oft ausgesprochen hohe Individuenzahlen im Wochenstubenquartier nachweisen. „Uns sind in Mecklenburg-Vorpommern Bestände von bis zu 1.000 Tieren bekannt“. In Gülzow sind es zwar „nur“ mehrere hundert Exemplare, besiedelt sind inzwischen aber alle vier Fassadenseiten des Gebäudes – mit besonderem Fokus auf der Ostseite.

Eine moderne Holzfassade mit grünen Akzenten, die ein innovatives architektonisches Design zeigt.
Die Holzverschalung auf der Gebäude-Ostseite ist bei den Fledermäusen besonders beliebt. (Quelle: FNR/ M. Plothe)

Dass die Population zuvor den aktuell im Umbau befindlichen Pferdestall besiedelt haben könnte, schließt Grothe aus, da man auf dem dortigen Dachboden in dem Fall größere Mengen Kot hätte finden müssen. Denkbar sei stattdessen, dass die Tiere aus der Gülzower Sporthalle umgezogen sind. „Ein Quartierwechsel kommt bei den meisten Fledermausarten regelmäßig vor“, erläutert der Experte.

Die Sanierung des einstigen Pferdestalls am Gülzower Gutshaus hängt übrigens auch mit der FNR zusammen. Das Gebäude soll bis Ende dieses Jahres zum modernen Bürohaus umgebaut werden und dann Arbeitsstätte für 22 weitere Mitarbeiter der Fachagentur werden. Der 35 m lange und 14 m breite Fachwerkbau wurde in den 1990er-Jahren unter Denkmalschutz gestellt.

Zwitschern in der Fassade

Die Mückenfledermaus gehört zu den lebendgebärenden Säugetieren. Sie steht unter Naturschutz und besiedelt vor allem naturnahe Auwälder und gewässernahe Laubwälder. Ihre Wochenstubenquartiere sind häufig in Außenverkleidungen von Häusern, in Hohlwänden oder Baumhöhlen zu finden. Es handelt sich um eine der kleinsten Fledermausarten – mit einer Körperlänge vom maximal 5 cm und einem Gewicht von 4 bis 7 Gramm.

„Die Mückenfledermaus ist eine der häufigen Fledermausarten und bei uns in Mecklenburg-Vorpommern weit verbreitet“, berichtet Matthias Grothe. Besonders gut beobachten lassen sich die nachtaktiven Tiere in den Monaten Juni und Juli beim Ausschwärmen in der Dämmerung, und etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang beim Einflug. Dann lassen sich sogar mit dem menschlichen Ohr vernehmbare „Soziallaute“ hören. „Es zwitschert in der Fassade“, wie Fledermaus-Experte Grothe verrät.

Matthias Grothe hat auch einen Tipp parat für den Fall, dass in der Aufzuchtzeit eine herabgefallene, noch nicht flügge Mückenfledermaus gefunden werden sollte: „Das Jungtier sollte möglichst katzensicher an einen erhöhten Ort gesetzt und gegen Zug und Auskühlung geschützt werden“, empfiehlt er. „Die Mutter findet das Junge im besten Fall anhand seiner Rufe und seines Geruchs wieder. Es krallt sich an sie und lässt sich in Sicherheit bringen.“

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zuletzt editiert am 10. März 2025
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