Fräsmaschine im Einsatz.
Fräsmaschine im Einsatz. (Quelle: Nordwærme)

Panorama 2026-01-06T08:00:00Z Fußbodenheizung in Alt-Estrich fräsen

Wärmepumpen sind in vielen Altbauten mit hohem Sanierungsaufwand verbunden – zumindest, wenn der nachträgliche Einbau einer Niedertemperatur-Flächenheizung in den Bestandestrich gewünscht oder notwendig ist. Das Startup Nordwærme bietet dafür nun eine Lösung: Mit Spezialmaschinen lassen sich Kanäle für Heizrohre direkt in Bestandsböden fräsen.

Nach Angaben des Hamburger Startups lassen sich die Kosten einer energetischen Sanierung mit dem innovativen Verfahren um 30 bis 60 % reduzieren. Das junge Unternehmen rüstet dafür alte Gebäude durch ein spezielles Fräsverfahren mit Fußbodenheizungen nach. Die größere Heizfläche ermöglicht effizienteres Heizen bei niedrigeren Temperaturen, was in der Regel besser zum Betrieb von Wärmepumpen passt.

Niederländische Spezialmaschinen

Das neuartige Verfahren ermöglicht den nachträglichen Einbau einer Fußbodenheizung in einen alten Estrich ohne Bodenaufriss oder größere Aufbauhöhen. Nordwærme setzt dabei auf niederländische Spezialmaschinen, um die Kanäle für die schlaufenförmig verlegten Rohre der späteren Warmwasser-Flächenheizung direkt in den Bestandsboden zu fräsen.

Ein Arbeiter bedient eine Bodenfräsmaschine.
Fräsung in Bestandsboden mit Maschinenpark. (Quelle: Nordwærme)

Die innovative Methode soll es ermöglichen, Fußbodenheizungen in Bestandsestriche binnen weniger Tage und mit vergleichsweise geringem Aufwand einzubauen. Bisher musste dazu der bestehende Estrich aufwändig herausgerissen oder das Bodenniveau angehoben werden. Letzteres erfordert in der Regel kostspielige Anpassungen an Türen und Treppen.

Für die Fräsmethode ideal ist ein fachgerecht verlegter Estrich ab 40 mm Stärke. Dazu passen dann die 16 mm-Standard-Heizrohre, die Nordwærme neben den Fräsmaschinen gleich mitliefert. Ab einer Estrichhöhe von lediglich 30 mm sind Sonderlösungen nötig. Für seine verlegten Kunststoffrohre garantiert das Startup eine erweiterte Gewährleistung von zehn Jahren.

Kann man auch andere Beläge fräsen?

Die Frästechnik ist sowohl mit klassischem Nassestrich als auch mit Trockenestrich oder Speziallösungen wie Gussasphalt möglich – laut Nordwærme fast staubfrei.

Eine Fräsung durch Fliesen und Terracotta soll ebenfalls möglich sein, ist aber mit Mehrkosten verbunden. Die Fliesen können beim Fräsen teilweise oder ganz herausspringen und müssen dann im Nachgang zusätzlich ausgeglichen werden – räumt das Startup ein. Bodenbeläge aus Holz oder aus Kunststoffen wie zum Beispiel Vinyl können nicht durchfräst werden, sondern sind vorab zu entfernen.

Für seine Kunden übernimmt Nordwærme nicht nur die Fräsarbeiten, sondern auch die anschließende Verlegung der Heizrohre und den Anschluss an den Heizkreisverteiler. Das ist das Bauteil der Flächenheizung, in dem alle Rohrschleifen zusammenlaufen – üblicherweise untergebracht in einem Verteilerschrank. Der finale Anschluss an den Wärmerzeuger (die Heizungsanlage) wird nicht von Nordwærme übernommen, sondern obliegt dem Heizungsinstallateur.

Auf die im Estrich verlegte Fußbodenheizung lassen sich unterschiedlichste Bodenbeläge verlegen – von Fliesen über Vinyl und sonstige Designbeläge bis hin zu Parkett.

Wärmewende vorantreiben

Mit seiner Fräslösung will Nordwærme die Wärmewende bei Bestandsgebäuden vorantreiben, indem sauberes Heizen bezahlbar wird. „Die Nachrüstung dauert in der Regel etwa eine Woche und kostet beispielweise bei 150 m2 meist zwischen 5.000 und 10.000 Euro“, sagt Geschäftsführer David Burckhardt, der Nordwærme vor drei Jahren zusammen mit Sönke Löser gegründet hat. „Klassische Verfahren kosten mit den entsprechenden Folgekosten durch höheren Boden-Neuaufbau, Austausch von Türen und Fenstern nicht selten 50.000 bis 100.000 Euro und dauern Monate länger.“

Praxiserprobt ist das Verfahren bereits. Nordwærme hat nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 2.000 Häuser – überwiegend Einfamilienhäuser – mit eingefrästen Fußbodenheizungen nachgerüstet. Das Unternehmen beschäftigt heute 18 Mitarbeitende.

Flexibel einsetzbar

Natürlich ist eine Heizungsanlage ohne fossile Brennstoffe am besten fürs Klima. Die Nordwærme-Methode ist gleichwohl nicht nur mit Wärmepumpen kombinierbar. Ausgetauscht werden ja schließlich nur die Heizkörper, nicht die Heizungsanlage.

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An die Stelle klassischer Heizkörper treten die Heizschlaufen der Fußbodenheizung, die aufgrund ihrer wesentlich größeren Fläche ein effektives Heizen mit deutlich geringerer Heiztemperatur erlauben. Das Wasser in diesen Heizschlaufen lässt sich per Wärmepumpe, aber eben auch mithilfe von Gas, Öl oder Pellets erwärmen. Für all diese Varianten gilt, dass sich mit der Flächenheizung effizienter und sparsamer heizen lässt als mit klassischen Heizkörpern.

zuletzt editiert am 05. Januar 2026