Mit Grauwasseranlagen lässt sich der Wasserverbrauch erheblich reduzieren. (Quelle: Dehoust, Leimen)

Plus 2023-12-05T14:43:19.692Z Grauwasser-Recycling – eine klare Sache

Statt gering verschmutztes Wasser vom Duschen oder Händewaschen direkt ins Abwassersystem einzuspeisen, kann man es auch per Grauwasseranlage aufbereiten und mehrfach nutzen. So lässt sich Wasser einsparen, und die Kosten für Trinkwasser und Abwasser fallen. Der Anlagen-Hersteller Dehoust setzt beim Grauwasser-Recycling auf eine Kombination von Abwasserbakterien und Ultrafiltration.

Nach Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft lag der Trinkwasserverbrauch in deutschen Haushalten im Jahr 2022 bei 125 Litern pro Person. Der überwiegende Teil davon wurde allerdings gar nicht getrunken oder zum Kochen verwendet, sondern diente zur Reinigung, Körperpflege und für die Toilettenspülung. In den meisten Haushalten wird dieses Wasser – obwohl nur gering verschmutzt – gleich wieder in den Abwasserkanal gespült und belastet infolgedessen zusätzlich die kommunalen Klärwerke.

Vorteile von Grauwasserrecycling

Abwasser, welches aus Duschen, Badewannen und Handwaschbecken stammt, bezeichnet man auch als  Grauwasser . Im Gegensatz zu Schwarzwasser ist es frei von Fäkalien und in der Regel nur gering verschmutzt. Mit  Grauwasseranlagen  wie denen der Dehoust GmbH (Leimen) lässt sich der eigene Wasserverbrauch durch Zweitnutzung erheblich reduzieren.

Die Grauwasseraufbereitung erfolgt in mehreren Schritten. (Quelle: Dehoust, Leimen)

Grauwasser kann man nämlich durch Aufbereitung als Betriebswasser wiederverwenden – zwar nicht zum Trinken oder Kochen, aber sehr wohl für die Toilettenspülung, Waschmaschine oder zur Gartenbewässerung. So reduziert sich unterm Strich auch der Trinkwasserverbrauch. Zu Betriebswasser aufbereitetes Grauwasser ist langfristig speicherbar. Seine Qualität muss den Anforderungen der europäischen Norm EN 16941-2 entsprechen („Vor-Ort-Anlagen für Nicht-Trinkwasser – Teil 2: Anlagen für die Verwendung von behandeltem Grauwasser“). Dann ist Betriebswasser hygienisch unbedenklich, klar, schwebstofffrei und frei von Geruchsemissionen.

Neben der Einsparung von wertvollem Trinkwasser bietet die Installation einer Grauwasseranlage weitere Vorteile. So gibt es mittlerweile auch in Deutschland Regionen, die die Trinkwasser-Nutzung zur Gartenbewässerung untersagen. Die Zweitnutzung von Grauwasser zu diesem Zweck ist aber nicht verboten. Die Investition in eine Anlage steigert außerdem den Wert einer Immobilie. „Bauherren und Planer können durch den Einbau höhere Zertifizierungsklassen nach BREEAM, LEED oder beim  DGNB  erreichen“, erläutert Dehoust-Geschäftsführer Andreas Bichler.

Nach Angaben von Dehoust ist die Amortisationszeit kurz, da Kunden durch reduzierte Trinkwasserkosten und Abwassergebühren Geld sparen. Zudem gewähren viele Gemeinden Fördergelder für die Anschaffung von Grauwasser-Recyclinganlagen.

Funktionsweise der Dehoust-Anlagen

Dehoust setzt bei seinen Grauwasseranlagen auf mechanisch-biologische Filterung – ganz ohne Chemie. Im ersten Schritt erfolgt die Grobfiltration. Ungelöste Wasserinhaltsstoffe wie Haare oder Textilflusen werden dabei aus dem Grauwasser entfernt. Danach werden organische Schmutzstoffe wie Duschgel oder Seife durch Abwasserbakterien aerobisch-biologisch abgebaut. Die Belüftung im Tank wird gesteuert, Partikel und Schwebstoffe setzen sich als Sediment am Boden ab.

Die vollautomatische Steuerung erfolgt über einen Touchscreen. (Quelle: Dehoust, Leimen)

Bei der Ultrafiltration reinigt der Membranfilter das vorbehandelte Grauwasser. Anschließend erfolgt eine Rückspülung des Membranfilters mit Betriebswasser, das dabei aber nicht verloren geht. Nach 10.000 Betriebsstunden erfolgt die Grundwartung. Der Membranfilter wird bedarfsabhängig nach ein bis zwei Jahren ausgetauscht.

Die Steuerung der Anlagen erfolgt vollautomatisch und regelt den Reinigungsprozess abhängig von der Verschmutzung. Bei den Aufbereitungsanlagen „Dehoust GWtec“ erfolgt die vollautomatische Steuerung über ein hochauflösendes Vier-Zoll-Touchscreen („Dehoust-Connect“). Das Webinterface ermöglicht den Echtzeitzugriff auf alle Anlagenprozesse wie Aufbereitungsleistung oder den Filter-Status. Der Zugriff kann per Smartphone, Tablet oder PC erfolgen. Die Online-Überwachung benachrichtigt Anwender rechtzeitig über anstehende Wartungen.

Das gereinigte Grauwasser (Betriebswasser) wird bis zur Verwendung gespeichert. Ist kein Betriebswasser im Speicher vorrätig, erfolgt die Trinkwassernachspeisung über eine integrierte Trinkwassertrennstation nach EN 1717. Die Anlagen arbeiten mit einem Verbrauch von 0,3 bis 0,5 kWh pro Quadratmeter behandeltem Grauwasser.

Flexible Dimensionierung

„Besonders Gebäude mit erhöhtem Wasserverbrauch durch Duschen und Händewaschen eignen sich für die Installation einer solchen Grauwasseranlage“, sagt der Dehoust-Geschäftsführer. „Dazu zählen beispielsweise Hotels, Mehrfamilienhäuser, aber auch Fitnessstudios.“ Klar: Bei solchen Gebäuden entfaltet die Effizienz der Anlagen ihre volle Wirkung. Doch auch bei Einfamilienhäusern kann Grauwasser bis zu 50 % des Abwassers ausmachen, sodass sich eine Recyclinganlage lohnt.

Dehoust hat daher Grauwasseranlagen für verschiedene Wassermengen konzipiert. Für Einfamilienhäuser empfiehlt der Hersteller das Modell GWR 300. Der Name ist Programm, denn diese Anlage reinigt bis zu 300 Liter täglich. Bauliche Voraussetzung für das Einsteigermodell von Dehoust ist der Anschluss an die eigene Abwasserleitung. Dann können Verbraucher ihre Toilette oder den Garten durch eine Betriebswasserleitung versorgen.

Das Modell GWM 3000 kommt in mittleren bis großen Wohnobjekten zum Einsatz. Es kann täglich bis zu 3.000 Liter filtern. Die Anlage GWtec 440 wiederum ist mit 20.000 Litern für Großprojekte ausgelegt. Eine individuelle Anlagenkonfiguration ist durch verschiedene Tankgrößen, erweiterte Belüftungseinheiten und das Regenwasser-Zubringerpaket möglich.

zuletzt editiert am 28. Februar 2024