Weit über tausend neue Wohneinheiten auf einen Schlag: Die Friedenauer Höhe in Berlin ist eines der größten Wohnungsbauprojekte der Hauptstadt. Die keramische Lösung für die Fassade vereint eine abwechslungsreiche Optik mit Langlebigkeit und erfüllt zudem alle Anforderungen an Statik und Wirtschaftlichkeit. Zum Einsatz kamen keine Vollsteine, sondern Klinkerriemchen vom Hersteller Hagemeister.
Beim Quartier Friedenauer Höhe auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf standen die Planenden vor einer Herausforderung: Die Fassade musste widerstandsfähig sein, da der 1.350 Wohneinheiten fassende massive Gebäuderiegel direkt an der stark frequentierten S-Bahn-Trasse der Berliner Ringbahn errichtet wurde. Die gefundene Lösung liefert eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie sich bei einer solchen Großsiedlung statische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit vereinen lassen, ohne dass die Architektur in Monotonie erstarrt.
Wirtschaftlich und wartungsfrei
Den Planenden war schnell klar, dass an diesem Ort eine Putzfassade nicht infrage kam, da diese durch Feinstaub und Witterung binnen weniger Jahre stark in Mitleidenschaft gezogen würde. Ein massives zweischaliges Mauerwerk wiederum hätte die Kosten bei dem Riesenprojekt zu stark in die Höhe getrieben. Die Entscheidung fiel daher auf eine einschalige Klinkerfassade. Aus Kostengründen kamen allerdings keine Klinker -Vollsteine zum Einsatz, sondern flache Klinkerriemchen von Hagemeister.

Riemchen sind nicht nur günstiger als Vollsteine. Beim Wilmersdorfer Objekt reduzieren sie auch das Gewicht der Fassade deutlich. Das wiederum senkt die Anforderungen an das Tragwerk und hilft damit, Beton und Stahl einzusparen – ein wesentlicher Kostenfaktor im Rohbau. So hat das Material in Berlin eine hochwertige Fassadengestaltung erlaubt, die dennoch im engen Kostenrahmen des geförderten und freien Wohnungsbaus blieb.
Die Wirtschaftlichkeit setzt sich im laufenden Betrieb fort: Klinker ist resistent gegen Verschmutzung durch Algen- und Pilzbefall und muss nicht in regelmäßigen Intervallen gestrichen werden. In urbanen Kontexten wie an der Berliner Ringbahn kann die Wartungsfreiheit ein entscheidender Hebel in der Bilanz von Wohnungsbaugesellschaften und Investoren sein. Wer den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes kalkulieren muss, kann durch die Wahl von Fassadenklinkern spätere Folgekosten erheblich minimieren.
Hell und Dunkel im Kontrast
Gestalterisch barg die schiere Länge des Gebäuderiegels die Gefahr städtebaulicher Monotonie. Um die mehrere 100 m lange Front entlang der Gleise optisch aufzubrechen, entwickelte das Planungsbüro Grüntuch Ernst Architekten BDA in Zusammenarbeit mit Hagemeister ein Konzept basierend auf Kontrast und Dreidimensionalität.

Zum Einsatz kamen helle Klinkersortierungen („Weimar“, „Farsund“) im Wechsel mit dunklen Bränden („Manchester“, „Liverpool“). Entscheidend für die Wirkung ist auch die Geometrie: Die Fassade ist in geschosshohe, leicht trapezförmige Elemente gegliedert, die wie Schindeln dreidimensional hervorspringen. Dieser Effekt sorgt dafür, dass sich die Ansicht des Gebäudes je nach Blickwinkel und Fahrtrichtung der S-Bahn verändert. Es entsteht eine optische Bewegung, die dem starren Gebäude die Schwere nimmt.
Projekte dieser Dimension stellen Hersteller vor allem logistisch auf die Probe: Sie müssen Sortierungen in großen Mengen verlässlich bereitstellen können. Hagemeister hat seine Riemchen-Fertigung 2024 erweitert, um Volumina wie an der Friedenauer Höhe problemlos bedienen zu können.
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