Unter dem Markennamen „TRIQBRIQ“ erobert seit rund drei Jahren ein neues Massivholz-Bausystem die Bauwelt. Es ermöglicht tragende Gebäudewände aus speziellen Holzbausteinen, die auf der Baustelle wie Ziegelsteine im Verband verlegt werden – allerdings ganz ohne Mörtel oder Kleber. Der Hersteller verspricht schnelles und kostengünstiges Bauen mit einem Baustoff, der nicht nur nachhaltig in der Herstellung, sondern auch problemlos rückbau- und wiederverwendbar sein soll.
Das Unternehmen Triqbriq wurde 2021 in Stuttgart gegründet. Ein Jahr später eröffnete das Holzbau-Start-up sein Produktionswerk im benachbarten Tübingen, rund 30 km südlich der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Dort werden seitdem eigens entwickelte und zum Patent angemeldeten Holzbausteine hergestellt. Mit diesen „BRIQs“ lassen sich schnell und einfach komplette Massivholzwände zusammenbauen – auch tragende Außenwände. Der Hersteller bietet sie derzeit in drei Wandstärken (16,66 cm, 25 cm, 30 cm) sowie in unterschiedlichen Längen an.
Patentierte Holzbausteine
Triqbriq-Wände sind aus mehreren Gründen nachhaltig. Für die Steine kommt unbehandeltes Nadelholz aus regionaler Herkunft zum Einsatz. Besonders ist, dass in die Herstellung auch Alt- und Abfallholz beziehungsweise Kalamitätsholz von eher niedriger Qualität einfließt: zum Beispiel Insektenholz, Kronenschnitt und Kernholz, aber auch recyceltes Holz von Baustellen oder Abrissen. Bisher werden solche Hölzer mangels anderer Verwertungsmöglichkeiten meist verbrannt.

Auch wenn es sich bei den einzelnen Bestandteilen eines Briq um Holz zweiter Wahl handeln mag, ist der daraus hergestellte Holzbaustein trotzdem hoch belastbar. Jeder einzelne Stein besteht aus mehreren kleinen, mit Dübeln verbundenen Holzteilen. Die hohe Belastbarkeit der Steine ergibt sich nach Angaben des Stuttgarter Start-ups aus dem „mikro-modularen“, dreiachsigen Zusammenbau der Briqs. Selbst wenn einzelne Holzelemente austrocknen, Feuchtigkeit aufnehmen oder sich ein wenig verdrehen sollten, würden dadurch die Außenmaße der Briqs und damit auch der Wände nicht beeinträchtigt.
Nachhaltig ist das Massivholz-Bausystem auch deshalb, weil sowohl jeder einzelne Briq als auch die daraus gebauten Wände ausschließlich durch mechanische Verbindungselemente zusammengehalten werden, die ihrerseits aus Holz bestehen. Es gibt weder metallische Verschraubungen noch Verleimungen. Letzteres hat den Vorteil, dass im Rahmen des Wandbaus keinerlei Trocknungszeiten anfallen. Am Ende der Nutzungsphase eines Gebäudes lassen sich die Briqs zudem einfach wieder abbauen und sortenrein einer Wiederverwendung zuführen.
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Einsatzspektrum und Verarbeitung
Die zirkulären Holzbausteine sind für Außen- und Innenwände unterschiedlichster Neubauten einsetzbar. Das Einsatzspektrum reicht von Wohnhäusern über Büro- und Gewerbebauten bis hin zu öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen. Auch Aufstockungen oder sonstige Erweiterungen von Bestandsgebäuden sind möglich.

Auf der Baustelle lassen sich die Briqs wie Ziegelsteine im Verband aufschichten – also mit versetzten Fugen. Nur dass man dafür keinen Mauermörtel braucht. Stattdessen werden die Steine untereinander mit Noppen und Sacklöchern verbunden und über Buchenholzdübel verriegelt. Die Verarbeitung ist nach Hersteller-Angaben schnell und leicht erlernbar. Das Ergebnis ist eine massive Holzwand, die laut Triqbriq baulich einer herkömmlichen massiven Gebäudewand entspricht.
Das System ist zudem bezüglich der weiteren Verarbeitung technologieoffen. Die hölzerne Rohbau-Wand lässt sich außen und innen – je nach Kundenwunsch – mit unterschiedlichsten Materialien beschichten oder verkleiden. Für die Fassade kommen etwa WDVS -Aufbauten ebenso in Frage wie vorgehängte Holzfassaden. Auch die Dämmstoffe sind frei wählbar. Auf der Innenwandseite können zum Beispiel unterschiedliche Putze, aber auch Fliesen zum Einsatz kommen.
Nach Triqbriq-Angaben ist das System auch flexibler als andere Holzbauweisen. Wie beim klassischen Massivbau mit mineralischen Mauersteinen lassen zusätzliche Wandöffnungen – zum Beispiel Fenster oder Türen – auch noch nachträglich realisieren. Das ist beispielsweise im Holzrahmenbau nicht möglich.
Erfolgreiche Praxisprojekte
Seine Leistungsfähigkeit beweist TRIQBRIQ schon heute auch in der Praxis. 2023 wurde in Frankfurt das erste mehrgeschossige Wohnhaus mit den Holzbausteinen fertiggestellt. In sechs Tagen wurde der gesamte Rohbau inklusive Dachstuhl des 430 m2 großen Projekts fertiggestellt. Und dass, obwohl die Mitarbeiter des ausführenden Bauunternehmens nach Angaben von Triqbriq keine Erfahrungen mit dem Bausystem hatten und vorab nur kurz eingewiesen wurden.

„Das ist das erste mehrstöckige Bauvorhaben, das wir mit unserem innovativen System beliefern und wir waren in allen Arbeitsschritten schneller fertig als geplant“, freute sich Triqbriq-Vorstand Maximilian Wörner im Juli 2023. „Jetzt blicken wir mit Vorfreude auf die anstehenden Projekte. Diese werden nicht nur deutlich größer, sondern dank unserer optimierten Technologie auch höher.“
Ein anderes Praxisprojekt, bei dem der Aspekt der Kreislaufwirtschaft besonders im Fokus stand, wurde kürzlich auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin Tegel realisiert. Mitte September eröffnete dort der temporäre Pavillon „CRCLR Hut“, der in nur zwei Wochen Bauzeit mit Briqs-Außenwänden errichtet wurde. Das Bauwerk ist Teil der „Urban Tech Republic“ – einem Innovationspark für urbane Technologien.
Beim CRCLR Hut wurde aber nicht nur bei den Außenwänden auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft geachtet. Fenster und Türen stammen aus Rückbauprojekten. Die Boden- und Dachaufbauten sind aus recyceltem Glas und mineralisierten Holzspänen gefertigt. Sowohl der Trockenestrich als auch die Teppichfliesen und die Holzfaserdämmplatten sind wiederverwendbar. Für die Fassadenkonstruktion kam thermisch veredeltes Echtholz zum Einsatz.
Der Pavillon ist der erste Holzbau auf dem Tegel-Gelände und wird dort drei Monate stehen bleiben. In dieser Zeit finden dort mehrere Workshops zum Thema zirkuläres und nachhaltiges Bauen für Projektentwickler, Baufirmen und Architekturbüros statt. Erste Ideen für die Nachnutzung der verbauten Materialien der CRCLR Hut bestehen schon.
Edeka baut mit BRIQs
Ein weiterer Meilenstein in der jungen Firmengeschichte zeichnet sich bereits ab. Im Frühjahr 2025 soll nämlich der erste mit Triqbriq-Holzbausteinen errichtete Edeka-Supermarkt seine Pforten öffnen. Baustart für den rund 1.100 m2 großen Markt im Westen Braunschweigs, der von der Edeka Minden-Hannover betrieben wird, war im Sommer dieses Jahres.

Die neue Einkaufsgelegenheit in der Braunschweiger „Neuen Mitte Lamme“ wird nicht nur der erste Triqbriq-Supermarkt sein, sondern voraussichtlich auch der erste recyclebare Supermarkt in Deutschland. Innen- und Außenwände sind komplett rückbaufähig, Trocknungszeiten müssen beim Bau nicht berücksichtigt werden.
Neben den Wandkonstruktionen ist übrigens auch das Dach des Markts komplett in Holzbauweise geplant. Anstatt der üblichen Stahltrapezbleche im Dachtragwerk werden Mehrschichtholzplatten verbaut. Ein geändertes statisches System führt zu kleineren Fundamenten und somit der Einsparung von CO2-intensivem Beton. Auch die Fassade wird aus Holzbaustoffen bestehen.