Holzböden im Bad strahlen Wärme aus und sind angenehm fußwarm. (Quelle: Natural-Farben)

Plus 2023-11-20T11:11:11.619Z Holzboden fürs Bad?

Echte Holzböden entfalten auch im Badezimmer ihren eigenen Reiz: Sie strahlen Wärme aus und fühlen sich barfuß angenehm an. Doch eignet sich das Naturmaterial wirklich für Feuchträume? Hinterlassen nicht schon Wasserspritzer hässliche Flecken? Droht das Holz nicht aufzuquellen oder gar zu faulen, wenn es nass wird? Stimmt alles – lässt sich mit der richtigen Holzart und Holzpflege jedoch vermeiden. Dass der schicke Echtholzboden im Bad pflegeleicht ist, sollte man indes nicht erwarten.

Bodenbeläge fürs Bad, die wie Holz aussehen, gibt es mittlerweile viele. Holzoptiken werden heute auf Keramikfliesen ebenso verwirklicht wie auf Laminat oder Designböden . Klar: Keramik hat mit Wasser ohnehin keine Probleme. Beim Laminat und den Designbelägen wiederum setzt man entweder auf spezielle Feuchtraummodelle, die komplett aus Kunststoff bestehen, oder man verwendet für die Trägerplatten der Bodendiele besonders dichte, speziell imprägnierte Holzwerkstoffe .

Wenn man den Aufwand bedenkt, mit dem die Hersteller die genannten Bodenbeläge fit für Feuchträume machen, überrascht die Ankündigung, dass auch hundertprozentige Holzdielen geeignet fürs Bad sein sollen. Doch genau das behauptet Frank Lipfert. „Richtig geölt sind Holzoberflächen im Bad gegen eindringendes Wasser gut gewappnet“, sagt der Chef vom deutschen Vertrieb des Holzpflegemittelherstellers Natural-Farben .

Zweifach geöltes Holz

Flecken durch Wasserspritzer? Trocknen die nicht einfach wieder? Ganz so einfach ist es nicht. Holz enthält Gerbsäure (Tannin), die wasserlöslich ist. Tritt diese bei Bodendielen an die Oberfläche, kann sie dort schwarze oder rostbraune Flecken hinterlassen. Ursache ist hier oft, dass die Gerbsäure mit metallischen Partikeln aus der Umgebung reagiert. Die können zum Beispiel von Nägeln, Schrauben und Bodenleisten stammen – oder auch von metallischen Gegenständen, die auf dem Boden stehen.

Auftrag eines Parkett- und Fußboden-Öls mit Tiefenwirksamkeit. (Quelle: Natural-Farben)

Um das zu verhindern, sollte man das Holz nacheinander mit zwei verschiedenen Ölen behandeln – rät Frank Lipfert. Für den ersten Auftrag empfiehlt er ein Parkett- und Fußboden-Öl, das tief ins Holz eindringt. Das muss anschließend einpoliert werden – entweder mit dem Lappen oder bei größeren Flächen mit einer Einscheiben-Maschine. Nach 24 Stunden folgt der zweite Ölauftrag. Hier empfiehlt Lipfert „Tec Oil“ – die Endpflege für geölte Holzoberflächen aus dem Hause Natural-Farben.

Tec Oil ist porenfüllend und bewirkt einen leichten Schichtaufbau auf der Holzoberfläche. Nach der Anwendung sollte man es 20 Minuten einwirken lassen und anschließend überstehendes Öl entfernen. Werden Holzböden derart behandelt, genügt es nach Angaben von Natural-Farben eventuelle Wasserspritzer nach einiger Zeit aufzuwischen, um hässliche Flecken zu vermeiden. Die Hölzer sind durch die Öle gesättigt und träge, sie quellen kaum noch.

Wachs und Lack

Statt Öl kann man zum Feuchteschutz der Dielen auch Holzwachs verwenden – oder man kombiniert beide Pflegemittel. Gerade im Bodenbereich kommen die matt schimmernden Wachse oft als Endbehandlung auf zuvor bereits geölten Dielen zum Einsatz. Das macht Sinn, weil sich Öl und Wachs mit ihren jeweiligen Stärken gut ergänzen.

Auch Wachs eignet sich zum Oberflächenschutz von Holzböden. (Quelle: Auro)

Holzöle dringen tiefer ins Material ein, eignen sich also besser für den Tiefenschutz. Wachse an der Oberfläche sind dagegen wasser- und schmutzabweisender als reine Ölprodukte sowie widerstandsfähiger gegen physischen Abrieb. Sie versiegeln die Holzoberfläche stärker als Öle. Wobei die meisten der heute unter vielfältigen Namen angebotenen Holzwachse auch ölige Anteile enthalten, damit sie sich besser verarbeiten lassen. Wo Wachs draufsteht, stecken also meistens mit Öl verdünnte Wachse drin. Manche Hersteller bieten auch gebrauchsfertige Wachs-Öl-Kombinationen, die in einem Arbeitsgang sowohl einen tiefenwirksamen als auch einen oberflächlichen Holzschutz versprechen.

Kann man Holzböden nicht auch gegen Feuchtigkeit schützen, indem man sie lackiert? Man kann. Solange die Lackschicht intakt ist, führt dieses Verfahren zu einer perfekten Versiegelung der Holzoberfläche. Die allerdings ist nur oberflächlich – also nicht tiefenwirksam – und schon bei kleinsten Lackdefekten droht der Schutz zusammenzubrechen.

Hersteller Natural-Farben bezeichnet lackierte Holzböden im Nassbereich deshalb sogar als „völlig ungeeignet“. Wasser durchdringe alle Anstriche spätestens nach einer knappen Stunde. Fugenbereiche würden die Lage verschärfen. Dort komme es im Lauf der Zeit durch die Materialbewegung am ehesten zu Rissen im Lack. Wasser könne an solchen Stellen ungehindert in die Holzdielen eindringen, aber durch die Lackschicht an der Oberfläche nur schwer entweichen, sodass das Holz im Lauf der Zeit zu modern beginnen würde.

Nachpflege notwendig

Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch fachgerechtes Ölen oder Wachsen ist kein Freifahrtschein dafür, dass man mit Holz im Bad keine Probleme mit Feuchtigkeit bekommt. Dauerhaft stehendes Wasser ist der sichere Tod für den Boden, auch kleinere Wasserlachen sollte man zügig aufwischen. Eine hohe Raumluftfeuchtigkeit ist für das Holz ebenfalls schädlich, weswegen regelmäßiges Lüften Pflicht ist. Letzteres allerdings sollte – nicht nur im Bad – ohnehin selbstverständlich sein, um Schimmelbildung in der Wohnung vorzubeugen.

Die Pflege der Holzoberflächen muss zudem in gewissen Abständen erneuert werden. Ob die Bodenversiegelung noch intakt ist, kann jeder anhand eines Tropfen Wassers selbst testen. Perlt der Wassertropfen ab, bleibt er also auf der Holzoberfläche stehen, funktioniert die Versiegelung noch. Zieht er dagegen ins Material ein, ist eine Nachpflege dringend notwendig.

Geölte Holzböden sollten mindestens einmal pro Jahr mit dem Endpflege-Öl nachbehandelt werden. Die Nachpflege-Intervalle der meisten Wachsprodukte sind dagegen länger. Zum Glück gibt es heute einfache Pflegeprodukte zum nachölen oder nachwachsen, die sich problemlos auftragen oder sogar aufsprühen und leicht verteilen lassen. Die Arbeit ist damit im Grunde auch nicht viel aufwändiger, als wenn man den Boden feucht wischt.

Gleichwohl sei an dieser Stelle noch einmal betont, dass ein echter Holzboden im Bad durchaus Arbeit macht und nicht unbedingt als pflegeleicht bezeichnet werden kann. Will man den Boden zwischendurch nur mal reinigen, ist zudem vor aggressiven chemischen Reinigungsmitteln unbedingt abzuraten. Am besten verwendet man nur spezielle Holzboden-Reinigungsmittel.

Geeignete Holzarten

Um Holzböden im Bad mit gutem Gewissen verlegen zu können, kommt es aber nicht nur auf die Pflege, sondern auch auf die Auswahl geeigneter Holzarten an. Frank Lipfert von Natural-Farben rät für den Nassbereich grundsätzlich zu hochwertigen, feuchteunempfindlichen heimischen Hölzern oder alternativ zu Tropenhölzern. Bei Letzteren sollte man darauf achten, dass es sich um Produkte aus nachhaltiger, zertifizierter Nachfrage handelt.

Zu den heimischen Baumarten, deren Holz bei richtiger Pflege widerstandsfähig genug für die Badanwendung sind, gehören Eiche und Kirschbaum, aber auch Erle, Esche, Douglasie, Nussbaum (Walnuss) und Lärche. Bei den Tropenhölzern empfehlen sich etwa Merbau, Jotoba und Teak. Wer heimische Hölzer bevorzugt, aber die dunklere Optik vieler Tropenhölzer liebt, für den ist die speziell behandelte Räuchereiche eine interessante Alternative.

Massivholz und Mehrschichtparkett

Wir haben in diesem Beitrag bisher recht allgemein von (echten) Holzböden gesprochen. Doch was ist damit eigentlich gemeint? Um es kurz zu machen: Die hier vorgestellten Pflegetipps beziehen sich sowohl auf Massivholz-Bodendielen, die sozusagen am Stück aus einem Baumstamm herausgeschnitten wurden, als auch auf das heutzutage weitaus häufiger zum Einsatz kommende Mehrschichtparkett. Dieses besteht nicht aus einem massiven Stück Holz, sondern aus einer relativ dünnen Nutzschicht, die aus edlem Holz besteht, und ein bis zwei zusätzlichen Trägerschichten von geringerer Holzqualität.

Für Holzböden – hier: Eichenholz – kommt heute meist Mehrschichtparkett zum Einsatz. (Quelle: Pixabay)

Sowohl Massivholzböden als auch mehrschichtige Parkettdielen eignen sich grundsätzlich auch fürs Bad, sofern passende Hölzer zum Einsatz kommen und die richtige Pflegebehandlung erfolgt. Bei mehrschichtigen Produkten ist besonders im Kantenbereich die Gefahr größer, dass Wasser in die Diele eindringt. Dem aber begegnen viele Hersteller damit, dass sie gerade diese Bereiche mit einer speziellen Hydrophobierung ausstatten.

Hinzu kommt, dass die heutzutage geläufigen, mehrschichtigen Fertigparkett -Dielen in der Regel mit Nut und Feder ausgestattet sind, sodass sie sich per „Klick-System“ nahezu fugenfrei verlegen lassen. Ein Eindringen von Wasser über die Fugen ist bei solchen Systemen schwer möglich, sofern das Wasser nicht dauerhaft auf dem Boden steht. Klassische Massivholzböden verfügen dagegen in der Regel über breitere, weniger dichte Fugen. Diese sind im Badbereich fachgerecht abzudichten. Für alle Parkettarten im Bad gilt zudem, dass die Randbereiche der Bodenflächen mit einer wasserfesten Dichtungsmasse zu verschließen sind.

zuletzt editiert am 20. November 2023