Anlässlich des Deutschen Immobilientages im Erfurter Steigerwaldstadion hat der Immobilienverband Deutschland (IVD) letzte Woche einen grundlegenden politischen Kurswechsel gefordert, um Wohneigentum wieder für breite Bevölkerungsschichten erreichbar zu machen und den Wohnungsmarkt nachhaltig zu entlasten.

„Wer in Deutschland normal verdient, der muss normales Wohneigentum erwerben können“, zitierte IVD-Präsident Dirk Wohltorf letzten Donnerstag auf dem Immobilientag im Erfurter Steigerwaldstadion Bundeskanzler Friedrich Merz. Gleichzeitig machte er deutlich, dass zwischen diesem politischen Anspruch und der Realität eine immer größere Lücke klaffe: Hohe Grunderwerbssteuern von bis zu 6,5 %, oft ausufernde Anforderungen an Kreditnehmer, überzogene Baustandards und eine Vielzahl regulatorischer Hürden würden vielfach den Weg ins Wohneigentum verhindern.
„Vertrauen statt Generalverdacht“
Unter dem Leitsatz „Vertrauen statt Generalverdacht“ kritisierte Wohltorf vor rund 1.000 Zuhörenden die aktuellen wohnungspolitischen Rahmenbedingungen. Eigentümer, Vermieter und Investoren würden zu häufig als Problem dargestellt, obwohl sie einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung und Sicherung von Wohnraum leisten.
„Eigentumsbildung entscheidet über Vermögen, Altersvorsorge, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe“, so der IVD-Präsident. „Wenn Leistung nicht mehr zu Eigentum führen kann, verliert unser Land eines seiner wichtigsten Aufstiegsversprechen.“ Der Verband fordert deshalb eine konsequente Eigentumsoffensive – insbesondere die vollständige Befreiung von der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber sowie eigenkapitalersetzende Darlehen für Familien und Ersterwerber.
Kritik am Mietrecht
Kritisch äußerte sich Wohltorf auch zu aktuellen mietrechtlichen Entwicklungen. Mieterschutz sei wichtig, dürfe jedoch nicht dazu führen, dass Investitionen oft nicht mehr darstellbar seien oder Marktmechanismen außer Kraft gesetzt werden. Ein Mietspiegel, der sich durch die zugrunde gelegten regulierten Mieten, politisch gewollt, immer weiter vom Markt entferne, trage nicht dazu bei, dass Geringverdiener leichter eine für sie leistbare Wohnung finden, sondern, dass Durchschnitts- und Besserverdiener sich immer mehr Wohnfläche leisten, weil die Mieten so günstig sind.
„Der beste Mieterschutz ist ein funktionierender Wohnungsmarkt mit ausreichend Angebot“, so Wohltorf. Private Vermieter müssten wieder als Partner bei der Lösung der Wohnungsfrage verstanden werden und nicht als Adressaten immer neuer Belastungen. „Die Immobilienwirtschaft ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht sie aber politische Rahmenbedingungen, die Vertrauen schaffen und Investitionen ermöglichen“, so Wohltorf abschließend.
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