Der Zementhersteller Spenner hat die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für einen neuen Zement erhalten, bei dessen Herstellung etwa 65 % weniger CO2 emittiert wird als bei reinem Portlandzement. Das Besondere: Anders als bei vielen anderen CO2-reduzierten Zementen wird dies durch einen besonders hohen Anteil an ungebranntem Kalksteinmehl als Klinkerersatzstoff erreicht.
Bereits seit Längerem bemüht sich die Zementindustrie um eine Reduzierung der CO2-Emissionen bei der Herstellung ihrer Produkte. Dabei kommen nicht zuletzt Klinkerersatzstoffe wie Hüttensand und Flugasche zum Einsatz, die zum Beispiel bei der Kohleverstromung und Stahlerzeugung als Abfallprodukte anfallen. Da es absehbar ist, dass solche Klinkersubstitute künftig weniger beziehungsweise gar nicht mehr zur Verfügung stehen werden, sucht die Industrie schon heute nach möglichst CO2-neutralen Alternativen.
Zum Hintergrund: Als Zementklinker bezeichnet man die steinartigen Kügelchen, die bei der herkömmlichen Zementherstellung entstehen, indem man Ton und Kalk bei hohen Temperaturen brennt. Gemahlen ergeben diese Klinker den klassischen, pulverförmigen Portlandzement (CEM I nach DIN EN 197-1). Die Herstellung von Portlandzementklinkern ist sehr energieintensiv und mit hohen CO2-Emissionen verbunden.
DIBt-Zulassung liegt vor
Aufgrund der beschriebenen Zusammenhänge bemüht sich auch der westfälische Zementhersteller Spenner seit Jahren, durch den Einsatz von Klinkerersatzstoffen den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase herabzusetzen. Anfang März hat das traditionsreiche Familienunternehmen mit Stammsitz in Erwitte vom Deutschen Institut für Bautechnik die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für einen Multi-Komposit-Zement erhalten, der sich durch einen hohen Anteil an ungebranntem Kalksteinmehl als Klinkerersatzstoff auszeichnet.

Der neue Zement „naturecem 65 (PKH)“ lässt sich mit etwa 65 % weniger CO2-Emissionen herstellen als reiner Portlandzement. Spenner beschreibt das nachhaltige Produkt als „Portland-Kalkstein-Hüttenzement“ der Festigkeitsklasse 32,5 N/R. Entwickelt wurde es in Zusammenarbeit mit dem Berliner Technologieunternehmen alcemy GmbH , das Leopold Spenner 2018 gemeinsam mit Dr. Robert Meyer gegründet hat. Das Start-up befasst sich mit maschinellem Lernen und Regelungstechnik zur Vorhersage der Qualitätseigenschaften von Zement und Beton .
„Wir haben die jahrzehntelange Erfahrung mit Portlandkalksteinzementen und Hochofenzementen genutzt, um einen ökologisch wertvollen Multi-Komposit-Zement zu entwickeln, der vorrangig in der Transportbetonindustrie eingesetzt werden kann“, sagt Georg Weber, Prokurist und Leiter Vertrieb bei Spenner. „Der naturecem 65 (PKH) kann ab sofort von unseren Kunden in den Spenner Werken Erwitte und Berlin bestellt werden. Die DIBt-Zulassungen liegen vor.“