RM Rudolf Müller
Wer den beruflichen Aufstieg schaffen will, kommt um Fortbildungen nicht herum.  Foto: Pixabay

Wer den beruflichen Aufstieg schaffen will, kommt um Fortbildungen nicht herum.  Foto: Pixabay

Hintergrundwissen
17. Dezember 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist Aufstiegs-BAföG?

In Zeiten des Fachkräftemangels sind berufliche Fortbildungen wichtiger denn je. Um mehr Menschen dafür zu motivieren, gibt es in Deutschland das so genannte Aufstiegs-BAföG. Im Rahmen dieser individuellen Weiterbildungsförderung werden Kosten der Bildungsmaßnahme sowie Lebensunterhaltskosten der Teilnehmer bezuschusst. Seit 1. August 2019 gibt es höhere Fördersummen für den Lebensunterhalt und höhere Einkommensfreibeträge.

Der Begriff Aufstiegs-BAföG ist eigentlich irreführend. Die Abkürzung BAföG steht für „Bundesausbildungsförderungsgesetz“ und bezeichnet zugleich umgangssprachlich die finanzielle Förderung, die Studenten und Schüler nach dem Gesetz in Anspruch nehmen können. Das Aufstiegs-BAföG ist dagegen eine finanzielle Förderung für Menschen, die bereits über eine abgeschlossene berufliche Erstausbildung verfügen und darauf aufbauend eine Aufstiegsfortbildung planen – zum Beispiel die Meister-Fortbildung für Handwerker. Es wird nicht im Bundesausbildungsförderungsgesetz, sondern in einem eigenen Gesetz geregelt: dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG).

Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz

Als das AFBG 1996 eingeführt wurde, setzte sich umgangssprachlich schnell der Begriff „Meister-BAföG“ durch, in Anlehnung an das bereits etablierte Studenten-BAföG. Neuerdings spricht man allgemeiner vom Aufstiegs-BAföG, weil seit August 2016 nicht nur Handwerker und andere Fachkräfte die Förderung in Anspruch nehmen können, sondern zum Beispiel auch Bachelor-Absolventen.

Mittlerweile verwendet sogar das Bundesministerium für Bildung und Forschung bei seinen Informationsmaterialien zum AFBG den Begriff Aufstiegs-BAföG, obwohl das Wort im Gesetzestext selbst gar nicht vorkommt. Die begriffliche Übertragung aus der Welt der Studenten- und Schülerförderung macht trotzdem Sinn. Zum einen, weil es sich bei den AFBG-Leistungen letztlich ja auch um eine finanzielle Unterstützung für Bildungsaktivitäten handelt. Zum anderen, weil sich das AFBG bei den Unterstützungsleistungen zum Lebensunterhalt am Bedarfssatz für Studierende nach § 13 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes orientiert.

Förderungsfähige Fortbildungen

Auch Dachdecker, die ihren Meister machen wollen, profitieren vom Aufstiegs-BAföG. Foto: Braas GmbH

Auch Dachdecker, die ihren Meister machen wollen, profitieren vom Aufstiegs-BAföG. Foto: Braas GmbH

Das Aufstiegs-BAföG soll Fortbildungen fördern, die zu einem beruflichen Aufstieg führen. Es wird daher in erster Linie für Weiterbildungsmaßnahmen gewährt, die eine bereits abgeschlossene berufliche Erstausbildung voraussetzen. Typische Beispiele sind Fortbildungsabschlüsse wie Handwerks- oder Industriemeister/in, Fachkaufmann/frau, Techniker/in, Fach- oder Betriebswirt/in. Aktuell kann man für mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse Aufstiegs-BAföG beantragen. Eine Übersicht über die Förderämter und Beratungsmöglichkeiten gibt es hier.

Nach §2 des AFBG muss die geförderte Maßnahme mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen. Neben Vollzeitmaßnahmen mit wöchentlich mindestens 25 Unterrichtsstunden an vier Werktagen ist auch die Förderung von Aufstiegsfortbildungen in Teilzeit möglich, sofern diese im Durchschnitt mindestens 18 Unterrichtsstunden pro Monat umfassen. Wird dieser Mindestumfang eingehalten, können auch Fernlehrgänge als Teilzeitmaßnahme gefördert werden. Dasselbe gilt für mediengestützten Unterricht über Online-Lernplattformen, wenn er „durch Präsenzunterricht oder eine diesem vergleichbare und verbindliche mediengestützte Kommunikation ergänzt wird und regelmäßige Erfolgskontrollen durchgeführt werden“ (§4a AFBG).

Art der Förderleistungen

Finanzielle Unterstützung nach dem AFBG gibt es für Prüfungs- und Lehrgangsgebühren. Bei Vollzeitmaßnahmen kann man außerdem Unterstützung zum Lebensunterhalt beantragen. Die Förderleistungen erfolgen teils als kostenloser Zuschuss und teils als zinsgünstiges Darlehen, das später zurückzuzahlen ist. Zusätzlich kann man auch Zuschüsse für Materialkosten beantragen, die im Rahmen der fachpraktischen Arbeit zur Meisterprüfung anfallen (bis zu einem maximalen Gesamtbetrag von 2.000 Euro).

Lehrgangs- und Prüfungsgebühren können bis zu einem Maximalbetrag von 15.000 Euro gefördert werden, wobei allerdings nur 40 % davon als direkter Zuschuss gewährt werden. Für den Rest der maximal möglichen Fördersumme kann der Antragsteller ein zinsgünstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhalten, das er später zurückzahlen muss. Besteht er die Fortbildungsprüfung, wird ihm noch einmal 40 % der Darlehenssumme erlassen.

Fördersummen für den Lebensunterhalt

Die Förderung der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren wird unabhängig vom Einkommen und Vermögen des Antragstellers gewährt. Bei den Förderungsleistungen zum Lebensunterhalt, die nur bei Vollzeitmaßnahmen beantragt werden können, ist das anders. Hier gilt das Bedarfsprinzip. Wer finanziell gut aufgestellt ist beziehungsweise einen Ehepartner mit gutem Einkommen hat, erhält also keine Förderung des Lebensunterhalts.

Die mögliche Höhe der Förderung des Lebensunterhalts wird analog zum BAföG-Bedarfssatz für Studierende errechnet. Aufgrund der jüngsten Leistungserhöhungen durch das 26. BAföG-Änderungsgesetzes gelten seit dem 1. August 2019 auch erhöhte Sätze für die Förderung nach AFBG. Der maximale monatliche Unterhaltsbeitrag für eine alleinstehende Person beträgt daher nunmehr 885 Euro – statt wie bisher 768 Euro. Er wird zu 50 % als Zuschuss gewährt, für den Rest der Fördersumme kann der Antragsteller wiederum auf ein zinsgünstiges Bankdarlehen der KfW zurückgreifen.

Ist der/die Fortbildungsteilnehmer/in verheiratet oder verpartnert, können sich die oben genannten 885 Euro noch mal um maximal 235 Euro erhöhen – also insgesamt auf 1.120 Euro. Aber auch eine alleinerziehende Person mit einem Kind kann nun maximal 1.120 Euro (bisher 1.003 Euro) an Förderung erhalten. Der Aufschlag je Kind beträgt nämlich ebenfalls bis zu 235 Euro. Alleinerziehende können zudem zusätzlich einen pauschalen Betrag von monatlich 130 Euro für Kinderbetreuungskosten erhalten.

Freibeträge

Da sich die tatsächliche Fördersumme für den Lebensunterhalt nach dem jeweiligen Bedarf richtet, also einkommens- und vermögensabhängig ist, spielen auch die gewährten Einkommens- beziehungsweise Vermögensfreibeträge eine wichtige Rolle. Bei der Berechnung der Fördersumme wird das Einkommen beziehungsweise das Vermögen nämlich um die jeweiligen Freibeträge vermindert.

Für alleinstehende Fortbildungsteilnehmer/innen gilt ein Einkommensfreibetrag von 290 Euro und ein Vermögensfreibetrag von 45.000 Euro. Für Verheiratete oder Verpartnerte gilt nun ein Einkommensfreibetrag von 610 Euro (früher 570 Euro), der sich je Kind noch um 555 Euro erhöht, und ein Vermögensfreibetrag von 47.100 Euro – zuzüglich 2.100 Euro je Kind. Der eigene Einkommensfreibetrag des Ehe- oder Lebenspartners liegt bei 1.225 Euro.

Wer wird gefördert?

Wie oben schon erwähnt, ist das Aufstiegs-BAföG eine Leistung für Personen, die bereits über eine berufliche Erstausbildung verfügen. Das Angebot richtet sich zudem keineswegs nur an junge Berufstätige. Das AFBG sieht überhaupt keine Altersbeschränkung vor. Entscheidend ist vielmehr die bisherige Berufserfahrung. Konkret muss die Vorqualifikation erfüllt werden, die in der jeweiligen Fortbildungsordnung gefordert wird.

Früher war bei vielen Fortbildungen eine abgeschlossene betriebliche Berufsausbildung zwingende Förderungsvoraussetzung. Doch seit der AFBG-Änderung von August 2016 hat sich das geändert. Aufstiegs-BAföG kann seitdem auch von Fortbildungsteilnehmern in Anspruch genommen werden, die über einen Bachelorabschluss oder einen vergleichbaren Hochschulabschluss verfügen (§9 AFBG). Dies muss dann allerdings der höchste Hochschulabschluss sein. Wer bereits den Master absolviert hat, besitzt keinen Anspruch mehr auf finanzielle Förderung für eine zusätzliche berufliche Aufstiegsfortbildung.

Beliebte Aufstiegsfortbildungen

Die Förderung nach AFBG wird zu 78 % aus Mitteln des Bundesbildungsministeriums und zu 22 % von den Bundesländern finanziert. 2018 wurden rund 167.000 Menschen gefördert, was einem Plus von 1,6 % zum Vorjahr entspricht. Das beliebteste Förderziel war 2018 übrigens die Fortbildung „staatlich geprüfte Erzieher/in“. Die Anzahl der geförderten Erzieherinnen und Erzieher stieg um 17 % auf rund 27.700. Auf Platz zwei landete der Abschluss „geprüfte(r) Industriemeister/in Metall“ mit 11.434 Geförderten.

Dieser Beitrag ist eine Überarbeitung unseres ursprünglichen Beitrags „Berufliche Fortbildung: Was ist Aufstiegs-BAföG?“ von 2017.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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