RM Rudolf Müller

Rechte und Pflichten
01. April 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Darf ich als Azubi einen Nebenjob haben?

Lokal InnenstadtAls Azubis gehört Ihr nicht gerade zu den Großverdienern im Lande. Zwischen 500 und 800 Euro brutto liegt meist die monatliche Ausbildungsvergütung. Da kann einem schon mal der Gedanke kommen, die eigene finanzielle Situation durch einen Nebenjob aufzubessern – zum Beispiel durch Kellnern am Abend oder Zeitungen austragen am Wochenende. Aber dürft Ihr während der Ausbildung überhaupt einen Nebenjob ausüben? Die Antwort darauf findet man in den Arbeitsgesetzen.

Das Wichtigste gleich vorweg: Grundsätzlich gibt es in der deutschen Gesetzgebung keine Nebenjob-Regelungen, die speziell für Auszubildende gelten. Entscheidend ist vielmehr, wie alt Ihr seid. Jugendliche sind nach dem Gesetz Personen, die über 15, aber noch unter 18 Jahre alt sind. Für sie gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz. Ab 18 ist man dagegen erwachsen und unterliegt den Regelungen des Arbeitszeitgesetzes.

In beiden Gesetzeswerken wird das Thema Nebenjobs übriges nicht direkt angesprochen. Denn wie viele Jobs ein Mensch hat, ist grundsätzlich seine Privatsache – da mischt sich der Staat nicht ein. Allerdings werden in den Arbeitschutzgesetzen maximal zulässige Arbeitszeiten definiert, die indirekt die Möglichkeiten zur Ausübung von Nebenjobs stark einschränken. Es gilt also das Prinzip „Ja, aber …“ – und das für Azubis ebenso wie für „normale“ Arbeitnehmer.

Jugendarbeitsschutzgesetz

Für jugendliche Auszubildende gelten die Arbeitszeitregeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Danach dürfen sie grundsätzlich nicht mehr als 40 Stunden pro Woche und nicht länger als acht Stunden pro Tag beschäftigt werden. Berufsschultage werden dabei mit acht Stunden angerechnet. Zugleich dürfen die Jugendlichen nur an maximal fünf Wochentagen arbeiten, und das auch nur in der Zeit zwischen 6 Uhr morgens und 20 Uhr abends. Und diese Bestimmungen gelten nicht etwa „pro Job“, sondern zusammengenommen für alle Jobs, die man ausübt.

Vor diesem Hintergrund könnt Ihr Euch leicht selbst ausrechnen, wie viel Zeit einem Jugendlichen neben seiner Ausbildung noch für Nebenjobs bleibt. Wahrscheinlich nicht allzu viel. Zwar sieht das Jugendarbeitsschutzgesetz für die genannten Regeln auch eine Reihe von Ausnahmen vor. So darf an einzelnen Werktagen auch mal achteinhalb Stunden gearbeitet werden, wenn die Arbeitszeit an anderen Werktagen auf weniger als acht Stunden verkürzt ist. Aber letztlich sind das nur Flexibilisierungen, die maximal zulässige Gesamtarbeitszeit bleibt davon unberührt.

Arbeitszeitgesetz
Für Personen, die das 18. Lebensjahr bereits vollendet haben, wird der zeitliche Rahmen, in dem sie Nebenjobs ausüben dürfen, durch das Arbeitszeitgesetz abgesteckt. Das gilt allgemein für alle erwachsenen Arbeitnehmer – Azubis eingeschlossen. Wie man sich denken kann, ist die maximal zulässige Arbeitszeit hier etwas höher. Grundsätzlich erlaubt das Gesetz durchschnittlich maximal 48 Stunden pro Woche und acht Stunden pro Tag. An fünf Tagen kann man da natürlich nicht auf 48 Stunden kommen. Und tatsächlich: Das Arbeitszeitgesetz erlaubt grundsätzlich auch die Arbeit am Samstag. Erwachsene Azubis, die bei ihrer Ausbildung von Montag bis Freitag eine 40-Stunden-Woche absolvieren, könnten also zum Beispiel am Samstag noch einen achtstündigen Nebenjob anschließen.

Etwas komplizierter ist die Frage, ob man am selben Tag, an dem man im Ausbildungsbetrieb arbeitet, auch noch einen Nebenjob ausüben darf. Nach dem Gesetz kann die tägliche Arbeitszeit gelegentlich von den oben genannten acht auf zehn Stunden ausgedehnt werden, aber nur dann, wenn innerhalb von sechs Monaten im Durchschnitt trotzdem nicht mehr als acht Stunden täglich gearbeitet werden. Wenn Ihr also in Eurem Ausbildungsbetrieb bereits eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden habt, bleibt Euch eigentlich kein Spielraum mehr für einen abendlichen Nebenjob. Denn die zusätzlichen Stunden für diesen Nebenjob müssten dann ja irgendwann von eurer Arbeitszeit im Ausbildungsbetrieb wieder abgerechnet werden. Und darauf wird sich wohl kaum eine Firma einlassen.

Vorgeschriebene Ruhezeit
Anders sieht es aus, wenn Eure Arbeitszeit bei der Ausbildung zum Beispiel täglich sieben Stunden beträgt. Dann wäre es durchaus möglich, beispielsweise einmal in der Woche noch einen dreistündigen Nebenjob zu absolvieren. Aber aufgepasst: Das Arbeitszeitgesetz fordert auch, dass der Arbeitnehmer „nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden“ einhält. Wenn Ihr also in Eurem Ausbildungsbetrieb von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags arbeitet (inklusive einer Stunde Pause), dann muss ein anschließender Nebenjob spätestens um 21 Uhr beendet sein, damit Ihr bis zum nächsten Morgen die vorgeschriebene Ruhezeit einhaltet. Ihr dürft also nicht noch bis 24 Uhr in einer Kneipe jobben, denn dann würde die ununterbrochene Ruhezeit nur acht Stunden betragen!

Arbeitgeber informieren?

Wie Ihr seht, gibt es eine ganze Reihe von Arbeitszeit- und Pausenregeln, welche die Möglichkeiten von vorneherein einschränken, neben der Ausbildung noch einen Nebenjob zu haben. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob Euch der Ausbildungsbetrieb verbieten kann, einen Nebenjob anzunehmen. Die Antwort lautet grundsätzlich: Nein. Steht ein solches allgemeines Nebenjob-Verbot im Ausbildungsvertrag, dann ist das juristisch betrachtet eine unzulässige Klausel. Grundsätzlich verbieten darf der Ausbildungsbetrieb nur Nebenjobs, die in einem Unternehmen stattfinden, das in direktem Wettbewerb zu Eurem Hauptarbeitgeber steht.

Allerdings kann der Arbeitgeber im Ausbildungsvertrag fordern, dass er über Nebenjobs zumindest informiert wird. Diese Informationspflicht ist dann für Euch bindend. Und auf diesem Weg kann der Ausbildungsbetrieb bestimmte Nebenjobs auch untersagen – wenn er nämlich geltend machen kann, dass der Nebenjob die Ausübung des Hauptjobs negativ beeinträchtigt.

Dazu zum Abschluss ein Beispiel. Angenommen, Ihr arbeitet in Eurem Ausbildungsbetrieb von 7–15 Uhr, und Ihr wollt an zwei Tagen in der Woche nachts von 4–6 Uhr noch als Zeitungsausträger jobben. Das würde grundsätzlich nicht gegen das Arbeitsschutzgesetz verstoßen, weil Ihr zwischen 15 Uhr und 4 Uhr morgens ja eine ununterbrochene Ruhezeit von 13 Stunden hättet. Trotzdem kann Euch der Ausbildungsbetrieb einen solchen Nebenjob untersagen, weil natürlich zu befürchten ist, dass Ihr völlig übermüdet Euren Hauptjob antretet.


Bitte beachten Sie: Der Inhalt dieses Beitrages stellt keine Rechtsberatung dar und kann die rechtliche Beratung im Einzelfall nicht ersetzen! Unser Anspruch ist es, immer rechtlich korrekte Artikel zur Verfügung zu stellen. Allerdings ändern sich Gesetze bzw. gesetzliche Regelungen häufig. Wir können daher keine Garantie für die aktuelle oder zukünftige Richtigkeit übernehmen. Im Zweifel wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an eine juristisch fundierte Person (z.B. Rechtsanwälte, Gewerkschaften, IHK etc.).

Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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