Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft haben das Startup eco-Locked und das Bauunternehmen Max Bögl bei einem Werksneubau einen neuartigen Beton getestet. Das Material weist nicht nur einen reduzierten Klinkeranteil auf, sondern enthält zusätzlich Kohlenstoff-Einlagerungen aus Biomasserückständen. Unterm Strich ergibt das einen klimaneutralen Beton. Sein Treibhausgaspotenzial liegt rechnerisch bei 0,0 kg CO2-Äquivalenten.
Erstmals zum Einsatz kam der innovative Beton bei der Errichtung der neuen „Baufabrik“ der Firmengruppe Max Bögl im bayerischen Tauernfeld. Das Bauunternehmen will dort künftig Elemente für moderne Windenergietürme industriell vorfertigen. Bei dem Projekt wurden 135 m3 Beton verbaut, die insgesamt über sieben Tonnen Biokohle vom Projektpartner eco-Locked enthalten.
Gebäude als Kohlenstoffsenken
Das Berliner Start-up verfolgt das Ziel, biogene Kohlenstoffe dauerhaft in Baustoffen zu speichern. „CO2-negative Materialien sind nicht nur technisch umsetzbar, sondern bieten enorme Potenziale als aktive Kohlenstoffsenken in Immobilien- und Bauprojekten“, sagt dazu Hoang Anh Nguyen, Chief Growth Officer von eco-Locked. Die für die Baufabrik in Tauernfeld eingesetzte Biokohle steht für eine Speicherung von rund 15 t CO₂-Äquivalent.

Bei den Betonzusätzen handelt es sich um gebundenen Kohlenstoff aus lokalen Biomasserückständen, den eco-Locked unter dem Markennamen „ecoLocked Material“ (eLM) vermarktet. Mit dem Baufabrik-Projekt soll demonstriert werden, dass sich durch eLM-Einsatz Kohlenstoff dauerhaft und ohne Reduktion von Qualität, Verarbeitbarkeit oder Dauerhaftigkeit in Gebäuden speichern lässt. „Wir haben bei diesem Projekt die maximal technisch realisierbare Einsatzmenge von Biokohle ausgeschöpft“, sagt Dr. Florian Hüller, Leiter Materialtechnologie F&E bei Max Bögl.
Die Kohlenstoffzusätze wurden beim Projekt Tauernfeld in einen Beton mit CEM III/A-Zement als Bindemittel integriert. Das ist nach DIN EN 197-1 ein „Hochofenzement“, bei dem der klassische Zementklinker bereits zu einem großen Teil durch Hüttensand – einem Nebenprodukt der Stahlproduktion – ersetzt wurde. Hintergrund: Die Herstellung des klassischen Klinkers ist sehr energieintensiv und wesentlich für die hohen CO2-Emissionen der Zementbranche verantwortlich.
Doch auch Hochofenzement lässt sich durch den Einsatz von Biokohle noch deutlich nachhaltiger machen. Durch die dauerhafte Speicherung des Kohlenstoffs, der ansonsten in Form von gasförmigem Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen und dort zur Erderwärmung beitragen könnte, ist sogar so etwas wie ein „CO2-negatives Material“ möglich.
Verbesserte Betoneigenschaften
Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit sollen die Biokohle-Zusätze aber auch technische Eigenschaften des Betons verbessern. „Nach unserer Meinung geht der Einsatz von eLM weit über die CO2-Bindung hinaus“, erläutert Florian Hüller von Max Bögl. „Wir sind überzeugt, dass ihre Zugabe auch die technischen Eigenschaften – wie Dauerhaftigkeit, Brandbeständigkeit und Schwindverhalten des Betons – deutlich verbessern kann.“

Eben das wird bei der Baufabrik nun unter realen Bedingungen getestet. Dass eLM zur Gewichtsreduktion des Betons beiträgt, zeigte sich bereits im August beim Einbau der Ortbetonplatte in Tauernfeld. Nach Angaben der Projektpartner zeichnete sich der Frischbeton zudem durch eine hervorragende Entmischungsstabilität und ein sehr gutes Fließverhalten aus.
Voraussetzung für den Einsatz von eLM in der realen Baupraxis war die kürzlich erfolgte CE-Kennzeichnung als Pigment gemäß EN 12878 („Pigmente zum Einfärben von zement- und/oder kalkgebundenen Baustoffen“). Dadurch darf die Biokohle nun in einer breiteren Palette von Betonprodukten eingesetzt werden – auch bei tragenden Anwendungen. Mittelfristig strebt ecoLocked für eLM eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung an ( abZ ). Das würde die Einsatzmöglichkeiten noch erweitern.
Andere Pflanzenkohle-Projekte
Dass die Integration von Biokohle in Baustoffe eine interessante Idee ist, zeigt sich daran, dass sich auch andere Unternehmen und Forschungsinstitute seit einigen Jahren mit der Thematik befassen.
Im BaustoffWissen-Beitrag „ Klimafreundliche Betonsteine “ haben wir zum Beispiel im Januar 2025 über ein Projekt des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (Fraunhofer IBP) berichtet, bei dem die Forschenden verschiedene Betonbestandteile durch Pyrokohle ersetzt haben. Die entsteht, wenn man Pflanzenreste oder andere organische Stoffe in sauerstoffarmer Atmosphäre erhitzt. Dabei wird bis zu 40 % des in den Pflanzen enthaltenen Kohlenstoffes als Feststoff gespeichert.
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Nach Angaben der Fraunhofer-Forschenden lässt sich durch Integration von Pyrokohle in Beton sogar mehr CO2 binden, als zur Betonherstellung insgesamt ausgestoßen wurde. Zudem könne man mit der Kohle – aufbereitet als Granulat – auch zum Teil die Gesteinskörnungen im Beton ersetzen. Auf diese Weise ließe sich deutlich leichterer Beton herstellen.
Im Übrigen lässt sich Pyrokohle oder Biokohle – oder wie immer man die durch Karbonisierung von Biomasse entstehende Pflanzenkohle auch nennen mag – nicht nur als Zusatz in Betonbaustoffen verwenden. Auch Kunststoffe und aufgeschäumte Dämmstoffe sind mithilfe von Pflanzenkohle herstellbar. Über Ideen und Aktivitäten in diesem Bereich informiert der BaustoffWissen-Beitrag „ Baustoffe aus Biokohle? “ von August 2021.