Eine Baustelle mit einem großen Holzbau, der von einem Kran errichtet wird. Die Struktur besteht aus mehreren vertikalen Holzelementen.
Die 30 m hohe Regalkonstruktion wurde komplett aus Holz gefertigt. (Quelle: Kaufmann Bausysteme)

Grundstoffe des Bauens 2025-01-21T08:00:00Z Logistikzentrum aus Holz und Lehm

Bauen mit Holz und Lehm hat eine uralte Tradition und gilt als sehr nachhaltig. Für den Bau moderner Lagerhallen sind die Materialien bisher aber alles andere als Standard. Weleda hat sich davon nicht abhalten lassen. In Schwäbisch Gmünd errichtete der Naturkosmetikhersteller ein Logistikzentrum, das mit Stampflehmwänden und einem hölzernen Hochregallager aufwartet.

Der „Weleda Cradle Campus“ im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd wurde Ende September nach dreijähriger Bauzeit offiziell in Betrieb genommen. Neben einem Verwaltungs- und einem Funktionsgebäude umfasst der nach Plänen des Ulmer Architekturbüros Michelgroup entstandene Komplex ein Hochregallager für rund 17.000 Paletten auf einer Fläche von rund 3.000 m². Errichtet in weiten Teilen aus heimischem Holz und Lehm , betrieben mit Solarenergie und Geothermie , läuft das neue Logistikzentrum zu 100 % emissionsfrei. Mit einem Gesamtvolumen von 90 Mio. Euro ist der Campus die größte Investition in der Geschichte der Schweizer Weleda AG.

Nachhaltig und naturnah

Die drei Gebäude stehen übrigens nicht isoliert auf dem Campus. Der zweigeschossige Verwaltungsbau (auf dem Bild ghanz vorne) ist mit dem dahinterliegenden Funktionsgebäude über einen in das Gelände integrierten Zwischenbau mit Gründach verbunden. Die umliegenden Grünflächen gehen nahtlos auf das begrünte Dach dieses Zwischenbaus über. Vom viergeschossigen Funktionsgebäude, in dem der Ein- und Ausgang der Waren abgewickelt wird, verläuft eine verglaste Holzbrücke mit einer Paletten-Förderanlage zum Hochregallager.

Rendering des Weleda-Campus inmitten einer grünen Landschaft mit Solarpanelen auf den Dächern.
So soll der Campus aussehen, wenn auch die Grünflächen erblüht sind. (Quelle: Michelgroup)

„Der Cradle Campus passt perfekt zur Weleda-Strategie“, sagte CEO Tina Müller bei der Einweihungsfeier. „Er steht für Wachstum mit Verantwortung, für Wachstum im Einklang mit Mensch und Natur.“

Die Themen Nachhaltigkeit und Naturnähe spiegeln sich übrigens nicht nur in den verwendeten Baustoffen wider. Nur 20 % des insgesamt 72.000 m2 großen Campus-Grundstücks wurde überbaut. Der Rest des ehemaligen Ackerlandes blieb unversiegelt. Weleda will dort größtmögliche Artenvielfalt und Biodiversität ermöglichen. Auf den Außenanlagen sollen beispielsweise Streuobstwiesen mit Wildfrüchten, eine Wacholderheide und Rosenhecken entstehen.

Damit der Betrieb des Logistikzentrums komplett emissionsfrei läuft, setzt Weleda konsequent auf Strom und Wärme aus regenerativen Quellen. Den eigenen Ökostrom liefern insgesamt 10.000 Photovoltaik-Module auf Dachflächen und an Fassaden. Im Fassadenbereich dienen sie zugleich der Verschattung. Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt über ein geothermisches System mit reversibler Wärmepumpe . Für die Erdwärmenutzung wurden auf dem Gelände insgesamt 48 Bohrungen in 140 Metern Tiefe vorgenommen.

240 m lange Stampflehmwand

Mit dem Neubau bündelt Weleda seine internationale Vertriebslogistik, die bisher auf sechs Standorte verteilt war, zentral an einem Ort. Im Zuge des Projekts hat das Unternehmen seine Logistik digitalisiert und durch das vollautomatische Hochregallager zudem Kommissionierung und Versand für die Kunden optimiert. Das neue Lager erweitert zudem die Logistik-Kapazitäten des Naturkosmetik-Konzerns. Von Schwäbisch Gmünd aus sollen künftig täglich bis zu 10.000 Lieferungen in 47 Länder weltweit versendet werden.

Ein modernes Lagergebäude im Bau mit einer Glasfassade und einer Stampflehmwand sowie einem kleinen Bagger auf der Baustelle.
Das Erdgeschoss des Hochregallagers besteht aus einer 8 m hohen Stampflehmwand. (Quelle: Elias Hassos)

Angesichts der Modernität und Leistungsfähigkeit des 30 m hohen Hochregallagers wird es viele sicher überraschen, dass dort auch ein überaus archaischer Baustoff zum Einsatz kam: Lehm. Das Material stammt aus dem direkt vor Ort gewonnenen Bauaushub. Insgesamt betrug die Aushubmasse der Baugrube 18.000 m³, davon wurden 3.000 m³ für die Stampflehmwände und Lehmputz wiederverwendet.

Der Stampflehm kam für die 8 m hohe und 60 cm starke Außenwand im Erdgeschossbereich des Hochregallagers zum Einsatz. Diese erstreckt sich über eine Laufweite von insgesamt 240 m und steht auf einem Unterbau aus Stahlbeton . Oberhalb der Stampflehmwände schließt sich ein Holztragwerk an, wobei die ebenfalls aus Holz gefertigten Hochregale eine tragende Funktion übernehmen. Verwendet wurden dafür heimische Fichte und Weißtanne, die aus dem nahen Schwarzwald oder Österreich stammen.

Die für die Stampflehmwand verbauten 1.200 m3 Lehm sehen nicht nur beeindruckend aus, sondern sollen in Zukunft auch entscheidend dazu beitragen, das Hochregallager zu klimatisieren – ganz ohne Einsatz konventioneller Klimatechnik. Möglich wird das durch die natürliche Eigenschaft von Lehm, sowohl Temperatur als auch Feuchtigkeit zu regulieren.

Im Vergleich zu herkömmlichen Baustoffen wie Beton weist Lehm einen deutlich geringeren CO2-Fußabdruck auf. Die anfänglichen Mehrkosten für den Bau der Stampflehmwand werden nach Weleda-Angaben durch den reduzierten Energiebedarf in der Nutzungsphase des Gebäudes über einen Zeitraum von rund 30 Jahren ausgeglichen.

Hölzerne Hochregale

Die Gebäudehülle des Hochregallagers oberhalb der Stampflehmwand wurde in Holzbauweise errichtet. Aber nicht nur das: Auch das riesige Regalsystem besteht nicht wie sonst meist üblich aus Metall, sondern komplett aus Holz.

Ein Bauarbeiter überwacht die Montage von großen Bauelementen an einem modernen Holzgebäude auf einer Baustelle.
Oberhalb der massiven Sockel entstanden in allen Gebäuden Konstruktionen und Fassaden aus Holz. (Quelle: Michelgroup)

Oberhalb der massiven Sockel entstanden in allen Gebäuden Konstruktionen und Fassaden aus Holz.

Dort wo die Gebäudehülle aus vorgefertigten Holzwandelementen besteht, wurden diese mit Holzfaserplatten gedämmt. Zum Einsatz kam hier das Produkt „Pyroresist wall“ des Schwarzwälder Herstellers Gutex, das „schwer entflammbar“ nach DIN EN 13501-1 ist ( Baustoffklasse C) und „nicht glimmend“ nach DIN EN 16733. Damit kann diese Holzfaserdämmplatte bis einschließlich Gebäudeklasse 4/5 eingesetzt werden und sichert den Brandschutz ohne wesentliche Rauchentwicklung oder brennendes Abtropfen.

Zahlreiche Auszeichnungen

Bereits mit Baubeginn wurde das Großprojekt mit dem Vorzertifikat zum DGNB -Platin-Standard ausgezeichnet, der höchsten Bewertungsstufe der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Seitdem hagelte es weitere Preise, etwa den Polis Award 2024 in der Kategorie „Ökologische Wirksamkeit“ oder den „Iconic Award“ vom Rat der Formgebung (German Design Council) in der Kategorie „Best of Best – Innovative Architecture“.

Außerdem wurde das neue Logistikzentrum mit dem ersten „Innovationspreis Lehmbau“ des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Der Weleda Cradle Campus überzeugte in der Kategorie „gewerbliches Bauen“ und wurde für seinen innovativen Einsatz traditioneller Bautechniken gewürdigt. „Die eingereichten Projekte haben eindrucksvoll bewiesen, dass sich Lehm als moderner Baustoff einsetzen lässt – im Sinne des Klimaschutzes und des Wohlbefindens der Menschen“, sagte Andrea Lindlohr, Staatssekretärin im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen, während der Preisverleihung. Sie hob zudem hervor, dass der Weleda Cradle Campus aktuell der größte zusammenhängende Stampflehmbau Deutschlands ist.

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zuletzt editiert am 20. Januar 2025
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