Aufsteigende Feuchtigkeit kann Mauerwerk langfristig zersetzen. Deshalb sollten Häuser so abgedichtet sein, dass Wasser aus dem Untergrund nicht in die Bausubstanz eindringt. Doch was tun bei bereits feuchten Altbauwänden, die über keine ausreichende Abdichtung verfügen? Hier helfen bauchemische Produkte, die sich im Nachhinein in den Sockelbereich der Gebäudemauern injizieren lassen.
Für ihre Injektionslösungen bieten die Bauchemiehersteller flüssige oder gel- beziehungsweise cremeartige Produkte an, deren Wirkung meist auf Silikonharzen, Silanen/Siloxanen, Alkalisilikaten oder Acrylat-Gelen basieren. Diese Substanzen gelangen über zuvor gebohrte Löcher in den Sockelbereich des Mauerwerks, wo sie sich gleichmäßig über den Wandquerschnitt verteilen. Nach der Injektion müssen die Materialien zunächst aushärten. Danach sollte keine Feuchtigkeit mehr aus dem Erdreich in die Baustoffe gelangen, weil die Chemikalien deren wassersaugende Kapillare verschließen, sodass eine flüssigkeitsdichte Wand entsteht.
Minimalinvasive Sanierung
Beim Injektionsverfahren handelt es sich übrigens nur um eine Variante zum nachträglichen Einbau von Horizontalsperren in bestehendes Mauerwerk. Alternativ lässt sich eine wassersperrende Schutzschicht auch realisieren, indem man Kunststofffolien, Bitumenbahnen oder Metallbleche in den Wandquerschnitt einarbeitet. Solche mechanischen Lösungen sind allerdings aufwändiger, weil die Bestandsmauer dafür aufgesägt werden musss. Weitere Infos zu diesem Thema bietet der BaustoffWissen-Beitrag „ Was ist das Mauersägeverfahren? “.
Für das einfachere und entsprechend günstigere Injektionsverfahren muss man dagegen nur alle 10–25 cm ein Loch in den Wandsockel bohren. In die Bohrkanäle werden dann die wassersperrenden chemischen Substanzen injiziert. Dieses Verfahren hat sich heute als am meisten verbreitete Lösung für den nachträglichen Schutz vor aufsteigender Feuchtigkeit etabliert. Damit sich die Injektionslösung auch wirklich über den gesamten Wandquerschnitt verteilt, müssen die Bohrlöcher tief genug sein. Es ist üblich, dass sie etwa zwei Drittel der Wanddicke ausmachen.
Gelingt die Horizontalsperre per Injektion, bedeutet das noch nicht, dass die darüberliegende Wand nicht mehr feucht ist. Aber immerhin kommt kein weiteres Wasser aus dem Untergrund mehr nach. Dadurch können feuchtebelastete Altbauwände mit der Zeit wieder vollständig trocknen. Unterm Strich ermöglicht das Injektionsverfahren durch seine vergleichsweise einfache Anwendbarkeit eine minimalinvasive Sanierung von feuchtebelastetem Mauerwerk – und das weitgehend ohne Baulärm und Staubbelastung.
Die vollständige Trocknung der Bausubtanz oberhalb der Horizontalsperre lässt sich beschleunigen durch die Anwendung von Sanierputzen auf der Wandinnenseite. Diese Produkte sind wasserdampfdurchlässig und erleichtern somit die Austrocknung der Wand. Zudem sind sie kaum kapillaraktiv, sodass aus dem Innenraum nur wenig Luftfeuchtigkeit in das Mauerwerk eindringt. Sanierputze helfen aber eben nicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit. Dafür bedarf es einer Horizontalsperre – chemisch oder mechanisch.
Drucklose Anwendung
Die meisten Injektionslösungen werden drucklos injiziert. Dafür muss man die Lochkanäle so in die Wand bohren, dass sie schräg nach oben verlaufen. Dadurch kann der Injektionsstoff über einen längeren Zeitraum allein durch seine eigene Schwerkraft beziehungsweise durch das Saugverhalten der Kapillare in das Mauerwerk eindringen.

Ermöglicht wird dies in der Regel, indem man die Flaschenbehälter mit der Injektionsflüssigkeit kopfüber in die Bohrlöcher einhängt. Die Einwirkzeit ist produktabhängig. Es ist durchaus üblich, dass die Injektionsbehälter zwölf bis 48 Stunden in den Bohrlöchern hängen bleiben müssen. Normalerweise setzt man die Injektionskanäle auf der Innenwandseite. Dadurch lassen sich Erdarbeiten vermeiden. Bei sehr dicken Gebäudewänden kann es gleichwohl notwendig sein, die chemische Lösung zusätzlich auch von außen zu injizieren.
Nach Abschluss der drucklosen Injektion müssen die in die Wand eingeleiteten Chemikalien noch trocknen. Das kann je nach Produkt noch einmal ein bis zwei Tage dauern. Die genaue Trocknungszeit ist im Grunde aber nicht so wichtig, da man die behandelte Wand ohnehin nicht gleich wieder verputzen oder anderweitig beschichten sollte. Stattdessen empfiehlt es sich, zunächst mehrere Monate zu warten und dabei regelmäßig zu kontrollieren, ob die chemische Horizontalsperre auch wirklich funktioniert.
Erst wenn eindeutig klar ist, dass die Wassersperre über einen längeren Zeitraum intakt bleibt, kann die Wand wieder endbeschichtet werden. Gleichwohl ist auch dann nicht auszuschließen, dass eine Injektionsbehandlung nach einigen Jahren wiederholt werden muss. Das hängt nicht zuletzt auch von der vor Ort tatsächlich vorhandenen Feuchtebelastung aus dem Untergrund ab.
Erfolgreiches Praxisbeispiel
Dass das Injektionsverfahren aber durchaus eine sehr langfristige Lösung zur Trockenlegung feuchter Mauern sein kann, zeigt das Praxisbeispiel eines historischen Schulhauses in der Marktgemeinde Diedorf (Landkreis Augsburg). Die dortige „Alte Schule Biburg“ stand vor rund 20 Jahren aufgrund starker Feuchtigkeitsschäden kurz vor dem Abriss. „Massive Feuchtigkeit und Salzschäden hatten dem mit damals üblichen Vollziegeln im so genannten Reichsformat errichteten Mauerwerk so stark zugesetzt, dass ein Rückbau diskutiert wurde“, erinnert sich Anton Schuster, Geschäftsführer des Sanierungsspezialisten Veinal .

Die Marktgemeinde wagte sich dann doch an eine Sanierung mit einer nachträglichen Horizontalsperre im drucklosen Injektionsverfahren. In die Bohrlöcher wurde die wasserfreie und stark kriechfähige Silikonharzlösung „Veinal VSS 1-90“ injiziert. Mit Erfolg: Bis heute ist das Gebäude schadenfrei und trocken geblieben. Die nachträglich minimalinvasiv installierte Horizontalsperre ist also seit über zwei Jahrzehnten voll funktionsfähig.
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Der vor 1920 errichteten Schule fehlte wie vielen Gebäuden aus dieser Zeit eine Horizontalsperre – und damit jeglicher Schutz vor kapillar aufsteigender Feuchtigkeit aus dem Erdreich. Dies führte zu großflächigen Putzabplatzungen und Gefüge-Störungen in den Gebäudewänden. Die erfolgreiche Sanierung zeigt, dass auch schwerwiegende Feuchteschäden mit abgestimmten Systemkomponenten technisch sicher und dauerhaft behoben werden können. Die Alte Schule Biburg, die heute den örtlichen Kindergarten und Vereine beherbergt, ist damit auch ein Vorzeigeprojekt für den Denkmalschutz.
Dieser Text ist eine Aktualisierung des BaustoffWissen-Beitrags „Mauerwerk: Was tun gegen aufsteigende Feuchtigkeit?“ von Februar 2017.