Matthias Günther warnt vor ungewollten Nebeneffekten der Wohngelderhöhung. (Quelle: Olaf Delke)

Aktuell 2024-08-19T07:00:00Z Mehr Wohngeld = höhere Mieten?

Bundesbauministerin Klara Geywitz hat angekündigt, das Wohngeld für einkommensschwache Haushalte im kommenden Jahr um durchschnittlich 30 Euro pro Monat anzuheben. Das Pestel-Institut warnt in diesem Zusammenhang vor einem ungewollten Effekt: Ohne zusätzliche Wohnungen könnte die Wohngelderhöhung am Ende zu einer weiteren Steigerung der Mieten im unteren Preissegment führen.

Mit der Anhebung des Wohngeldes will die Bundesregierung den Anstieg von Mieten und Preisen ausgleichen. Doch Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts , warnte letzte Woche in einer Pressemitteilung: „Mit der Anhebung des Wohngeldes steht einem Teil der Haushalte mehr Geld fürs Wohnen zur Verfügung – allerdings ohne dass zusätzliche Wohnungen verfügbar sind. Damit wird der Mietenanstieg beschleunigt“.

Ungewollter Effekt der Mietpreistreiberei

Das Pestel-Institut, das einen Forschungsschwerpunkt bei der Wohnungsmarkt-Analyse hat, fürchtet einen ungewollten Effekt der Mietpreistreiberei. „Aktuell fehlen in Deutschland über 500.000 Wohnungen“, erläutert Günther. „Vermieter sitzen damit am längeren Hebel: Sie können sich ihre Mieter aussuchen. Und viele nutzen die Situation auch aus, um mit den Mieten immer weiter nach oben zu gehen.“

Günther hält Wohngeld zwar grundsätzlich für „richtig und wichtig“, fürchtet aber, dass ein dysfunktionaler Einsatz der Transferleistung zu einer Steigerung der Mieten gerade im unteren Preissegment führt: „Die Auswirkungen davon bekommen vor allem Haushalte zu spüren, deren Einkommen knapp über der Wohngeldgrenze liegen“.

Die unmittelbare Förderung der Mieter funktioniere nur in Wohnungsmärkten mit einem ausreichenden quantitativen Angebot, also in Märkten ohne latente Mieterhöhungsspielräume – argumentiert der Ökonom. Das eigentliche Problem sei die über Jahrzehnte vernachlässigte Schaffung von bezahlbaren Wohnungen, ob mit oder ohne Sozialbindung. „Die vom Staat gezahlte direkte Unterstützung der Haushalte bei den Wohnkosten, ob durchs Wohngeld oder die Übernahme der Kosten der Unterkunft, hat noch nie für Wohnungsneubau gesorgt“, so das Fazit von Matthias Günther.

zuletzt editiert am 15. August 2024
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